Der 84-jährige Ernst Niemann fährt stets mit dem Fahrrad auf die Gedenkstätte

Seit 64 Jahren immer dabei

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Ernst Niemann radelt weit vielen Jahren zur Mahn- und Gedenkstätte und ist bei fast jeder Veranstaltung dabei.

Gardelegen. Es sind Minustemperaturen, die Wege sind mit Schnee und Eis bedeckt. Und es wird bald dunkel. Ernst Niemann zieht sich seine Handschuhe an und geht in Richtung Fahrradständer. Dann sattelt er sein Rad, steigt auf. Und fährt los.

Vorbei an allen Fahrzeugen, die entlang der Zufahrt zur Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe nördlich von Gardelegen stehen. Vorbei auch am Bus, der im Pendelverkehr Besucher der Gedenkveranstaltung vom Tivoliplatz in Gardelegen bis hinauf zur Gedenkstätte fährt.

Doch das ist nichts für den Rentner. „Ich werde bald 85“, erzählt Ernst Niemann, als er sein Rad aus dem Fahrradständer herausbugsiert, um sich draufzusetzen. Seit vielen Jahren ist der ehemalige Mitarbeiter des Rates des Kreises in Gardelegen passionierter Radfahrer, radelt viel in der Gegend umher. Und besucht auch Veranstaltungen.

Wie eben das Gedenken am Montagnachmittag, am „Tag der Opfer des Nationalsozialismus“, auf der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe. Wer dort regelmäßig bei Kranzniederlegungen dabei ist, der weiß: Ernst Niemann ist stets auch da. Weil es ihm ein Bedürfnis ist.

Und das bereits seit 1950. Damals, so erinnert er sich, sei er das erste Mal an der Feldscheune gewesen. Dort wurden am 13. April 1945 mehr als 1000 KZ-Häftlinge von den Nazis ermordet. Im Jahre 1950 kam Ernst Niemann als junger Mann nach Gardelegen, „durch die Truppe hat es mich hierher verschlagen“. Und seitdem – also seit fast 64 Jahren – ist er immer dabei, wenn auf der Gedenkstätte Kränze niedergelegt werden, wenn Reden gehalten werden. Und das stets mit dem Drahtesel – auch im Winter, auch bei Schnee. Wie in dieser Woche. „Die frische Luft hält jung und gesund“, sagt Ernst Niemann dazu. Apropos jung: Im Jahre 1945 trat er als 16-Jähriger der KPD bei. Im Wirtshaus seiner Eltern tagten die Kommunisten regelmäßig. Der junge Ernst lernte so den Kommunismus kennen, machte alsbald Karriere, war später im Rat des Kreises für Kirchenfragen zuständig. Auch heute noch ist er regelmäßiger Gast bei Linken-Parteiversammlungen, ist Stammgast bei der Volkssolidarität.

Am 13. April jährt sich das Feldscheunen-Massaker zum 69. Mal. Ernst Niemann wird wieder dabei sein. Mit dem Fahrrad, versteht sich.

Von Stefan Schmidt

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