Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow sieht durch Neubau völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten

Schon jetzt: Rundgang mit 3D-Brille

+
Freut sich auf „spannende Monate und Jahre“, die bevorstehen: Gardelegens Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow.

Gardelegen. „Ich bin mir sicher: Das werden spannende Monate und Jahre. “ Andreas Froese-Karow, der Leiter der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe, bekommt fast glänzende Augen. Denn in diesem Jahr werde sich „definitiv Einiges auf der Gedenkstätte tun."

Das sagt er auch jenen Menschen, die ungeduldig werden, weil sich trotz des im vergangenen Jahr nach monatelangem Hickhack bereitgestellten Geldes für das neue Besucher- und Dokumentationszentrum seitdem rein optisch kaum etwas getan hat.

Die künftige Stromzufuhr für die Gedenkstätte ist verlegt. Bereits in wenigen Wochen könnten die ersten Bauzäune für die Errichtung des Besucher- und Dokumentationszentrums stehen.

Derzeit läuft die Ausschreibung für die Errichtung der Baustelle. Die Frist dafür läuft am 25. Januar ab. „Geht alles gut und spielt das Wetter mit, dann werden ab Ende Februar dort Bauzäune stehen“, blickt Froese-Karow voraus. Links vom jetzigen Eingangsbereich wird dann das mehr als drei Millionen Euro teure Hauptgebäude entstehen. Zuvor wird der jetzige Flachbau, ein eher unansehnliches Gemäuer, abgerissen. Die Baufeld-Freimachung mit dem Abholzen mehrere Bäume fand bereits im vergangenen Jahr statt. Dazu kam im Dezember die Verlegung der Strom, Telefon- und Wasserleitungen für das neue Areal.

Auch die neue Wasserleitung für die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe ist vor wenigen Wochen verlegt worden.

Wenn die Bauarbeiten beginnen, könnte es sein, dass der jetzige Eingangsbereich nur noch teilweise oder auch gar nicht genutzt werden kann, aus bautechnischen Gründen. „Dann wird es aber eine andere Möglichkeit geben, die Gedenkstätte zu betreten“, sagt der Leiter. Fest steht: Auch während der Bauzeit wird das Areal öffentlich zugänglich sein.

Ein großer Vorteil gegenüber anderen Gedenkstätten ist aus Sicht von Froese-Karow, dass es einen kompletten Neubau geben wird. Woanders baue man auf vorhandener und historischer Bausubstanz auf, sei deshalb in der Gestaltung eingeschränkt. „Das ist in Gardelegen anders“, freut er sich auf die Gestaltungsmöglichkeiten, die ein Neubau mit sich bringt.

Schon jetzt kann Froese-Karow die künftige Dauerausstellung über das Massaker vom 13. April 1945, als 1016 KZ-Häftlinge von den Nazis in der Feldscheune Isenschnibbe umgebracht wurden, und die Geschichte der Todesmärsche zum Ende des Zweiten Weltkriegs virtuell verfolgen. Für die Gestaltung dieser Ausstellung ist ein Büro in Leipzig zuständig. Und dort gibt es die Möglichkeit eines virtuellen Rundgangs durch das noch gar nicht gebaute Besucher- und Dokumentationszentrum mithilfe einer 3-D-Brille. „Dadurch bekommt man ein räumliches Gespür, wie es später mal aussehen wird“, ist Froese-Karow von dieser maßstabsgetreuen Begehung begeistert.

Von Stefan Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare