Asylbewerber aus Burkina Faso berichtet in Gardelegen über seine Erfahrungen

„Sie sind nicht hier, um ...“

Aufmerksam lauschten die Schüler des Gardelegener Geschwister Scholl-Gymnasiums den Ausführungen von Ibrahim aus Burkina Faso (kleines Bild) und stellten ihm anschließend Fragen zu seinen Erfahrungen als Asylbewerber in Deutschland. Foto: Tenbrink

Gardelegen. Über seine Erfahrungen als Asylbewerber in Deutschland hat gestern der aus Burkina Faso stammende Ibrahim am Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasium berichtet. Dabei sprach er auch über bürokratische Missstände und Diskriminierungen.

Organisiert hatte die Veranstaltung der Schülerrat des Gymnasiums. Nach einigen Ausführungen Ibrahims hatten die Schüler Gelegenheit, Fragen an den 30-Jährigen zu stellen. Wie etwa nach den Beweggründen für seine Flucht aus der Heimat. Er sei politisch aktiv und deshalb verfolgt worden, erzählt Ibrahim. Einmal sei er von Polizisten sogar krankenhausreif geprügelt worden. Dazu müsse man wissen, dass Burkina Faso diktatorisch regiert werde. Ende 2009 kam Ibrahim nach Deutschland. Allerdings mit dem Zug, nicht wie andere afrikanische Flüchtlinge über das Meer. Auf Deutschland als Zufluchtsort, so antwortet er auf eine weitere Frage aus dem Publikum, sei er nur gekommen, weil ein Onkel von ihm schon seit mehr als 20 Jahren in Berlin lebe. „Es ist einfacher, wenn du schon jemanden kennst“, sagt Ibrahim.

Nach seiner Ankunft sei er „schockiert“ gewesen über all die Beschränkungen, die für Asylbewerber in Deutschland gelten. Das Arbeitsverbot zum Beispiel, vor allem aber die sogenannte Residenzpflicht. Deutschland ist das einzige EU-Land, in dem diese Reisebeschränkung gilt. Fahrten in andere Bundesländer müssen beantragt werden. Doch stammt von eben solch einem Versuch auch eines der Beispiele Ibrahims für Diskriminierungen. „Sie sind nicht hier, um Männer zu besuchen“, hätte man einer Frau geantwortet, die nach München zu einem Bekannten fahren wollte. Genauso habe man beim Sozialamt seinen Antrag abgewiesen, die deutsche Sprache zu erlernen: „Sie sind nicht hier, um Deutsch zu lernen.“ Die 350 Euro für einen sechsmonatigen Kurs habe er daraufhin selbst bezahlt – obwohl diese Summe ungefähr dem entspricht, womit Asylbewerber pro Monat auskommen müssen. Offenem Rassismus auf der Straße sei er zum Glück noch nicht begegnet.

Dass es für Asylbewerber keine rechtmäßige Möglichkeit gebe, selbst Geld zu verdienen, sieht der gelernte Mode-Designer als einen der Gründe dafür an, dass manche es auf illegalem Wege versuchen. Viele müssten jahrelang auf die Bearbeitung ihres Antrags warten und hätten Familie in der Heimat, denen sie Geld schicken.

Von Karsten Tenbrink

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