20 milchproduzierende Betriebe gaben im LKV-Bereich auf, sechs im Bereich des MKV Gardelegen/Haldensleben/Klötze

Talfahrt nicht gestoppt, aber verlangsamt

+
LKV-Geschäftsführer Dr. Lothar Döring freute sich mitteilen zu können, dass Sachsen-Anhalt mit die sauberste Milch in Deutschland hat. Keim- und Zellzahlen verringerten sich.

Zichtau. Die Talfahrt konnte zwar noch nicht gestoppt werden, aber die Fahrt an sich verlangsamte sich.

Nachdem zwischen dem 1. Oktober 2015 und 30. September 2016 insgesamt 76 milchproduzierende Betriebe im Zuständigkeitsbereich des Landeskontrollverbandes (LKV) Sachsen-Anhalt aufgegeben hatten, waren es vom Stichtag 2016 bis zum 30. September 2017 „nur noch“ 20 Betriebe, sodass derzeit 344 Milchproduzenten – darunter zwei Ziegenhalter – Mitglied im LKV sind.

Im Bereich des Milchkontrollvereines (MKV) Gardelegen/Haldensleben/Klötze stellten im letztgenannten Zeitraum sechs Betriebe die Milchproduktion ein – zwei Einzelbetriebe und vier Genossenschaften –, sodass derzeit 42 Betriebe im MKV verzeichnet sind. Diese Zahlen wurden gestern bei der schon traditionellen, gemeinsamen Jahreshauptversammlung des MKV und des Rinderzuchtvereins (RZV) Gardelegen/Klötze im Ferienpark Zichtau genannt.

Auch MKV-Kontrollinspekteurin Ulrike Rieseberg konnte einen Rückgang der Zellzahlen verkünden, die Indikator für Milchqualität und Eutergesundheit sind.

Es liege ein wechselhaftes Jahr hinter den Landwirten der Region, stellte MKV-Vorsitzender Olaf Menz zu Beginn der Versammlung fest. Das Jahr begann zwar mit Sturm und Schnee, der aber nicht lange anhielt, so der MKV-Vorsitzende unter anderem. Im Februar war es kalt und im März zu mild, sodass schon die ersten Schwalben in den Ställen zu beobachten waren. Der April bescherte dann mit Kälte und Nachtfrösten den Obst- und Spargelbauern herbe Verluste und den Geflügelzüchtern, die auf Freilandhaltung umgestellt hatten, die Stallpflicht aufgrund der Geflügelpest. Im Mai fielen einige Maisfelder dem Hagel zum Opfer. Der fast durchgängige Regen ab Juli erschwerte die Getreideernte und Stroheinbringung. Am Ende waren es dann aber trotz des trockenen Frühjahrs durchschnittliche Erträge, die insgesamt eingefahren wurden.

Der Milchpreis, der im Januar mit 32 Cent startete, stieg erst ab Juni leicht an. Im November lag er dann bei 40 Cent. Doch die Tendenz, so Olaf Menz etwas resignierend, sei schon wieder sinkend. Man dürfe den Molkereien nicht suggerieren, dass man damit rechne, dass der Milchpreis wieder sinke, erklärte daraufhin Dr. Lothar Döring, Geschäftsführer des LKV Sachsen-Anhalt, kämpferisch, sondern weitere Erhöhungen fordern. Denn die Schlappe aus 2015/16 sei noch nicht ausgeglichen. Außerdem, erklärte er etwas später nicht ohne stolz, „haben wir mit die sauberste Milch“, wie die Milchgüteprüfung wieder zeige. Und nicht nur die Keimzahlen konnten verringert werden, sondern auch die Zellzahlen, die die körpereigenen Zellen der Kuh angeben, die mit der Milch über das Euter ausgeschwemmt werden und Indikator für Milchqualität und Eutergesundheit sind. Sie sanken in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt im vergangenen Jahr von 286.000 auf 270.000, was auch Ausdruck der guten Arbeit der Landwirte sei. Das ist eine sehr positive Tendenz in den Ergebnissen der Milchkontrolle, freute sich Dr. Döring. Damit sei Sachsen-Anhalt auch nicht mehr das Schlusslicht im Vergleich der Bundesländer.

Durch die Betriebsaufgaben und trotz des Trends, dass die, die in der Milch bleiben, in die Größe gehen, verringerte sich die Anzahl der Kühe in der Milchleistungsprüfung (MLP) im LKV-Bereich von 115.281 im Dezember 2016 auf 109.406 Kühe Ende September 2017. Im Altmarkkreis Salzwedel erhöhte sich der Bestand gering von 21.541 Kühe auf 21.768, im Landkreis Stendal verringerte er sich von 23.201 Kühe auf 22.249. Die Prüfdichte lag im LKV-Bereich bei 94,2 Prozent, was etwas höher als im Vorjahr mit 92,3 Prozent war. Im Schnitt wurden 323 Kühe je MLP-Betrieb geprüft. Die durchschnittliche Milchleistung mit 9531 Kilogramm sowie die Eiweiß- und Fettprozente blieben in etwa gleich.

Dr. Döring kam auch noch auf die Hoftorschilder zu sprechen, die den Betrieben ihre Qualität bescheinigen. Dazu mehr in einer späteren Ausgabe. Zudem machte er kurz Ausführungen zu den Ohrmarken, deren Ersatz etwas zurückgegangen ist, und zur Zukunft des LKV, da sich die Anforderungen verändern. So ist eine Kooperation mit dem LKV Berlin-Brandenburg in Planung, mit dem schon jetzt enge Verbindungen bestehen, sowie die Verlagerung eines Teilbereiches in ein Tochterunternehmen. Denn ein wichtiges Ziel sei es unter anderem, die Mitgliedsbeiträge stabil zu halten.

Die positive Entwicklung bei den Zellzahlen konnte anschließend auch Kontrollinspekteurin Ulrike Rieseberg für den MKV verkünden. In seinem Bereich sind sie von 283.000 auf 255.000 gesunken. Sie liegen damit unter dem Durchschnitt in Sachsen-Anhalt. Natürlich gebe es immer noch Betriebe, wo sie über 400.000 liegen. Doch deren Anzahl sank von elf auf zwei. Dagegen stieg die Anzahl der Betriebe mit Zellzahlen zwischen 140.000 und 200.000 von vier auf sieben, was eine sehr positive Entwicklung sei. Seit 2012 sei ein ständiger Rückgang zu verzeichnen. Zu den Besten gehören der Betrieb Rainer Köthke (Audorf), die Jübarer AG, die AG Schwiesau, der Betrieb von Markus Jäger und die Drömling GmbH.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 11.461 Kühe im MKV-Bereich der MLP unterzogen. Das sind 775 Kühe weniger als im Vorjahr. Damit sank auch die Leistung um 187 auf 8861 Kilogramm (kg). Im Schnitt wurden 237 Kühe je MLP-Betrieb geprüft. Die Prüfdichte lag bei 80 Prozent.

Die leistungsstärksten Betriebe im vergangenen Jahr nach Milch-kg sind die Wachtel GbR Estedt mit 10.663 kg, die AG Schwiesau mit 10.222 kg, die Becker GbR Estedt mit 10.209 kg, die AP Kremkau mit 9910 kg, die Calvörde GbR mit 9832 kg, die GbR Francke Bösdorf mit 9781 kg, die AG Jübar mit 9646 kg, die GbR Helga Klüden mit 9606 kg, die AEG Bismark mit 9594 kg und die AP Bösdorf mit 9538 kg.

Auch neun 100.000-Liter-Kühe, die noch leben und gemolken werden, gab es im vergangenen Jahr. Das sind Laura von der Wachtel GbR (118.681 Liter), Inga von Norbert Tendler aus Jeseritz (115.055 Liter), Belinda von der APG Bösdorf (108.291 Liter), Laika von der GbR Koenig in Mieste (106.993 Liter), eine Kuh ohne Namen von der GbR Helga (104.423 Liter), Louise von der Wachtel GbR (103.808 Liter), Rosi von der LB Kunrau (101.967 Liter), eine Kuh ohne Namen von der AG Jübar (101.587 Liter) und Poesie von der Wachtel GbR (100.050 Liter).

Von Elke Weisbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare