Originaler Landtagsbeschluss für Ausstellung / Andreas Froese reiste für Forschung nach Paris

„Tabubruch“ für Gedenkstätte

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Bei der Übergabe des originalen Landtagsbeschlusses trafen sich auf der Gedenkstätte Rüdiger Erben (v.l.), Andreas Froese, Jürgen Barth, Bürgermeisterin Mandy Zepig, Dr. Hans-Joachim Becker und Konrad Fuchs.

Gardelegen. Gestern übergab SPD-Landtagsabgeordneter Jürgen Barth an Andreas Froese, Leiter der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe, den originalen Landtagsbeschluss, mit dem die Gedenkstätte in die Trägerschaft der Gedenkstättenstiftung des Landes übernommen wurde.

Dieser Antrag sei laut dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Rüdiger Erben, „etwas ganz Seltenes“, denn den Antrag stellten im Dezember 2011 mehrere Abgeordnete aus unterschiedlichen Fraktionen. Zudem seien solche Anträge auch ebenso selten erfolgreich, so habe Rüdiger Erben bei Recherchen herausgefunden, dass dies seit 2006 nur zwei Mal passiert sei. Einer davon war der zur Übernahme der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe.

So gab es damals aber „geringe Begeisterung“ bei der Stiftung, die Gardelegener Gedenkstätte zu übernehmen. Der Grund lag darin, dass finanzielle Mittel für diese Gedenkstätte nicht von den anderen im Land „abgeschnitten werden sollten“. Zudem habe sich „die Stadt gut um die Gedenkstätte gekümmert“, so Rüdiger Erben, ebenso viele Vereine, wie der Förderverein Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe oder der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Dennoch haben die damaligen Abgeordneten, die vor Ort das Anliegen hatten sowie sich mit der Gedenkstätte beschäftigten, den „Tabubruch“ begangen. Der Antrag wurde schließlich vom Landtag einstimmig beschlossen, erklärte Rüdiger Erben weiter. Die damit festgelegte Übernahme werde zudem von der historischen Bedeutung des Ortes verlangt, so Dr. Hans-Joachim Becker, Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die Gedenkstätte sei laut Konrad Fuchs, Fördervereins-Vorsitzender, zudem der „Grundstein für die Aufarbeitung“ der Kriegsverbrechen zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Doch nicht nur deswegen sei der Antrag wichtig gewesen, sondern auch, weil sich sonst die Gedenkstätte nicht so entwickelt hätte, erklärte Rüdiger Erben mit Blick auf die Bauarbeiten, bei denen momentan das Untergeschoss des neuen Besucher- und Dokumentationszentrums entsteht. Dort soll eine Ausstellung gezeigt werden, in der dann der originale Landtagsbeschluss einen Platz erhalten soll, denn dieser sei laut Rüdiger Erben „für die Nachwelt erhaltenswert“.

Für diese Ausstellung und Forschung, die dort ebenso ermöglicht werden soll, war Andreas Froese in der vergangenen Woche in Paris. Dort besuchte er das Nationalarchiv, um sich die Akten anzusehen, die Gardelegen betreffen und die unter anderem erstellt wurden, um französische Landsleute nach Hause zu holen. So wurden insgesamt 34 Ermordete wieder nach Frankreich und Belgien überführt, erzählte Andreas Froese. Er habe sich die Akten angesehen, um weitere Namen herauszufinden, denn zwei Drittel der Gräber seien immer noch unbekannt. Zudem sei es interessant gewesen, wie französische Behörden auf den Ort geschaut haben. Auch heute schauen diese und weitere Länder laut Andreas Froese mit Vorfreude auf die Entstehung des Besucher- und Dokumentationszentrums, „da die Bedeutung der Gedenkstätte über Gardelegen hinaus strahlt“.

Von Ina Tschakyrow

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