„Das hat schon eine besondere Aura“

Stadt Gardelegen überlässt der Gedenkstätte die Original-Gedenktafel vom April 1945

+
„Das ist ein beeindruckendes Exponat“: Gedenkstättenleiter Andreas Froese freut sich mit Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig auf die Rückkehr der Original-Gedenktafel vom April 1945. 

Gardelegen – Es ist ein einzigartiges Dokument. „Man wird sehr ehrfürchtig“, sagt Andreas Froese, der Leiter der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe.

Dort, wo am 13. April 1945 mehr als 1.000 KZ-Häftlinge umgebracht wurden, bauten die amerikanischen Alliierten nur wenige Tage nach der Entdeckung des Massakers eine großflächige Gedenktafel auf. Und zwar in englischer und in deutscher Sprache. Dort steht unter anderem, dass die Bevölkerung von Gardelegen für die Pflege verantwortlich sei.

Diese Tafel befindet sich im Besitz der Gardelegener Stadtverwaltung und lagert im Archiv. „Wir werden die Tafel der Gedenkstätte als Dauer-Leihgabe überlassen“, sagt Bürgermeisterin Mandy Zepig. Die Tafel ist 3,08 mal 2,50 groß und soll in einem der Räume im derzeit im Bau befindlichen Besucher- und Dokumentationszentrum der Öffentlichkeit zugänglich werden. Dieses „beeindruckende Exponat“, so Andreas Froese, habe „schon eine besondere Aura“. Die Chance, dass diese historische Tafel, die noch im Original und trotzdem relativ gut erhalten sei, in das neue Gebäude integriert werden soll, „erfüllt mich mit großer Freude“.

Diese Tafel hat eine Odyssee hinter sich. Bis zum Jahr 1965 stand sie auf der Gedenkstätte, anfangs noch im Eingangsbereich. Aus Anlass des 20-jährigen Gedenkens an das Feldscheunen-Massaker wurde das Teil jedoch ersetzt. Und zwar durch eine „DDR-zeitliche Tafel“, wie Froese erläutert. Mit einem neuen Schriftzug, der politisch an die damalige Zeit im Kalten Krieg angepasst war. So habe ab dem Jahre 1965 jeglicher Hinweis darauf gefehlt, dass es die amerikanischen Alliierten gewesen waren, die in Gardelegen am 14. April 1945, nur einen Tag nach dem Massaker, einrückten und das Grauen entdeckten. Auch, dass die Einheimischen verpflichtet wurden, das Gräberfeld zu pflegen, sei auf der neuen Tafel nicht mehr erwähnt worden. Beides habe wohl „politisch nicht in die Zeit gepasst“, mutmaßt Andreas Froese.

Tafel landete im Friedhofs-Schuppen

Die originale Tafel verschwand derweil aus dem Blickfeld der Gedenkstätten-Besucher. Sie bildete stattdessen die Rückwand eines Schuppens auf dem Gardelegener Friedhof. Als diese Nachricht Ende der 1980er Jahre in die USA durchsickerte, so berichtet der heutige Gedenkstättenleiter, habe man sich dort nicht gerade erfreut über den Umgang mit der historischen Tafel gezeigt. Die Folge: Das wertvolle Teil landete noch zu DDR-Zeiten im Gardelegener Stadtmuseum.

Im September 1990, also kurz nach der Wende, vollzog sich dann eine erneute Kehrtwende auf der Gedenkstätte: Der Originaltext der Tafel kehrte zurück ans Gräberfeld. Die Tafel selbst war aber neu. Und die abgebaute, eher DDR-lastige Inschrift? Da zuckt Andreas Froese mit den Schultern. Wo dieses Teil geblieben ist und ob es überhaupt noch existiert, das habe er bislang nicht herausfinden können.

Das neue Besucher- und Dokumentationszentrum im Eingangsbereich der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe soll nach jetzigem Stand Ende dieses Jahres eröffnet werden. Der Rohbau steht bereits. Was folgt, sind die Innenausbau-Arbeiten. Und die Suche nach einem geeigneten Ort für die historische Gedenktafel.

VON STEFAN SCHMIDT

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare