Mehrheitlicher Ratsbeschluss nach längerer Diskussion über das Für und Wider

Stadt investiert in Nikolaikirche

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Die Nikolaikirche am Holzmarkt ist stadtbildprägend und soll nun zum großen Veranstaltungsort werden.

Gardelegen. Es gab auch Stadträte, die dagegen waren. 

Am Ende aber beschloss der Gardelegener Stadtrat während seiner Sitzung mehrheitlich mit vier Nein-Stimmen, 250 000 Euro einzusetzen, um das Entwicklungskonzept, mit dem der Gardelegener Kultur- und Denkmalpflegeverein die Nikolaikirche ab diesem Jahr zum besonderen Konzert- und Veranstaltungsort machen möchte, umzusetzen.

Dabei fließt das Geld in mindestens zwei Jahresscheiben. Zwei Drittel der Summe sind Mittel aus dem Städtebauprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“. Die Fördermittelzusage des Landes darüber liegt bereits vor. Als Auflage für die Bereitstellung der Gelder hat der Stadtrat die Verbesserung der Akustik im Hohen Chor festschreiben lassen.

Was den meisten Rednern dagegen sauer aufstieß, ist die Tatsache, dass die Stadt in fremdes Eigentum investiert. Denn die Nikolaikirche gehört der evangelischen Kirche, auch wenn es von ihr nicht mehr als Gotteshaus genutzt wird und sie mit dem Kultur- und Denkmalpflegeverein einen schon über Jahre währenden Nutzungsvertrag hat. Dennoch, so merkte Torsten Bombach an, sei die Investition eine Wertsteigerung für ein Kirchengebäude. „Was bekommen wir von der Kirche als Gegenleistung“, fragte er unter anderem provokant nach. Könne der Verein das Gebäude unentgeltlich nutzen? Was ist, wenn das Nutzungskonzept nicht aufgeht? Gibt es einen Plan B? Und wer kommt für die Unterhaltung und Betriebskosten auf? Es gehe ihm um ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Schließlich müsse die Kirche das Gebäude ja auch unterhalten.

Auch Peter Kapahnke (gemischte Fraktion) fragte nach, und zwar nach den 85 000 Euro Eigenmitteln der Stadt. Denn die – woher sie die Verwaltung auch nimmt – würden für den Erhalt kommunaler Gebäude dringender gebraucht, machte er deutlich. Er finde die Höhe des Zuschusses „fraglich“. Und er vermisse die Dreierfinanzierung aus Fördermitteln, Stadtmitteln und Geld von der Kirche oder vom Verein. So könne er der Vorlage nicht zustimmen.

Auch sein Fraktionskollege Nico Macht blies in dieses Horn. Im Bürgerpark könne nur soviel investiert werden, was finanziell möglich ist, erklärte er. Darüber könne man Tränen vergießen. „Aber hier ziehen wir 250 000 Euro aus dem Hut.“ Auch ihm fehle die Beteiligung der Kirche, die schließlich eine Verpflichtung als Eigentümer habe.

Bürgermeisterin Mandy Zepig versuchte, die Wogen zu glätten, in dem sie noch einmal deutlich machte, dass das die Chance der Stadt sei, einen tollen Veranstaltungsort zu schaffen. Zudem sei die Nikolaikirche stadtbildprägend. Grundsätzlich sei das Problem so, dass in fremdes Eigentum investiert werde. Aber auch andere Fördermittel werden in private Grundstücke investiert, so Zepig. Mit anschließenden Betriebskosten habe die Stadt nichts zu tun. Es gehe nur um die Förder- und Eigenmittel bis 250 000 Euro. Dann sei Schluss. Zudem wisse sie, dass der Verein immer bemüht ist, Gelder einzunehmen. Auch sei er mit dem Gemeindekirchenrat in stetigem Kontakt, so Zepig.

Auch Jörg Marten (SPD) sprach sich für die Investition aus. Schon seit der Wende sei viel Geld in die Nikolaikirche als stadtbildprägendes Gebäude geflossen. Und wenn man sie nun so aufbessern könne, das Konzerte und Veranstaltungen dort stattfinden können, dann sollte man es tun. Und zwar zum Wohle der Stadt. Hannelore von Baehr (gemischte Fraktion) plädierte auch für die Investition in das „geschichtsträchtige Gebäude“, das eigentlich eine Ruine ist und auch so stehen bleiben muss. „Uns sollte es recht und billig sein, in dieses schöne Gebäude zu investieren“, erklärte sie, um einen großen Veranstaltungsort zu schaffen. Und sie bat die Stadträte: „Diskutieren Sie das Ganze nicht kaputt.“ Es werde soviel Geld ausgegeben, bei dem man sich fragen müsse, ob das sinnvoll sei.

Auch ihre Fraktionskollegin Regina Lessing konnte ihr und Marten nur zustimmen. Allerdings muss man es wollen, machte sie deutlich. Es müsse jeder für sich entscheiden, ob das kulturelle Angebot in der Stadt gestärkt werden soll. Der Verein habe bis heute schon seinen großen Anteil daran geleistet, was nicht hoch genug zu werten sei.

Von Elke Weisbach

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