Horst Thielebein aus Solpke besitzt fast 100 Jahre alte Zeitungen vom Ersten Weltkrieg / Gute Hände gesucht

27. September 1914: Bomben über Paris

Horst Thielebein mit den Kriegszeitungen aus den Jahren 1914 und 1915, die er für die Nachwelt erhalten wissen möchte.

Solpke. Vorsichtig, sehr vorsichtig muss man die Schätze von Horst Thielebein aus Solpke handhaben. Es handelt sich nämlich um Zeitungen, die fast 100 Jahre alt sind. Denn sie stammen aus den Jahren 1914 und 1915. Da tobte der Erste Weltkrieg.

Es handelt sich um eine „Deutsche Kriegszeitung“ von 1914/15 als illustrierte Wochen-Ausgabe, herausgegeben vom Berliner Lokal-Anzeiger, die unter anderem in Buchhandlungen für zehn Pfennige erhältlich waren, sowie um drei Zeitungen „Die Woche“ aus den Jahren 1914 und 1915, die wohl auch, wie Horst Thielebein meint, an der Front verteilt wurden.

Und sie wurden von dem 79-Jährigen sogar zweimal entdeckt. Das erste Mal war es Anfang der 1980-er Jahre. Da erwarb er in der Solpker Kolonie ein Bauernhaus als Abrisshaus, um an – damals doch schwierig zu bekommendes – Baumaterial zu kommen. Die Besitzer waren, wie Horst Thielebein erzählt, „in den Westen abgehauen“. Aus diesem Grund sollte das Grundstück veräußert werden. Mit den Steinen und Doppel-T-Trägern, die er von dort holte, stockte er unter anderem sein eigenes Haus am Krugende in Solpke auf und baute den Keller aus. Und bei den Abrissarbeiten fand Horst Thielebein eben die Zeitungen unter dem Dachfirst, wo sie versteckt waren. Denn so etwas zu besitzen, war damals verboten. Er nahm sie mit nach Hause, was keiner wissen durfte – und versteckte sie, nachdem er sie durchgesehen hatte, wieder. Und zwar in der Garage, ganz hinten und unten in einem Schrank. Dort schlummerten sie bis zu diesem Jahreswechsel. Denn diese Zeit nutzte der rüstige Senior, um die Garage gründlich aufzuräumen und auch den besagten Schrank zu durchforsten. Dabei fielen ihm die Zeitungen wieder in die Hände, die er nun genauer studierte, was, wie er sagte, sehr interessant gewesen sei – auch, weil es viele Fotos gibt.

Denn darin werde beispielsweise über den täglichen Kriegsverlauf berichtet – „27. September 1914: Ein deutscher Flieger umkreist mehrmals den Eiffelturm in Paris und wirft mehrere Bomben herab. – Ein zweiter deutscher Flieger wirft über Passy bei Paris eine Bombe herab. – Ein Zeppelin-Luftschiff unternimmt eine nächtliche Streiffahrt über Westbelgien.“ – und verschiedene Kriegsschauplätze im „Feindesland“ sowie Einsatzkräfte wie die Besatzung des Unterseebootes „U 9“ vorgestellt. Dazu gibt es praktische Tipps, wie zum Beispiel im Bericht „Unser täglich Brot“. Darin werde zwar festgehalten, dass „die Brotversorgung unseres Volkes, einschließlich der gesamten Zivilbevölkerung, bis zur nächsten Ernte“ sicher ist, aber auch festgestellt: „Das darf indes kein Grund sein, mit den vorhandenen Vorräten in den Tag hinein zu leben; man wird vielmehr bedacht sein, möglichst weise damit zu wirtschaften, um Überschüsse für unvorhergesehenen Bedarf bereit stellen zu können.“ Deshalb sollte ein Teil des Getreides durch gekochte Kartoffeln, gemahlene Kartoffelflocken, Kartoffelwalzmehl oder Kartoffelstärke ersetzt werden. Die Anleitung, wie das geht, wird gleich mitgeliefert.

Auch über Aktionen im Heimatland für die Soldaten im Feindesland wird berichtet – und zwar unter der Überschrift „Ein Wort über die ,Reichswollwoche´“. Diese wurde mit der Begründung ins Leben gerufen: „Bei dem mit der modernen Kampfesweise verbundenen wochenlangen Liegen in Geschützständen und Schützengräben beansprucht der Kälteschutz der Truppen eine erhöhte Aufmerksamkeit. Alle Maßnahmen, die der Wärmehaltung des Körpers zu dienen geeignet erscheinen, besitzen daher in dem gegenwärtigen Krieg eine außerordentliche Bedeutung.“ Aus diesem Grund wurden Wollsachen gesammelt und zu wärmende Wäsche für die Frontsoldaten umgenäht.

Horst Thielebein findet, dass diese Zeugnisse aus dem vergangenen Jahrhundert unbedingt aufbewahrt werden müssen – auch wegen der vielen Fotos. Er würde sie gern in öffentliche Hand oder, wenn dies nicht möglich ist, einem interessierten Sammler überlassen.

Von Elke Weisbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare