Wer in Gardelegens Bibliothek die Ausleihe auch nur einen Tag überzieht, wird zur Kasse gebeten

Strafsatzung: Noch nichts passiert

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Die Gebührenordnung für die Gardelegener Bibliothek ist sehr streng: Wer auch nur einen Tag überzieht, der wird sofort zu Kasse gebeten. Dies betrifft auch Kinder.

Gardelegen. Es ist etwas mehr als ein Jahr her, dass Christiane Bräu, die Leiterin der Gardelegener Bibliothek, während der Sitzung des damaligen städtischen Kulturausschusses ein heikles Thema ansprach.

Es ging um die Bibliothekssatzung, die in ganz Sachsen-Anhalt wohl einmalig ist. Denn sie ist sehr restriktiv gefasst.

Diese Satzung, so sprach Christiane Bräu bei der damaligen Runde in der Bibliothek das Problem an, sorge für Unmut vor allem bei Eltern. Denn Inhalt ist: Wer seine ausgeliehenen Medien – also Bücher, aber auch Hörbücher, DVDs und CDs – auch nur einen Tag zu spät abgibt, der wird zur Kasse gebeten. Und zwar unabhängig vom Alter. Auch Kinder und Jugendliche müssen vom ersten Tag an eine Strafgebühr bezahlen, die sich steigert, je länger die Medien nicht zurückgegeben werden. In Extremfällen seien da schon mal 80 Euro zustande gekommen – beispielsweise in den Sommerferien, wenn die Familie verreist war und das Buch versehentlich nicht vorher zurückgegeben worden war. Manche Eltern hätten daraufhin ihre Kinder nicht mehr in die Bibliothek geschickt.

Christiane Bräu bat darum, die Satzung zu ändern und weniger streng auszulegen. Dafür bekam sie vor gut einem Jahr auch einen Auftrag: Ein neuer Satzungsvorschlag solle her, damit sich der städtische Kulturausschuss und später auch der Stadtrat – er müsste die Satzung neu beschließen –damit beschäftigen können.

Doch bisher ist nichts passiert. „Wir sind noch nicht soweit“, erklärt Christiane Bräu auf Anfrage der AZ. Man wolle das Thema aber weiterhin angehen. Zumal die Besetzung des jetzigen Stadtrates größtenteils anders ist als jene des damaligen Stadtrates, der die strenge Satzung – gegen den Widerstand der Verwaltung und der damaligen Bibliotheksleiterin Ursula Isenberg – durchgesetzt hatte.

Von Stefan Schmidt

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