Auf den Tag genau ein Jahr nach der Umbettung haben die Kriegsgefangenen nun Namen erhalten

Gardelegen: Totenbuch erinnert nun an gestorbene Russen

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Das Totenbuch listet die Namen der 197 ums Leben gekommenen russischen Kriegsgefangenen auf, die im damaligen Zwangsarbeiterlager bei Zienau ihr Leben lassen mussten.

Gardelegen. Ein Totenbuch erinnert seit wenigen Tagen an die 197 umgekommenen russischen Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg, die auf dem Gardelegener Friedhof ihre allerletzte Ruhestätte gefunden haben.

Auf den Tag genau ein Jahr nach deren Umbettung erinnern zwei solche Bücher an das Schicksal jener Menschen, die vor rund 100 Jahren unweit von Gardelegen, in einem Kriegsgefangenenlager am Rande von Zienau, ihr Leben lassen mussten. 

Der dort angelegte Friedhof blieb über viele Jahrzehnte lang nahezu unbekannt, um die Gräber kümmerte sich niemand. Im Herbst 2016 wurden die Gräber dann auf den Gardelegener Friedhof, unweit der Kapelle, umgebettet. Seitdem gibts dort ein Gräberfeld, auf dem Gras wächst und das von der Lebenshilfe gepflegt wird.

Ein kleines Schild weist auf das Gräberfeld auf dem Gardelegener Friedhof an der Bismarker Straße hin. Die Rasenfläche wird von der Lebenshilfe gepflegt. 

Am Volkstrauertag stellten die Stadt Gardelegen, der Verein für Kultur und Denkmalpflege und der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge in einer gemeinsamen Aktion das Totenbuch und ein zusätzlich angebrachtes Buch mit Hintergrundinformationen zum damaligen Geschehen sowie zur Geschichte des Gräberfeldes auf. „Wir haben damit unseren Auftrag erfüllt“, erklärt dazu Birgit Matthies, Fachbereichsleiterin im städtischen Ordnungsamt, die in der Stadt die Fäden zusammenhielt. Ausdrücklich lobt sie die Mitarbeit von Wally Schulz und Anette Bernstein vom Verein für Kultur und Denkmalpflege, von Dr. Hans-Joachim Becker, dem Kreisvorsitzenden des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge, und von der ehemaligen Französisch-Lehrerin Ingeborg Köhn, die für die Übersetzung diverser Texte zuständig war: „Ohne sie hätten wir das nicht geschafft.“

Das Totenbuch selbst ist von der russischen Botschaft in Berlin erstellt worden. „Die Namen der verstorbenen Kriegsgefangenen waren bekannt“, blickt Birgit Matthies auf die monatelange akribische Arbeit zurück. In der Botschaft wurden diese Namen nach und nach abgeglichen und im Vorfeld des Volkstrauertages auf die Platten übertragen. „Unser aller Ziel war es, das Totenbuch pünktlich am Volkstrauertag aufzustellen“, so Birgit Matthies.

Das Geld für diese Anschaffung hat das Land Sachsen-Anhalt, konkret das Landes-Innenministerium zur Verfügung gestellt. Dazu gehört auch ein eher unscheinbares „Gräberfeld“-Schild am Rande dieses Gräberfeldes. Eine Gardelegener Metallbaufirma hat Totenbuch, Info-Buch und Gräberfeld-Schild erstellt. Und zwar in identischer Weise wie das Totenbuch, das es bereits seit einiger Zeit auf der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe, am Rande des dortigen Gräberfeldes, gibt.

Von Stefan Schmidt

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