Häftlingsgräber auf dem Friedhof in Berge sind saniert / Pflege durch die Sportfrauen

„Sorgen um den Weltfrieden“

Der Berger Männergesangverein sorgte bei der Wiedereröffnung der acht sanierten Häftlingsgräber auf dem Friedhof in Berge für den musikalischen Rahmen.

Berge. Auf dem Friedhof in Berge sind acht KZ-Häftlinge beerdigt, die während des Todesmarsches, der für mehr als 1000 ihrer Kameraden in der Feldscheune Isenschnibbe am 13. April 1945 mit dem Tod endete, ums Leben kamen.

Seit vielen Jahren pflegen die „Goldstücke“, die Sportfrauen aus Berge, diese Gräber. Ebenso wie die Kriegerdenkmale in Ackendorf, Berge und Laatzke.

Ab sofort sind es aber keine Holzkreuze mehr, die an die Toten erinnern, sondern Gedenksteine aus Granit, mit Kieselsteinen drumherum. „Pflegeleicht eben“, wie Konrad Fuchs, der Vorsitzende des Gardelegener Gedenkstätten-Fördervereins, erläuterte. Der Verein lud am Sonnabend gemeinsam mit Berges Ortsbürgermeister Paul Berlin im Namen des Ortschaftsrates zur Wiedereröffnung des Gräberfeldes ein. Der Berger Männergesangverein sang Lieder wie „Dona nobis pacem“ und „Frieden“, Pfarrer Dieter Borchert sprach Fürbitte sowie das Vater Unser und betonte: „Wir brauchen Orte der Erinnerung – gerade jetzt.“

Durchaus politisch wurde es bei der Rede von Konrad Fuchs. Er erinnerte zuerst daran, dass allein bei den Todesmärschen zur Feldscheune, also noch vor dem eigentlichen Massaker, bereits mehr als 200 Häftlinge ums Leben gekommen waren. Man müsse „mehr als nur das reine Gedenken bewahren“, sagte Fuchs – und erläuterte danach, was er damit meinte. Er geißelte die rechtsdradikalen Vorkommnisse in Chemnitz („Wo war da die Staatsmacht?“) und kritisierte die „unzureichende Ausländerpolitik unserer Bundesregierung“. Mit Blick auf die Flüchtlinge müsse man aber auch „verlangen, dass sie sich nach unseren Gesetzen verhalten.“ Bevor an den Häftlingsgräbern Kränze niedergelegt wurden, konstatierte Fuchs: „Ich mache mir Sorgen um den Weltfrieden.“

Von Stefan Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare zu diesem Artikel