Ein Club zum Zocken

Schüler aus Gardelegen haben Gaming-Club gegründet und organisieren Turniere

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Die Mitglieder des Gaming-Clubs, Mika Mertens (von links), Dustin Gebbert, Leon Koßurok, Eric Drewlies und Jeremy Jordan, treffen sich dienstags und donnerstags.

Gardelegen – Mit dem Fahrstuhl geht es nach oben. Im Dachgeschoss der Gardelegener Bibliothek öffnen sich die Türen. In einer Ecke sitzen Eric Drewlies, Dustin Gebbert, Jeremy Jordan, Leon Koßurok und Mika Mertens.

Sie schauen konzentriert auf den Fernseher, wo das Spiel „Super Smash Bros. “ läuft. Das wird gemeinsam gezockt, denn die Jungs sind im Gaming-Club. Den haben die Schüler vor wenigen Wochen gegründet.

Eric Drewlies erzählt, wie alles angefangen hat. Der 17-Jährige aus Kloster Neuendorf war beim Nintendo-Labo-Workshop, der im Februar in der Bibliothek stattfand. Mit dabei hatte der Schüler seine Nintendo-Switch-Konsole. Romy Topf fragte ihn daraufhin, ob er „Super Smash Bros.“ spielt, weil die stellvertretende Bibliotheksleiterin jemand suchte, der ihr bei der Vorbereitung des ersten „Super Smash Bros.“-Turnier half, das Ende Juni veranstaltet wurde. Es mussten unter anderem Charakter freigespielt und Regelsets erstellt werden. Eric Drewlies sagte zu und traf sich öfter in der Bibliothek mit Romy Topf, um das Turnier vorzubereiten.

Im April fand eine Buchlesung statt, erklärt Dustin Gebbert weiter. Der 15-Jährige und sein Kumpel Mika Mertens waren dabei. In der Woche davor trafen die beiden in der Bibliothek Jeremy Jordan, der ihnen erzählte, dass ein „Super Smash Bros.“-Turnier stattfindet, erzählt Dustin Gebbert. Also hat er bei der Buchlesung Romy Topf wegen des Turniers gefragt und erzählt, dass er sich mit dem Spiel auch auskennt. Sogar so gut, dass der Gardelegener wusste, wie Charakter schneller frei geschaltet werden können. Also half auch er.

Jeremy Jordan erzählt, dass er hörte, dass es in der Bibliothek Freitraining für das „Super Smash Bros.“-Turnier gibt. Der 14-Jährige aus Gardelegen machte mit, war vor dem Turnier regelmäßig in der Bibliothek, die anderen Jungs auch.

Als dann das „Super Smash Bros.“-Turnier stattfand, war Leon Koßurok eigentlich nur als Zuschauer dabei. Weil aber ein Spieler ausfiel, zockte er mit, sagt der 16-Jährige. Dustin Gebbert landete auf dem ersten Platz, der Kakerbecker Mika Mertens wurde Zweiter.

Nach dem Turnier trafen sich die Jungs in der Bibliothek regelmäßiger zum gemeinsamen Zocken. Kurz vor den Sommerferien überraschte Romy Topf die fünf Gymnasiasten mit einem Fernseher, erzählt Mika Mertens. Zuvor sahen die Jungs das Spiel nur auf den kleinen Bildschirmen der Nintendo-Switch-Konsolen.

Irgendwann eröffneten sie bei WhatsApp einen Gruppenchat. In diesem ist auch Romy Topf. Sie schrieb den Schülern, dass sie eine große Überraschung hat. Von der Stadt gab es für die Bibliothek einen Flachbildfernseher mit einer Größe von 65 Zoll. Der kam Ende der Sommerferien an. In den sechs Wochen haben die Jungs von „Dienstag bis Freitag hier gemeinsam gezockt, bis die Bibliothek abends zu gemacht hat“, erinnert sich Dustin Gebbert begeistert. Nach den Ferien trafen und treffen sich die Schüler immer dienstags und donnerstags.

Irgendwann war dann klar, dass die Jungs nicht mehr im Veranstaltungsraum der Bibliothek zocken können, weil der Raum eben für Veranstaltungen gebraucht wird, erklärt Romy Topf. Also hatte sie die Idee, dass die Gymnasiasten im Dachgeschoss spielen können. Gemeinsam wurden Trennwände aufgebaut, Stühle und Tische sowie der Fernseher in den kleinen abgetrennten Bereich gestellt.

„Und dann stand es fest“, sagt der Gardelegener Leon Koßurok. Die Schüler gründeten den Gaming-Club. Den sie laut dem 16-Jährigen auch brauchen, damit „alles gut läuft“. Deswegen überlegten sie sich auch das Gaming-Club-Bibo-Manifest. Darin stehen die Ziele, Regeln und Rechte des Clubs. Zum Beispiel, dass gemeinsam über neue Mitglieder abgestimmt wird. Dass nur dem Alter entsprechende Spiele gezockt werden oder dass in dem Raum Ordnung ist. Das funktioniere alles gut, freut sich Romy Topf.

Gegründet wurde der Gaming-Club dann am 6. August. Das ist der erste in einer Bibliothek in Sachsen-Anhalt, weiß Romy Topf. Sie erklärt, dass sich Bibliotheken im Wandel befinden. Zu den Nutzern zählen neben Lesern heutzutage auch die Filmegucker und Zocker, so die stellvertretende Leiterin weiter. Moderne Bibliotheken schaffen Angebote, um Menschen zusammenzubringen.

Wie die Jungs des Gaming-Clubs, die in der Bibliothek einen Ort gefunden haben, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. „Das ist wie ein zweites Zuhause“, sagt der 13-jährige Mika Mertens. „Nach der Schule sind wir hier, kommen runter“, ergänzt Dustin Gebbert. Dann tauschen sich die Jungs, die vorher teilweise schon befreundet waren, aus, reden über alles Mögliche, Zocken. „Hier können wir alle zusammen spielen“, so Leon Koßoruk. „Und das wird nie langweilig“, ergänzt der Gardelegener. Es wird vor allem „Super Smash Bros.“ gespielt. Miteinander und gegeneinander, um sich zu verbessern. Oder um sich auf das nächste Turnier vorzubereiten.

Das findet am Freitag, 4. Oktober, von 16 bis 18.30 Uhr in der Bibliothek statt. Es ist wieder ein „Super Smash Bros.“-Turnier, allerdings treten dieses Mal Teams an. Angemeldet haben sich auch die Gaming-Club-Mitglieder, die die Idee zum Turnier hatten und es mitorganisiert haben. Es sei toll, mit den Jungs Ideen zu entwickeln und Events zu planen, sagt Romy Topf. Und das sollen die Mitglieder des Gaming-Clubs auch.

Sie freuen sich schon auf den Spielstart von „Luigi’s Mansion 3“. Die Jungs wollen das Spiel gemeinsam mit Romy Topf anzocken, sagt sie. Das Spiel kommt aber erst Ende Oktober raus. Bis dahin wird im Dachgeschoss der Bibliothek gemeinsam gezockt und für das Turnier geübt.

VON INA TSCHAKYROW

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