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Tödlicher Unfall auf B 71: Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu Geldstrafe verurteilt

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Von: Ina Tschakyrow

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Das Amtsgericht Gardelegen
Ein Mann wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. © Schmidt

Wegen fahrlässiger Tötung wurde ein Mann am Freitag am Amtsgericht in Gardelegen verurteilt. Er hat im April 2021 einen Unfall verursacht, bei dem ein Motorradfahrer verstarb. Der Unfall wäre vermeidbar gewesen.

Gardelegen / Letzlingen – Ein 30-Jähriger wurde wegen fahrlässiger Tötung am Gardelegener Amtsgericht verurteilt. Er hat am 19. April 2021 einen Unfall auf der B 71 zwischen Gardelegen und Letzlingen verursacht, bei dem ein Motorradfahrer verstarb.

Laut der Anklage, die beim ersten Termin der Verhandlung im November verlesen wurde, habe der Stendaler nicht ausreichend auf den Verkehr geachtet und nicht den Schulterblick gemacht, wodurch er den sich bereits im Überholvorgang befindlichen Motorradfahrer übersah. Ein weiterer Verhandlungstermin war nötig, weil nicht alle Zeugen der Ladung zur ersten Verhandlung gefolgt waren.

Keine genauen Angaben zum Unfall

Am Freitag begann die Fortsetzung der Verhandlung mit einem 33-jährigen Gardelegener, der sich im Auto des angeklagten Fahrers befand, indem es noch weitere Insassen gab. Sie kamen von Augsburg, wo sie arbeiteten und nach der Nachtschicht wieder nach Hause fuhren. Der Zeuge war Beifahrer und habe nicht „viel vom Unfall gesehen“. Er habe aber gesehen, wie der Angeklagte zum Überholen ausgeschert ist und es, auf der Straße auf Höhe der Hälfte des zu überholenden Autos, gekracht hat. Wann es genau gekracht hat und wie es zum Unfall kam, konnte der 33-Jährige nicht sagen. Er war sich sicher, dass der Angeklagte in den Seitenspiegel gesehen und den Blinker gesetzt habe. Ob er nach hinten geschaut habe, wollte Richter Axel Bormann wissen. Das verneinte der Zeuge.

Ehefrau hat Unfall nicht gesehen

Anschließend sagte die Ehefrau des Verstorbenen aus, die an dem Unfalltag mit ihrem Mann zu einem Termin nach Magdeburg fuhr und auf dem Rückweg mit dem Auto, während ihr Mann sein Motorrad fuhr, welches in der Werkstatt war. Sie erzählte, dass sich ihr Mann auf der B 71 vor ihr befand, sie ihn aber nicht sehen konnte. Irgendwann fingen die Autos an, zu blinken und zu wenden, wodurch sie weiter nach vorne kam und das Motorrad sah. Den Unfall hat die Ehefrau nicht gesehen.

Ein weiterer Insasse des angeklagten Fahrers sagte danach aus. Der 22-jährige Stendaler gab bei seiner Aussage bei der Polizei an, dass er „alles gut sehen konnte“, geblinkt wurde und der Angeklagte in den Spiegel schaute, wie der Richter verlas, aber bei der Verhandlung konnte er keine genauen Aussagen zum Unfall machen: Er habe beim Überholen ein Geräusch gehört, das Auto befand sich dabei auf der Gegenfahrbahn. Der Angeklagte habe zudem, erzählte der Zeuge, noch versucht, „Platz zu machen“. „Wie versucht?“, fragte Axel Bormann. „So genau weiß ich das nicht mehr“.

Spuren am Unfallort ausgewertet

Genauere Angaben zum Unfallhergang konnte der Sachverständige machen, der als letzter Zeuge aussagte. Er berichtete, dass es eine Reifenspur vom Motorrad gab, die darauf schließen lässt, dass das Motorrad vom Auto weggeschoben wurde und sich in der Schutzplanke am Straßenrand verklemmte. Der Sachverständige konnte aufgrund der Spuren feststellen, dass sich das Fahrzeug des Angeklagten mit seinen rechten Rädern noch auf der Fahrbahn in Richtung Gardelegen befand und noch nicht komplett auf der Gegenfahrbahn. Im Überholvorgang, so der Sachverständige weiter, hätte der Unfall vermieden werden können, wenn der Angeklagte den Schulterblick gemacht oder nochmals in die Spiegel geschaut hätte.

Zweifel an Aussagen der Zeugen

Die Staatsanwältin war davon überzeugt, dass der Angeklagte nicht ausreichend den Schulterblick gemacht und in die Spiegel geschaut hatte und er sonst den Motorradfahrer gesehen hätte. Die Schuld am Unfall mit fahrlässiger Tötung habe sich bestätigt, erklärte die Staatsanwältin im Plädoyer. Laut Anwältin der Nebenklage – der Familie des Verstorbenen – hat „der Verstorbene keine Chance gehabt“. Die Verteidigerin des Angeklagten beantragte einen Freispruch. Er entschuldigte sich bei der Familie und beteuerte, dass er den Motorradfahrer nicht sah.

Richter Axel Bormann verurteilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 2700 Euro (90 Tagessätze á 30 Euro). Auch er war davon überzeugt, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre und zweifelte zudem die Aussagen der Zeugen an, die in dem Auto des Angeklagten saßen.

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