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Sieben Jahrzehnte, manche Serpentinen

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Schmidt
Dr. Karl-Ulrich Kleemann feiert heute seinen 70. Geburtstag. Seit vielen Jahrzehnten sind er und seine Ehefrau Ursula begeisterte Camping-Urlauber.

Letzlingen - Von Stefan Schmidt. Er ist Chef des örtlichen Heimatvereins. Er ist ehemaliger Ärztlicher Direktor am Gardelegener Krankenhaus. Er ist ein begeisterter Camping-Urlauber. Er ist ein noch begeisterterer Großvater. Und nun ist er 70 Jahre alt. Dr. Karl-UIrich Kleemann aus Letzlingen feiert am heutigen Mittwoch seinen runden Geburtstag.

„Eigentlich“, so der Jubilar, „sollte ich Marie-Luise heißen.“ Doch Karl-Ulrich Kleemann kam als einer von fünf Jungen – neben zwei Schwestern – in Cobbelsdorf bei Coswig zur Welt. Noch im Vorschulalter wurde der Großvater enteignet, „wir mussten innerhalb von 20 Minuten unsere Sachen packen.“ Die Jugend verbrachte Kleemann im Werratal südlich von Eisenach, das Abitur machte er in Halle an der Saale. Dann studierte Kleemann, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, in Rumäniens Hauptstadt Bukarest – wo auch eine junge Frau aus dem thüringischen Altenburg ihr Wissen erweiterte. Seit mehr als 46 Jahren sind Karl-Ulrich und Ursula Kleemann nun verheiratet, haben mittlerweile zwei erwachsene Kinder (Marko und Kathleen) sowie vier Enkelkinder.

1965 zog das junge Paar in die Altmark. Erst an die Letzlinger Straße nach Gardelegen, dann bezogen sie ein Haus an der Theerhütter Straße in Letzlingen, wo die Kleemanns heute noch wohnen. 1969 machte er seinen Facharzt für Chirurgie. 1973 zog es die Kleemanns dann für ein Jahr in die südjemenitische Hauptstadt Aden. Von Dezember 1981 bis zur Wende war Kleemann Ärztlicher Direktor am Gardelegener Krankenhaus. Und hat sich zu dieser Zeit, so erzählt er rückblickend, öfter mal über diverse Schreibtischtäter geärgert. „Aber ich habe mir von den Bonzen nichts gefallen lassen“, so Kleemann. Die Zeit sei demzufolge aber „anstrengend“ gewesen.

In den 1980-er Jahren erwarb Kleemann sogar den Berechtigungsschein zum Plattenauflegen. Bei diversen privaten Feiern in und um Letzlingen war „Charly´s Disko“ der Stimmungsmacher. Und auch heute noch hört Kleemann gerne Schlager, „von Andrea Berg bis Vicky Leandros.“ Doch seine Plattenaufleger-Tätigkeit sei mit der eines Ärztlichen Direktors nicht vereinbar, beschieden ihm seine Vorgesetzten. „Das war angeblich autoritätsschädigend“, so Kleemann. Und schüttelt heute noch darüber den Kopf. Schweren Herzens gab er den Berechtigungsschein zurück.

Im Sommer 1990 beendete Kleemann seine Tätigkeit als Ärztlicher Direktor. Weil es diesen Posten im geeinten Deutschland so nicht mehr gegeben habe, wie er berichtet. Am 5. Mai 1991 wurde Dr. Karl-Ulrich Kleemann niedergelassener Chirurg, ging im Juni 2005 in den Ruhestand.

Doch Ruhe gibt es im Ruhestand für ihn nicht. „Mein Terminkalender ist voller als zu meiner beruflichen Zeit“, erzählt er augenzwinkernd. Kleemann machte mit 40 Jahren seinen Segelschein, ist seit 27 Jahren Mitglied im Segelclub Arendsee. Seit vielen Jahren sind er und seine Frau außerdem begeisterte Camping-Urlauber. „In Europa waren wir schon fast überall“, schwärmt er. Zu DDR-Zeiten in Osteuropa, nach der Wende auch im westlichen Teil des Kontinents. Ob Frankreich, die Schweiz, Kroatien oder Norwegen: Die Kleemanns campten beinahe überall. Zwei Ziele habe er aber noch, verrät er: Die Ärmelkanal-Insel Jersey und die Französischen Seealpen, wo die Tour de France immer Station macht und Kleemann am Fernseher die Berg- und Talfahrten bewundert. „Ich liebe es, Serpentinen zu fahren“, erzählt er. Typisch für den mitunter knorrigen Kleemann: Im Leben ging es bei ihm auch nicht immer geradeaus, sondern oft über kurvenreiche Umwege.

Und: Kleemann zeigt sich zeitlebens interessiert. In den 1980-er Jahren kniete er sich in die Historie des Letzlinger Jagdschlosses rein. Dort war damals eine Außenstelle des Gardelegener Krankenhauses untergebracht. „Ich konnte das deshalb sogar mit meinem Beruf verbinden“, so Kleemann. Gleich nach der Wende, im April 1990, gründete sich der Letzlinger Heimatverein. Mit Kleemann an der Spitze. Heute noch führt er den Verein an, ist deren Kopf und Gehirn. Die Geschichte des Schlosses, das nach der Wende aufwändig restauriert wurde, liegt ihm genauso an Herzen wie die Geschichte Salchaus. Jenes Dorfes, das dem Schießplatz der damaligen Wehrmacht zum Opfer fiel und eingeebnet wurde. Die rund 200 Salchauer mussten auf Beschluss von oben binnen kürzester Zeit ihre Sachen packen und wegziehen.  So wie der junge Karl-Ulrich Kleemann mit seiner Familie im Jahr 1946 unweit von Coswig.

Am heutigen 70. Geburtstag wird in der Letzlinger Gaststätte „Zur Heide“ gefeiert. Erst intern, ab 16 Uhr dann offiziell. Der Heimatverein wird da sein, der Letzlinger Männergesangverein – auch dort ist Kleemann selbstverständlich Mitglied – ein paar Ständchen singen. Und am Wochenende wird dann die weitläufige Familie gratulieren. „Die Kleemanns sind deutschlandweit verstreut“, sagt der Jubilar.

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