Carmen Hankens Erinnerungen an den „XXL-Ostfriesen“

Tamme Hanken: „Dann komm mal bei uns bei“

+
Schon vor der Lesung signierte die Autorin ihr Buch und plauderte mit den Gästen. Zur anschließenden Begrüßung gab es ein herzhaftes „Moin Moin alle zusammen.“

Gardelegen. Ihr Pferd war längst geheilt. Der Wallach hatte einen Beckenschiefstand, der eingerenkt wurde. Und doch zog es die Besitzerin immer wieder auf den Hanken-Hof im ostfriesischen Filsum. Wegen der Landschaft. Wegen der Pferde.

Und wegen des Hofbesitzers, des aus dem Fernsehen bekannten „XXL-Ostfriesen“ Tamme Hanken. Der „Knochenbrecher“ konnte nicht nur Pferde und Hunde heilen. Er hatte auch ein buchstäblich großes Herz.

Tamme Hanken wunderte sich derweil. Ständig rief diese Frau an und wollte ihr Pferd erneut untersuchen lassen. „Der Gaul hat doch nix“, sagte er zu seinem Vater. Der schaute ihn nur an und knarzte: „Tamme, du bist blind.“ Beim nächsten Besuch verabschiedete der Hüne die Pferdebesitzerin mit den Worten: „Nächste Woche kommste wieder – dann aber ohne Pferd.“ Kurze Zeit später heirateten sie.

Carmen Hanken blickte auch in die Zukunft: „Ich will auf dem Hanken-Hof weiterhin Gas geben.“

Das Buch, aus dem die Witwe des XXL-Ostfriesen am Mittwochabend in der innerhalb weniger Tage ausverkauften Gardelegener Bibliothek las, wollte der 2,06-MeterMann eigentlich selbst schreiben. Doch Tamme Hanken starb im Oktober 2016. Kurze Zeit später, berichtete seine Witwe, habe der Verlag angefragt, ob sie nicht ein Buch schreiben möge. Über Tamme Hanken und die Zeit mit ihm. Dieses Buch signierte sie vor und nach der Lesung und auch während der Pause.

Den ersten Kontakt zu ihrem späteren Ehemann gab es am Telefon, als sie ihn um einen Termin wegen der Pferdebeschwerden bat. „Dann komm mal bei uns bei“, einigte man sich auf einen Termin. Die spätere Ehefrau fuhr mit Pferdeanhänger und Pferd vor. „Du bist doch das Mädchen vom Niederrhein“, begrüßte er sie – „ich war 42 und der nennt mich einfach Mädchen“, wunderte sie sich. Aber Tamme Hankens Humor sei eben friesisch-herb gewesen. Einer Frau, die ein Island-Pony vorführte, sie selbst aber korpulent war, sagte er ins Gesicht: „Dein Pferd hat ´nen 16er Rücken. Das Problem ist: Du hast ´nen 18er Arsch.“

Carmen Hanken führt den Hanken-Hof weiter. Und geht auf Lesereise über die Erinnerungen an ihn. „Wie man mit der Trauer umgeht, muss jeder für sich entscheiden“, berichtete sie auch über „Feindseligkeiten“ von Tamme-Hanken-Fans. Über ihren verstorbenen Ehemann sagt sie: „Tammes Seele ist weiterhin auf dem Hof – und reicht mir oft die Hand.“

Von Stefan Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare