Biogasanlage im Industriegebiet eröffnet / Absprung eines Abnehmers sorgte für Verzögerung

Später, teurer, aber endlich fertig

Zwei der insgesamt fünf Gesellschafter des Betreiber-Unternehmens: Rudolf Koch (links) und Uwe Jacobs an der gestern eröffneten Biogasanlage.
+
Zwei der insgesamt fünf Gesellschafter des Betreiber-Unternehmens: Rudolf Koch (links) und Uwe Jacobs an der gestern eröffneten Biogasanlage.

Gardelegen. Die ursprüngliche Investitionssumme stieg von sechs auf mehr als acht Millionen Euro, der Betrieb startete deutlich später als gedacht.

Bei der offiziellen Eröffnung der Biogasanlage im Gardelegener Gewerbegebiet Nord zeigten sich alle Beteiligten dennoch zufrieden und zuversichtlich.

„Manchmal hat es schon wehgetan zwischendurch“, sagte Uwe Jacobs, Geschäftsführer und einer der Gesellschafter der Biogas Gardelegen GmbH Co. KG. Rund ein Jahr später als geplant wurde die Biogasanlage im August vergangenen Jahres in Betrieb genommen. Hauptgrund für die Verzögerung: Der Abnehmer für das in Gardelegen produzierte Rohgas, der es selbst vor Ort zu Bio-Erdgas aufbereiten wollte, war abgesprungen. Für zusätzliche rund zwei Millionen Euro musste die Biogas Gardelegen GmbH daraufhin selbst eine Aufbereitungsanlage bauen. Dabei seien die Investoren eigentlich schon zuvor überfordert gewesen, so Jacobs.

Nachdem sich aber die Abnehmer-Frage geklärt hatte, wurde ihnen der benötigte Kredit gewährt. Ende gut, alles gut: „Wir üben weiter“, schloss Jacobs seine Ausführungen, „mal gucken, was noch passiert.“ Dass die Anlage erst rund neun Monate nach ihrer Inbetriebnahme offiziell eingeweiht wurde, lag an der noch ausstehenden Endabnahme. Die war erst Anfang Mai erfolgt, bis dahin gab es nur eine vorläufige Genehmigung. Das erklärte Rudolf Koch, ebenfalls Gesellschafter des Unternehmens. Er erläuterte außerdem Details zu der Anlage. Sie steht auf einem etwa sechseinhalb Hektar großen Gelände im Industriegebiet Nord.

Ein kleinerer Teil des entstehenden Gases mit einer Leistung von umgerechnet 600 Kilowatt wird in einem eigenen Blockheizkraftwerk (BHKW) in elektrische Energie und Wärme umgewandelt, die auch für den eigenen Bedarf genutzt, größtenteils aber ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. In einem zweiten Bereich entstehen zirka 700 Kubikmeter Biogas pro Stunde. Nach der Aufbereitung zu Bio-Erdgas halbiert sich diese Zahl und entspricht einer Leistung von umgerechnet 1400 Kilowatt. Dieses aufbereitete Gas wird in das öffentliche Gasnetz eingespeist, zu den Abnehmern zählen unter anderem die Stadtwerke Bremen und der Zoo in Osnabrück.

Etwa 40 000 Tonnen Biomasse werden für die Gasproduktion benötigt, rund 80 Prozent davon, also 32 000 Tonnen, bleiben als Gärreste zurück und können Landwirten als Dünger dienen.

Neben Rudolf Koch und Uwe Jacobs sind auch Dietmar Mewes, Burkhard Mertens und Bernd Meine Gesellschafter des Unternehmens. Warum sich die Landwirte mit eigenen Betrieben für den Aufbau und Betrieb einer Biogasanlage entschieden haben, machte Uwe Jacobs gestern noch einmal deutlich. Als Landwirte, die im Getreideanbau und der Milchviehhaltung tätig sind, wollten sie sich nicht mehr vollständig der „Willkür der Märkte aussetzen“, welche die Preise für ihre Erzeugnisse festlegen. Sondern man benötige ein weiteres Standbein.

Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs teilte die Freude der Unternehmer bei der Eröffnung – auch aus einem gewissen Eigeninteresse heraus, wie er gestand. Denn von der Ansiedlung der Biogasanlage im voll erschlossenen Gewerbegebiet profitiere die Stadt schließlich. Und wenn die Betreiber ihre Anlage noch erweitern wollen, wie sie es als Möglichkeit für die Zukunft einige Male andeuteten, sollten sie sich gerne wieder an die Stadt wenden: „Wir haben noch Flächen zur Verfügung, zu günstigen Preisen“, warb er bei dieser Gelegenheit.

Von Karsten Tenbrink

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare