Schulleiter des Gymnasiums Gardelegen geht am 31. Januar in den Ruhestand

Die Schulzeit von Dietmar Collatz endet: „Ich habe noch viele Pläne“

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27 Jahre leitete Dietmar Collatz das Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasium. Am 31. Januar geht er in Rente. 

Gardelegen. Das derzeitige Schulhalbjahr endet am 2. Februar. Doch dann wird Dietmar Collatz, Schulleiter des Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasiums, nicht vor Ort sein. Denn, so sagte er gestern mit einem verschmitzten Lächeln: „Ich muss am 31. Januar aufhören.“

An diesem Tag geht der 63-Jährige offiziell in den Ruhestand, der wohl aber mehr Unruhestand heißen könnte. „Ich habe noch viele Pläne“, erklärt er im Gespräch mit der AZ.

Zunächst aber werde er es genießen, morgens nicht los zu müssen und mehr über seine Zeit selbst verfügen zu können. Das werde sich dann erst einmal wie Ferien anfühlen. Aber auch wenn dieses Gefühl nachlässt, gibt es vieles, was er machen möchte. Längere Reisen mit seiner Frau beispielsweise – auch außerhalb der Ferienzeiten und abseits der Massen –, um zu gucken, „wie das Wetter so auf der anderen Welthalbkugel ist“. Zudem habe er, so der Biologie- und Sportlehrer, der seit rund 30 Jahren in Solpke lebt, den Drömling vor der Tür. Und er werde natürlich weiterhin im Solpker Sportverein aktiv sein: „So lange es geht, wird gespielt.“ Und dabei gehe es nicht nur darum, fit zu bleiben, sondern auch darum, die Geselligkeit und die Kontakte zu den Freunden zu pflegen. Natürlich habe er dann auch mehr Zeit für die Familie, die alle räumlich nah wohnen, freut sich der dreifache Vater und dreifache Opa.

Dietmar Collatz ist in Kalbe aufgewachsen und besuchte ab der neunten Klasse die Erweiterte Oberschule (EOS) „Geschwister Scholl“ an der Nicolaistraße in Gardelegen. Inspiriert vom französischen Meeresforscher und Filmemacher Jacques-Yves Cousteau, habe ihn schon früh Biologie interessiert. „Mit ihm zu tauchen, das wäre was gewesen“, lacht Collatz. In der DDR konnte man aber nur Mikro-Biologie direkt und ohne Umwege über die Fischereiwissenschaft studieren, sodass er sich am Ende für ein Lehrerstudium in den Fächern Biologie und Sport entschied. Nach der Armeezeit war er dafür von 1975 bis 1979 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Da er beim Abschluss schon verheiratet und Vater war – und auch Sportlehrer gesucht wurden – , hatte er gute Chancen, wieder in die Altmark zu kommen. Denn damals wurden die Junglehrer auch nach Bedarf einer Stelle zugewiesen. Er sollte erst an die POS Estedt – damals noch ohne eigene Sporthalle. Der Unterricht fand im alten Dorfsaal statt. Es wurde dann aber die POS „Friedrich Schiller“ in Solpke mit einer „großen Sporthalle“. Wie Collatz weiter erzählt, wohnte er damals noch mit seiner Familie in Kalbe, hatte aber schon eine Wohnung in Gardelegen in Aussicht. Von der Kreisstadt fuhr er dann mit seinem „Sperber“ oder mit dem Zug zur Arbeit und zurück. Seine Frau arbeitete als gelernte Krankenschwester damals in der Krippe.

Auch wenn er die Solpker Ecke als Kalbenser nicht kannte, hatte er als Sportlehrer schnell Kontakt zum Sportverein, damals noch BSG Traktor, und damit zu den Einheimischen. Und auch wenn er zu der Zeit eigentlich lieber schwamm, der Schwerpunkt in Solpke aber beim Handball lag, so wechselte er zu dieser Sportart und war damit ruckzuck im Verein und bei den Handballern integriert.

1989 erwarb die Familie dann ein altes Haus in Solpke – auch weil sie sich dort mittlerweile einen großen Freundeskreis aufgebaut hatte – und baute es um, was damals angesichts der Materialknappheit und schlecht zu bekommender Handwerker auch ein sportliches Vorhaben war.

Nach der Wende änderte sich vieles. Durch den Sport hatte Collatz, wie er zurückblickt, Kontakt zu einem Lehrer-Ehepaar in Danndorf, die damals schon skeptisch waren, wie lange die kleine Schule in Solpke wohl bestehen würde. Aus diesem Grund sah er sich nach Alternativen um und bewarb sich Anfang der 1990er Jahre als Lehrer für das Gymnasium, das wieder als eigenständige Schule aufgebaut werden sollte. Denn in den letzten DDR-Jahren gab es nur die Wander-POS mit EOS-Teil (zwei elfte und zwei zwölfte Klassen). Es sei seine Chance gewesen, die er nutzen wollte.

Nach seiner Bewerbung wurde er dann direkt von den zuständigen Stellen angesprochen, ob er Schulleiter werden wolle. Er hatte 24 Stunden Zeit, sich mit seiner Familie zu besprechen und zu entscheiden. „Die waren etwas unruhig“, gab er zu. Er sagte Ja und erhielt zum 1. August 1991 seinen Vertrag als Schulleiter für das Gymnasium.

Die ersten Jahre waren nicht einfach. Denn ein Teil der Schüler wurde am Hauptsitz Wanderschule, die fünften und sechsten Klassen in der ehemaligen Dimitroffschule und die zehnten Klassen in der Baracke am Jugendförderungszentrum unterrichtet. Zudem gab es eine Nebenstelle in Mieste. Dieses Konstrukt zu leiten und „von Null auf Hundert“ gleich mehr als 800 Schüler zu unterrichten, war für alle neu und eine Herausforderung.

Da es so nicht bleiben konnte, habe er sich, so Collatz, von Anfang an dafür eingesetzt, die Schule an einem Standort anzusiedeln. Das habe er auch bei der Sitzung des damaligen Gardelegener Kreistages deutlich gemacht. Dazu kam, dass die naturwissenschaftlichen Fachkabinette des „Geschwister-Scholl-Gymnasiums“ – dieser Name wurde der Bildungseinrichtung nach dem Umzug in die Dimitroffschule am heutigen Standort 1993 wieder gegeben – überhaupt nicht mehr den Standards und auch Ansprüchen entsprachen.

Und der Kreis Gardelegen nahm das Projekt in Angriff. 1994 wurde noch unter seiner Regie und mit Fördergeld der Stammklassentrakt gebaut. Im selben Jahr wurde mit der Kreisreform der Altmarkkreis Salzwedel gegründet, was die weiteren Projekte etwas verzögerte. Aber zum Schuljahr 1997/98 kam der Fachklassentrakt dazu. Ende 1998 konnte dann auch die Aula als Verbindungsbau zwischen den beiden Trakten eröffnet werden. Das damals noch vorhandene Dimitroff-Gebäude wurde für Arbeitsgemeinschaften genutzt, war aber eigentlich überflüssig. Dagegen, dort die Sekundarschule anzusiedeln, wehrten sich die Eltern erfolgreich.

2010 wurde das Gebäude von der Stadt mithilfe einer 90-prozentigen Landesförderung abgerissen, von der am Ende noch 140 000 Euro übrig blieben. Diese allerdings mussten zweckgebunden in die Umfeldgestaltung fließen oder aber dem Land zurückgegeben werden. Und da kam von Kunstlehrer Wolf Geddert die Idee, auf der Fläche der einstigen Dimitroffschule ein Amphitheater zu bauen. Auch wenn dieses Vorhaben nicht nur Fürsprecher fand, wurde es verwirklicht.

Nach rund 40 Jahren im Lehrerberuf freut sich Collatz immer, wenn er ehemalige Schüler trifft, die einen wiedererkennen und an alte Geschichten erinnern. Für ihn sei es schön zu sehen, wohin es so manchen schon verschlagen habe und was einige erreicht haben.

Bis ein Nachfolger für ihn bestellt sei – es haben sich auch zwei Kolleginnen aus der Schule beworben –, wird sein Stellvertreter Jörg Dobbert die Geschicke der Bildungseinrichtung leiten, für den er auch weiter bei Fragen ein offenes Ohr habe, so Collatz. Sein Nachfolger müsse dann schon seinen eigenen Weg finden, könne sich aber auf die eingespielte Schulleitung verlassen. Wie Collatz meint, wurde in den Jahren viel erreicht, auf das man aufbauen könne. Deshalb empfehle er seinem Nachfolger, nicht den totalen Kehraus zu machen und Bewährtes zu erhalten. Im Mittelpunkt sollte weiter der Lernerfolg der Schüler stehen, auch wenn dafür in Zukunft sicher andere Methoden angewandt werden. So habe das Gymnasium eine IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien)-Förderung beantragt, um die materiellen Voraussetzungen zu verbessern. Eine interaktive Tafel könne aber beispielsweise nicht den Unterricht ersetzen, sondern nur unterstützen. „Fortschritt ja“, so Collatz, „aber kritisch rangehen.“

Von Elke Weisbach

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