100 Sängerinnen und Sänger sowie 20 Instrumentalisten brillierten bei der Praetorius-Christmette

Stimmgewaltig und phänomenal

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Kantorin Sophie-Charlotte Tetzlaff (l.) dirigierte die Chöre und das Orchester im Chorraum. Pfarrer Hartwig Janus (2.v.l.) sang die Lesungen während der Christmette. Fotos: Weisbach

Gardelegen. Es war ein Fest, das im wahrsten Sinne mit Pauken und Trompeten sowie wunderbaren Stimmen gefeiert wurde. Die Christmette nach Michael Praetorius gestern Vormittag in der voll besetzten Gardelegener Kirche St. Marien war ein wahrhaftiger Genuss.

Kreiskantor Friedemann Lessing (l.) führte das Dirigat auf der Empore der Orgel, die Stefan Kießling (r.) spielte.

Im Chorraum hatten die Kantorei ArendSeehausen und die St. Marienkantorei Gardelegen sowie ein Teil des Kammerorchesters „historische Instrumente“ Leipzig mit Blockflöte, zwei Violinen, Viola, Violincello, Violone, Dulcian und Chororgel unter der Leitung von Kantorin Sophie-Charlotte Tetzlaff ihren Platz. Der zweite Teil des Orchesters mit vier Streichern, Trompeten, Posaunen und Pauken teilten sich die Empore der großen Orgel – die, gespielt von Stefan Kießling aus Leipzig, natürlich auch erklang – mit dem Projekt-Kammerchor „Michael Praetorius 2016“ und der Regionalkantorei Osterburg. Hier hatte Friedemann Lessing, der Kreiskantor im Kirchenkreis Stendal die Führung, dem auch die Gesamtleitung oblag. Unsere hiesige Kantorin Monika Wrobel brillierte als Solistin neben den Sopranistinnen Johanna Frommelt (Marburg) und Magdalena Lessing (Hannover) sowie den Baritonen Christoph Hünecke (Berlin) und Michael Vogel (Halle/Saale). Insgesamt waren es rund 100 Sängerinnen und Sänger sowie gut 20 Instrumentalisten, die die Christmette im Stile von Michael Praetorius (1571 - 1621) so gestalteten, wie sie um 1620 herum stattgefunden haben könnte.

Dazu kamen Pfarrer Hartwig Janus (Sandau), der die Lesungen sang, Pfarrer Lutz Brillinger (Estedt), der die Liturgie las, und Pfarrer Horst Dietmann in Vertretung des erkrankten Martin Götzki, der die Predigt hielt. Und diese war – aufbauend auf Jesaja 9,1 – auf das hier und heute gerichtet. Denn Dietmann verglich das „Volk, das durchs Finstere wandert“ und großes Licht sichtet unter anderem mit dem syrischen Aleppo, für das das Licht der Hoffnung und der Freude aus Bethlehems Stall nach der Geburt Jesu, Gottes Sohn, bald Friede bringen werde.

Während der gut anderthalb Stunden dauernden Christmette wechselten sich Altbekanntes wie „Es ist ein Ros´ entsprungen“ und „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ – beides zum Teil vierstimmig vorgetragen – ab mit großartigen Liedbearbeitungen von Praetorius wie „Den Hirten lobeten sehre“ und „In dulci jubilo“. Auch die Gemeinde war immer wieder aufgefordert, in den Gesang mit einzustimmen.

Im Namen des Gemeindekirchenrates bedankte sich Gabi Schulz (r.) bei der Gardelegener Kantorin Monika Wrobel.

Von einer Christmette nach Michael Praetorius träumte Friedemann Lessing schon seit 20 Jahren, wie erzählt. Und er hatte sich vorgenommen: Wenn irgendwann die Orgel in der Osterbruger Kirche saniert und restauriert ist, dann wird dieser Traum realisiert. Die Orgel ist mittlerweile fertig. Und so nahm Lessing sein Herzensprojekt vor einem Jahr in Angriff. Er fuhr nach Leipzig, um in der Bibliothek nach den entsprechenden Partituren zu suchen. Denn im Gegensatz zum Weihnachtsoratorium von Bach beispielsweise, für die es die entsprechenden Noten zu kaufen gibt, gibt es diese für eine Praetorius-Christmette nicht. Man kann die Noten nur aus alten Partituren abschreiben – dafür brauchte Lessing rund vier Wochen – und daraus für Chöre und Instrumentalisten brauchbares Materials erstellen. Und dieser Aufgabe stellten sich neben Lessing die beiden Kantorinnen Monika Wrobel und Sophie-Charlotte Tetzlaff, die das Material untereinander zur Bearbeitung aufteilten. Am Ende kamen 40 Seiten Partitur zusammen, die in Blöcke gebunden ab September die Vorlagen für die Proben bildeten. Im Oktober gab es ein gemeinsames Probenwochenende der drei Kantoreien in Arendsee.

Und das Ergebnis dieser enormen Fleißarbeit aller Beteiligten, die allerdings, das war zu merken, mit Freuden dabei waren, war gestern sehr beeindruckend.

Von Elke Weisbach

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