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Stolpersteine erinnern an Familie Hess in Gardelegen

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Von: Ina Tschakyrow

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Stolperstein wird verlegt
Künstler Gunter Demnig verlegte an der Bahnhofstraße 33 einen Stolperstein. © Lea Weisbach

Fünf weitere Stolpersteine wurden am Dienstag in Gardelegen verlegt. Dabei setzte sich die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine des Geschwister-Scholl-Gymnasiums mit der Geschichte der jüdischen Familie Hess auseinander.

Gardelegen – „Um das Gedenken an die jüdische Familie Hess zu bewahren“, sagte Hanna Kunze von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Stolpersteine des Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasiums, wurden am Dienstag fünf Stolpersteine in Gardelegen verlegt. Mit der Verlegung sollen zudem „die Gräueltaten der NS-Zeit nicht in Vergessenheit geraten“, fuhr sie fort. Kurz darauf erklangen Gitarren- und Violinenklänge und Künstler Gunter Demnig setzte die vier Stolpersteine an der Bornemannstraße 6 für Richard Hess Senior (1873-1940), seine Frau Mathilde (geborene Schliecker, 1860-1944), seinen Sohn Richard Hess Junior (1898-1941) und der Schwester von Richard Hess Senior, Josephine Hess (1867-1941), sowie später einen Stolperstein an der Bahnhofstraße 33 für Ernst Hess, der 1877 geboren wurde und mit Hilfe überlebte und der der Bruder von Richard Hess Senior ist, ein.

Richard Hess Senior übernahm 1912 die Musikschule seines Vater Siegmund Hess, der unter anderem für besondere Verdienste in der Blasmusik geehrt wurde, an der Bornemannstraße 6. Die Musikschule stellte die Stadtkapelle dar. 1935 wurde über ihn ein Berufs- und Ausbildungsverbot vom Präsidenten der Reichsmusikkammer verhängt. In dem Haus mit der Musikschule wohnten Richard Hess Senior, seine Frau sowie die Familie seines Sohnes Richard und seine Schwester Josephine. Infolge der Nürnberger Gesetze durfte Richard Hess Senior nicht mehr mit der Familie seines Sohnes zusammenleben, sodass die Familie in den Saal der ehemaligen Musikschule zog.

Am Dienstag fand die fünfte und vorerst letzte Stolpersteinverlegung in Gardelegen statt. „Als Stadt sind wir unglaublich dankbar“, sagte Bürgermeisterin Mandy Schumacher über das Engagement der Mitglieder der AG Stolpersteine, die die Verlegungen initiiert haben. Die Arbeitsgemeinschaft gründete sich 2013 und seitdem erinnern in Gardelegen neben den gestern verlegten fünf Stolpersteinen 41 weitere an die Familien Cohn, Marcus, Holz, Klein, Baermann, Hesse, Rieß, Sonnenfeldt, Lippstädt, Lemberg und Behrens. Mit der gestrigen Stolpersteinverlegung sei die Arbeit der AG aber nicht beendet, so Mandy Schumacher. Die Mitglieder haben sich neue Forschungsaufgaben gesucht und beteiligen sich beispielsweise an der Gestaltung des Gedenkortes am Postparkplatz, der an die Bombardierung vom 15. März 1945 erinnern soll.

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