Gardelegens Bauausschuss beriet wieder mal über die Zukunft des Trüstedtschen Hauses

Sanierung? „Ach, wie traurig...“

Frank Högg erläuterte die Baugeschichte des Trüstedtschen Hauses. Hinter ihm der baldige Gardelegener Wobau-Chef Wolfgang Oelze, der das Gebäude unter bestimmten Umständen kaufen würde.

Gardelegen. Es ist, daran besteht kein Zweifel, eines der hervorstechendsten Gebäude in Gardelegen. Und es befindet sich in Privatbesitz. Noch.

„Der jetzige Besitzer kann und will nicht investieren“, erklärte Gardelegens Bauamtsleiter Engelhard Behrends während der Sitzung des Bauausschusses am Montagabend. Es ging um das so genannte Trüstedtsche Haus an der Rudolf-Breitscheid-Straße 11, nur gut 100 Meter vom Rathaus entfernt. Und es ging um die Frage, ob dieses Haus aus dem 17. Jahrhundert noch gerettet werden kann. Denn es verfällt seit vielen Jahren.

Mittlerweile sind die Fenster und der Eingang verbarrikadiert, die Bausubstanz sei teilweise „sehr dramatisch“. Das sagt Frank Högg. Der Kunsthistoriker und Bauingenieur aus Wasserleben bei Wernigerode hat Bauforschung betrieben. Und er berichtete, dass das heute stehende Gebäude im Jahre 1660, zwei Jahre nach einem verheerenden Stadtbrand, von Johannes Trüstedt wieder errichtet wurde, ehe es nur sechs Jahre später erneut abbrannte. Der Besitzer starb als alter, gebrochener Mann Jahre später in Berlin.

Die Familie Trüstedt stellte dereinst mehrere Bürgermeister, es waren „sehr reiche Bürger dieser Stadt“, so Frank Högg. Doch es gibt eben auch die Schattenseite: Ein Gebäude, das unter Denkmalschutz steht und nicht mehr zu retten ist, wenn nicht bald etwas passiert. Sinnbildlich dafür ist die verwitterte Giebelinschrift in lateinischer Sprache, die übersetzt mit den Worten „Ach, wie traurig...“ beginnt. „Fruchtkörper des Hausschwamms“ und Insektenbefall hat der Fachmann im Gebäude festgestellt. „Wenigstens einen Teil retten“, so lautet seine Hoffnung.

Wolfgang Oelze, designierter Wobau-Chef, wäre unter gewissen Umständen bereit, das Haus zu übernehmen. Das erklärte er während der Sitzung. Doch es müsste Fördergeld geben.

Und die Kosten? „Eine gute Million“, schätzt Ausschuss-Mitglied Wolfgang Reboné. Behrends: „Nein!“ Daraufhin Gustav Wienecke: „Zwei Millionen.“ Auch das verneinte der Bauamtsleiter energisch: 800 000 Euro seien realistisch, so seine Einschätzung. Der jetzige Besitzer, der für das Trüstedtsche Haus 40 000 Euro bezahlt hat, würde es der Stadt verkaufen. Für 40 000 Euro. Eine Summe, die Wolfgang Oelze aus „zu hoch“ einstuft.

Von Stefan Schmidt

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