Umstrittene Glaubensgemeinschaft soll zehn Kinder in dem Altmarkdorf festgehalten haben

Sekte „Zwölf Stämme“ in Dolchau?

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In diesem ehemaligen Gutshaus an der Dolchauer Dorfstraße sollen bis vor wenigen Tagen ca. zehn Kinder von der Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ festhalten worden sein.

Dolchau. Das Verschwinden der umstrittenen Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ mit circa zehn Kindern aus dem altmärkischen Dolchau sorgt für Verwirrung.

„Wir haben weder eine Vermissten- noch eine Strafanzeige vorliegen“, kommentierte Salzwedels Polizei-Pressesprecher Gerd Schönfeld gestern die jüngsten Vorfälle um die vermeintlichen Kindesmisshandlungen der Glaubensgemeinschaft in dem Altmarkdorf Dolchau. Auch im Salzwedeler Landratsamt wurde gestern intensiv in diesem Fall recherchiert. Laut Kreis-Pressesprecherin Birgit Eurich liegt auch beim Jugendamt keine Anzeige vor. Auch in den Grundschulen Brunau und Kalbe sowie in der Freien Schule Depekolk würden keine Mädchen und Jungen fehlen, gab sie weiter bekannt.

Laut Medienberichten und Recherchen eines RTL-Reporters hat die bibelfromme Gemeinschaft nicht nur in zwei bayerischen Dörfern einen Standort, sondern seit Juli auch auf einem früheren Gutshof im 70 Einwohner zählenden Dorf Dolchau. Nach Angaben von Nachbarn und Einwohnern lebten seit Ende Juli etwa zehn schulpflichtige Kinder im Alter von sieben bis 16 Jahren in dem Backsteinhaus Nr. 2. Vor wenigen Tagen sollen die Sieben- bis 16-Jährigen auf einen Hof der „Zwölf Stämme“ nach Tschechien gebracht worden sein, um sie vermutlich den deutschen Behörden zu entziehen. In Dolchau herrscht jedenfalls seit Tagen Stille auf dem Gutshof, auf dem bis vor kurzem noch ca. 30 Menschen gewohnt haben, berichten die Einheimischen. Drei Erwachsene seien noch im Haus, um die zahlreichen Tiere zu füttern, erzählte ein Anwohner. Nach Angaben der Kalbenser Verwaltung sind in der Dolchauer Immobilie seit Anfang Juli drei Erwachsene mit tschechischen Wurzeln gemeldet. In Bayern laufen gegen die Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ Ermittlungen wegen Kindesmisshandlungen. Aus Angst, dass die etwa zehn Kinder in Dolchau entdeckt werden, sind die Frauen mit wallenden Kleidern und Männer mit Zöpfen quasi über Nacht offenbar aus Dolchau nach Tschechien abgereist. Ob das Kapitel Dolchau damit endgültig geschlossen wird, ist zum momentanen Zeitpunkt offen, es gibt keine weiteren Informationen. Die bayerische Polizei ermittelt weiter gegen die ominöse Glaubensgemeinschaft.

Von Henning Lehmann

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