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Stolperstein-AG des Gardelegener Gymnasiums arbeitet jüdische Geschichte auf

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Von: Lea Weisbach

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Lehrerin und Stolpersteinmitglieder besprechen Verlegung.
Lehrerin Nadja Müller (von links) plant gemeinsam mit Hanna Kunze, Maya Szymitzek und weiteren Mitgliedern der AG die Stolpersteinverlegung. ©  Lea Weisbach

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine plant in diesem Monat ihre letzte Verlegung für die Schicksale jüdischer Familien in Gardelegen. Fünf Steine werden dabei von Künstler Gunter Demnig in den Boden gesetzt.

Gardelegen – „Die Familie Hess ist die letzte jüdische Familie, für die wir Stolpersteine verlegen werden“, erzählte Lehrerin Nadja Müller beim Treffen der Stolperstein-Arbeitsgemeinschaft (AG) des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Gardelegen. Während der fünften Verlegung am Dienstag, 24. Mai, werden fünf Stolpersteine von Künstler Gunter Demnig in den Boden gesetzt.

Ab 16 Uhr wird er vier Steine – für Richard Hess Senior, seine Frau Mathilde (geborene Schliecker), seinen Sohn Richard Hess Junior und seine Schwester Josephine Hess – an der Bornemannstraße 6 in Gardelegen in den Weg einlassen. Ein weiterer Stein für Ernst Hess, dem Bruder von Richard Hess Senior, wird anschließend an der Bahnhofstraße 33 verlegt.

Geschichte von Familie Hess

Siegmund Hess, der Vater von Richard Hess Senior, erbaute an der Bornemannstraße 6 die Musikschule, erzählte Neuntklässlerin Maya Szymitzek, die sich mit der Familiengeschichte auseinandergesetzt hat. Früher war dies eher ein Musikraum mit einem internatähnlichen Wohnhaus. Nach dem Tod von Siegmund Hess wurde die Musikschule von Richard Hess Senior übernommen.

Zu dem Vorbereitungstreffen der Stolpersteinverlegung war außerdem Karl-Heinz Reuschel eingeladen. Er brachte die Stolpersteine der Familie Hess mit und zeigte sie den Schülerinnen vor Ort. Reuschel interessiert sich seit Jahren für das Judentum – besonders für die Schicksale jüdischer Familien aus Gardelegen, worüber seine Schwiegermutter Gisela Bunge ein Buch schrieb. Mit diesem Wissen unterstützt er die Schülerinnen und Schüler der AG seit ihrer Gründung.

Ablauf der Verlegung

Die Zwölftklässlerin Hanna Kunze, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, erläuterte allen Anwesenden kurz das Programm am 24. Mai. Während der Verlegung werden Gedichte sowie Musikstücke zu hören sein. Im Anschluss sollen Interessierte außerdem die Möglichkeit haben, die Räumlichkeiten der AG im Geschwister-Scholl-Gymnasium zu besichtigen – insofern es die aktuelle Corona-Lage erlaube.

Doch die letzte Verlegung der Stolpersteine für Familie Hess bedeutet nicht, dass die Schülerinitiative nichts mehr zu tun hätte. Ihr Schwerpunkt liege momentan bei der Mitarbeit zum Denkmal am Postparkplatz und der Nikolaikirche, welches an die Bombardierung Gardelegens am 15. März 1945 erinnern soll. Außerdem seien sie im Gespräch mit einer Gruppe, die sich mit Zwangsarbeit im Nationalsozialismus befasst, „aber dies ist noch in den Anfängen“, berichtete Nadja Müller. Auch werden sie weiterhin aktiv am Gedenken zur Reichspogromnacht sowie zum Holocaust-Gedenktag mitwirken.

Die aktuelle Verlegung war bereits im Jahr 2019 geplant. Diese musste jedoch verschoben werden. Aufgrund der Covid-19-Pandemie sei es schwierig gewesen, einen neuen Termin zu finden. „Die Steine waren fertig. Da boten sie uns erst an, sie selbst zu verlegen“, erzählt Karl-Heinz Reuschel. Dies sei jedoch nicht im Interesse der Schülerinnen und Schüler gewesen, sodass nach Absprache mit Gunter Demnig ein neuer Termin gefunden wurde.

Der Künstler setzte am 28. April den 90.000. Stein in Penzberg, wo im Jahr 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 16 Menschen ermordet wurden. Mittlerweile verlegt Gunter Demnig auch häufig Steine für Euthanasie-Opfer.

Bereits 41 Stolpersteine verlegt

Momentan erinnern in Gardelegen 41 Stolpersteine für Mitglieder der Familie Cohn, Marcus, Holz, Klein, Baermann, Hesse, Rieß, Sonnenfeldt, Lippstädt, Lemberg und Behrens an dessen Schicksale.

Die Stolperstein-AG existiert seit 2013 und wurde von neun Schülerinnen und Schülern mit Lehrerin Andrea Müller ins Leben gerufen. Aktuell zählt die AG 15 Mitglieder aus den jetzigen zwölften Klassen und zehn neue Mitglieder aus den neunten Klassen, die sich mindestens einmal in der Woche treffen.

AG-Vorsitzende Hanna Kunze wird zudem während der fünften Stolpersteinverlegung in Gardelegen den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft weitergeben, da sie in diesem Jahr ihr Abitur schreibt.

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