Wegen Hitze und zu wenig Regen sind viele Pflanzen „notreif“, bereits geerntet und haben weniger Nährstoffe

„Und jetzt trocknet alles weg“

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Weil der Mais aufgrund der Trockenheit so niedrig ist, wie Lars Blaschke erklärt, ist auch die Ernte mit Maschinen schwierig.

Lindstedterhorst. „Der Mais müsste eigentlich schon um die zwei Meter hoch sein“, erklärt Lars Blaschke mit Blick auf die Pflanzen um ihn herum. Bis auf einige wenige ist der Mais maximal einen halben Meter hoch.

Doch viel größer werden die Pflanzen mit den teilweise vertrockneten Blättern auf dem Feld in der Nähe von Trüstedt wahrscheinlich nicht mehr, so der Vorstandsvorsitzende der Agrarproduktion Lindstedt eG weiter.

Es gibt kaum Kolben, dennoch wird der Mais schon geerntet. Auch viele andere Pflanzen sind „notreif“.

Auch werden viele daher keine Kolben bekommen. Denn es gab in den vergangenen Monaten zu wenig Regen. Doch wie der Mais sind die meisten Pflanzen nicht nur wesentlich kleiner, sondern wegen der zudem teilweise sehr heißen Wochen sind bereits viele andere Nutzpflanzen auf den Feldern der Agrarproduktion Lindstedt eG rund um Lindstedterhorst, Lindstedt, Wollenhagen, Kassieck und Seethen reif – „notreif“ so Lars Blaschke. Wie die Wintergerste, die bereits drei Wochen eher geerntet werden musste, obwohl das Getreide „bis April, Mai noch gut“ aussah. Oder der Raps, der eigentlich erst Mitte Juli von den Feldern geholt wird, wie der Vorstandsvorsitzende weiter erklärt. Lediglich zwei Drittel Weizen, etwas Raps und Roggen – der aber auch in den nächsten Tagen gedroschen werden muss – sowie einige hunderte Hektar Mais stehen noch auf den 1300 Hektar umfassenden Ackerflächen.

Die Ernte fällt zudem viel geringer aus in den Jahren zuvor. Insgesamt erwarte Lars Blaschke bis zu 40 Prozent weniger als der Durchschnitt an Ertrag. Aber „so genau kann ich das jetzt noch gar nicht sagen“. Auch seien wegen der Trockenheit die Körner des Getreides kleiner, daher auch das Gewicht des Mehlkörpers geringer. Bei der Gerste liege dieses Gewicht durchschnittlich bei 62 Hektolitern. Auf den Feldern wurden in diesem Jahr Mehlkörper von weniger als 55 Hektolitergewicht geerntet.

Der Ertrag in diesem Jahr sorge „schon mal dafür, nachts nicht zu schlafen“. Denn Mitarbeiter und Pacht müssen bezahlt werden. Dazu komme noch die Angst, dass es auf den Feldern brennen könnte und die Ernte noch geringer ausfällt. Einen kleineren Brand gab es sogar schon. Dieser konnte aber eigenständig gelöscht werden, da auf den Ackerflächen bei Erntearbeiten immer ein Wasserwagen am Feldrand steht.

Obwohl schon viele Nutzpflanzen von den Feldern eingebracht wurden, hofft der Vorstandsvorsitzende, dass es trotzdem bald wieder regnet. Die Regengüsse in der vergangenen Woche – immerhin um die 40 Liter, wie Lars Blaschke gemessen hat – konnten vom Boden wegen der Trockenheit nicht aufgenommen werden. Das Wasser lief auf Wege, sammelte sich in Gräben. Doch damit ist die durchschnittliche Regenmenge von 56 Litern für diesen Monat fast erreicht. Anders als im Juni. Dort hätten 62 statt 19 Liter Regen fallen müssen. Im Mai regnete es durchschnittlich 40 Liter zu wenig, im April etwa 21 Liter zu viel.

Doch wegen Regen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten konnte der Vorstandsvorsitzende „einen guten ersten Schnitt“ des 500 Hektar umfassenden Grünlandes verzeichnen. Der zweite und dritte Schnitt fielen allerdings weniger ertragreich aus. Davon blieben aber auch einige Hektar als Silage und für Kühe – die Genossenschaft bewirtschaftet nicht nur Ackerflächen, sondern hat auch einen Milchviehbetrieb – als Futter. Das wurde bereits knapp, weswegen Futterreserven aus der letztjährigen Ernte genutzt wurden. „Das ist aber kein Problem“, so Lars Blaschke. Das könnte es erst im kommenden Jahr bei erneuter geringer Ernte werden und bei den womöglich wenigen Futterreserven aus dem jetzigen Ertrag. Und der sah im Winter noch gut aus, die Pflanzen standen gut, wie er sich erinnert. „Und jetzt trocknet alles weg.“

Von Ina Tschakyrow

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