Zwei Niederländerinnen interviewen Gymnasiasten für Website

Todesmarsch gen Gardelegen

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Esther de Kloe (l.) setzte die Gymnasiasten in Szene, während Freke Remmers (M.) die Interviews führte. Die beiden Niederländerinnen arbeiten für die Website „Weg zur Befreiung“ und waren am Montag zu Gast in der Bildungseinrichtung.

Gardelegen. Die Gräueltaten der Nationalsozialisten vom 13. April 1945 in Gardelegen, als 1016 Menschen in der Feldscheune Isenschnibbe verbrannt wurden, führten am Montag Freke Remmers und Esther de Kloe aus den Niederlanden in die Hansestadt, genauer gesagt ins Gymnasium „Geschwister Scholl“.

Dort sprachen sie mit Geschichtslehrerin Andrea Müller, der Schulsprecherin Linda Rubovci, den Mitgliedern der Projektgruppe „Stolpersteine“ aus den neunten (Chantal Röhse, Annika Leue, Elisabeth Schönegge, Paula Schulze und Minh Chau Trang) und elften (Karla Steinecke, Tabea Kreutz, Les Weisbach, Jessica Kraska und Lena Leuschner) Klassen sowie mit einigen Zehntklässlern (Nora Pietz und Steven Jürs) über ihr Wissen um den bestialischen Mord und worauf dieses basiert, die Aufarbeitung und wie sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und was diese Auseinandersetzung für sie als junge Menschen bedeutet. Während Freke Remmers die Interviews führte, setzte Esther de Kloe sie und die Gruppe im Amphitheater der Bildungseinrichtung in Szene.

Die beiden jungen Frauen arbeiten an der niederländischen Website www.wegnaardebevrijding.nl (Weg zur Befreiung) mit, auf der dann auch das Interview zu sehen sein wird. Denn auch in ihrer Heimat jährt sich die Befreiung vom Hitlerfaschismus in diesem Jahr zum 70. Mal. Das nahmen die Macher der Website zum Anlass, sich mit diesem Thema europaweit zu beschäftigen – einige Kollegen sind, wie sie erzählten, beispielsweise auch in Frankreich unterwegs. Und bei ihren Recherchen stießen die beiden Holländerinnen auf die Todesmärsche. Als die Rote Armee am 18. Januar 1945 kurz vor dem KZ Auschwitz stand, trieb die SS Zehntausende Häftlinge Richtung Westen. Für über Tausend endete der Weg in der Hansestadt.

Von den Schülern erfuhren sie unter anderem, dass diese sich im Geschichtsunterricht der zehnten Klassen mit diesem Thema im allgemeinen und speziell mit den bestialischen Morden in der Feldscheune beschäftigen und dabei auch eng mit dem Förderverein Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe zusammenarbeiten. Das sei wichtig, um die Erinnerung daran als Mahnung wach zu halten, damit so etwas nie wieder geschieht. Dazu dient auch das jährliche Gedenken am 13. April auf der Mahn- und Gedenkstätte, das zum 70. Jahrestag in diesem Jahr als große Veranstaltung inklusive eines Gedenkmarsches auf einer Todesmarschroute von Mieste über Solpke und Breitenfeld nach Zichtau und am nächsten Tag weiter nach Gardelegen geplant ist. Weiterhin erfuhren die Niederländerinnen von der Aktion „Stolpersteine“, mit der sichtbare Zeichen in Erinnerung an die vertriebenen und ermordeten Juden Gardelegens in der Stadt gesetzt werden.

Von Elke Weisbach

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