„Das Geld reicht nicht aus“

Sozialausschuss: Mitarbeiter vom Frauen-und Kinderhaus Salzwedel sprechen über ihre Arbeit

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Gundula Köhler (von links), Sabine Rönnefahrt und Uschi Binde stellten bei der städtischen Sozialausschusssitzung die Arbeit des Frauen- und Kinderhauses Salzwedel vor.

Weteritz. „Es ist die Aufgabe des Staates, Frauen und Kinder vor Gewalt zu schützen, das steht schon im Grundgesetz, trotzdem sind wir eine freiwillige Aufgabe.

Das muss geändert werden“, sagte Uschi Binde, Mitarbeiterin vom Frauen- und Kinderhaus Salzwedel, in der Sozialausschusssitzung, die am Dienstagabend im Vereinsheim der Marinekameradschaft in Weteritz stattfand. Sie und ihre beiden Kolleginnen, Sabine Rönnefahrt (Vereinsvorsitzende) und Gundula Köhler (stellvertretende Vorsitzende), stellten den Ausschussmitgliedern ihre Arbeit vor.

Das Frauen- und Kinderheim in Salzwedel ist das erste in der Altmark. Am 2. November feierte die Einrichtung ihr 25-jähriges Bestehen. Das Frauenhaus besitzt vier Zimmer und ein Notzimmer. Der Zufluchtsort ist mit den Jahren für viele Frauen mit ihren Kindern eine wichtige Anlaufstelle geworden. Mit dem Flüchtlingsansturm habe die Arbeit sogar zugenommen, berichtet Uschi Binde. „50 Prozent der Frauen haben deutsche Wurzeln, die anderen 50 Prozent einen Migrationshintergrund.“ Die Frauen, die die Einrichtung aufsuchen, erfuhren körperliche und psychische Gewalt, damit verbunden auch finanzielle Gewalt (der Mann kontrolliert, wie viel Geld die Frau ausgibt). „Unser Haus ist immer voll. Dieses Jahr mussten wir sogar 16 Frauen absagen, weil wir keinen Platz hatten“, erklärte Uschi Binde.

Obwohl die Arbeit des gemeinnützigen Vereines gefragt ist, bekommen die Mitarbeiter „keine tarifgerechte Bezahlung“. Momentan arbeiten im Frauenhaus zwei Vollzeitbeschäftigte (mit 30 Stunden/Woche) und eine Aushilfskraft (mit 15 Stunden/Woche). Zudem stehen die Mitarbeiter jeden Tag à 24 Stunden in Bereitschaft, die sie „mit einem freien Tag ersetzt bekommen. Der Rest der Arbeit ist ehrenamtlich“.

Im Jahr 2016 wurde die Einrichtung mit 42 400 Euro vom Land, mit 12 000 Euro vom Altmarkkreis Salzwedel, mit 15 000 Euro von der Stadt Salzwedel, mit 300 Euro von der Stadt Kalbe, mit 800 Euro von der Stadt Klötze, mit 650 Euro von der Stadt Gardelegen sowie mit rund 300 Euro von der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf finanziert. Die restlichen Einnahmen sind Spenden, Bußgelder, Betriebskosten (Erwachsene zahlen elf Euro und Kinder fünf Euro Miete täglich) sowie sonstige Einnahmen.

Und dennoch reicht das Geld nicht, beklagen die Mitarbeiterinnen. Anstehende Ausgaben wie Miete für die Einrichtung, Betriebskosten, Reinigungsmittel, Büro-, Bastel- und Spielmaterial, Weiterbildungen und vieles mehr, muss der Verein selber tragen.

Aus diesem Grund kämpfen Sachsen-Anhalts Frauenhäuser seit rund drei Jahren dafür, dass sie zur „Pflichtaufgabe“ werden, so Uschi Binde. Dafür führen sie Gespräche mit den Ministerien des Landes und den verschiedenen Fraktionen.

Die Ausschussmitglieder hörten sich die Informationen rund um die Arbeit im Frauen- und Kinderhaus Salzwedel an und stellten anschließend Fragen. Bürgermeisterin Mandy Zepig sagte dann: „Wir sehen, dass das Geld nicht ausreicht.“ Auf Anfrage der AZ, ob Salzwedels Frauen- und Kinderhaus mit einer Zuschusserhöhung seitens der Hansestadt Gardelegen rechnen kann, antwortete Mandy Zepig, dass eine finanzielle Erhöhung nicht auszuschließen sei, sie aber derzeit keine genauen Angaben machen könne. Dieses Thema werde nochmals aufgegriffen.

Von Marilena Berlan

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