„Sack zu, macht was draus“

Dannefelds Ortsbürgermeister Wilfried Kuhrs (rechts) erläuterte den Mitgliedern des städtischen Bauausschusses auf der Baustelle Dorfgemeinschaftshaus die Beweggründe des Rates, das Gebäude sanieren zu lassen. Fotos (4): Schmidt

Dannefeld. Die kürzeste Verbindung nach Dannefeld ist aus Richtung Stadt über den ländliche Weg hinter Peckfitz. Dort fuhr am Montagabend auch Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs entlang. Und passierte am Ortseingang das trotzig selbst gemalte Ortseingangsschild „Ortsteil Gallien“.

„Gallien“ deshalb, weil die Dannefelder seit Monaten um ihr Dorfgemeinschaftshaus kämpfen. Die Sanierung wurde Ende 2010 begonnen, dann kam der Winter dazwischen –- und im Februar hatte Stadt-Bürgermeister Konrad Fuchs für Dannefeld das mittlerweile zwangseingemeindet war, einen Baustopp verhängt. Dieser Baustopp gilt bis heute. Und könnte allenfalls durch den Gardelegener Stadtrat wieder aufgehoben werden. Am Montagabend tagte der städtische Bauausschuss in Dannefeld, zuerst im Rahmen einer Besichtigung des Dorfgemeinschaftshauses, danach im Versammlungsraum der örtlichen Feuerwehr.

Nachdem Fuchs in der vorigen Woche bereits in Dannefeld war und dort betonte, er persönlich werde auf jeden Fall gegen den Weiterbau des Dorfgemeinschaftshauses stimmen (wir berichteten), klang dies am Montagabend schon etwas anders. Er habe sich übers Wochenende „viele Gedanken gemacht“, so der Bürgermeister. „Ich habe begriffen, was hier an Potenzial in Dannefeld vorhanden ist.“ Während des Rundgangs über die Baustelle bot er den anwesenden Dannefeldern deshalb eine Art Kompromiss an. Und der besteht aus drei Teilen.

Einerseits müsse man sicherstellen, dass die Investition Dorfgemeinschaftshaus „keine Folgekosten nach sich ziehen darf“. Denn die Stadt, so Fuchs, befinde sich in der Haushalts-Konsolidierung und dürfe deshalb nichts neu bauen, was eben diese Folgekosten als Konsequenz hätte. Sollte sich in Dannefeld der „Förderverein Dannefeler Bauernfahne“ gründen, wie von Ortsbürgermeister Wilfried Kuhrs angekündigt, könne dieser Verein die Bewirtschaftung des sanierten Dorfgemeinschaftshauses übernehmen. Wie woanders auch, könne dieser Verein dann Anträge auf finanzielle Unterstützung an die Stadt stellen. Die Stadt wäre aber bei den direkten Folgekosten außen vor.

Zweiter Punkt: Die von Wilfried Kuhrs genannte Summe von exakt 110 712,96 Euro, die noch offen sei, nachdem der Baustopp verhängt wurde, dürfe auf keinen Fall überschritten werden (Fuchs: „Keinen Cent mehr“). Bauausschuss-Mitglied Sven Rasch unterstützte diese Idee: „110 000 Euro, Sack zu, macht was draus“, so umschrieb er diesen Vorschlag, den er mittragen würde. Sollten sich dennoch Mehrkosten ergebe, dann müsste der Förderverein diese tragen, müsste beispielsweise Sponsoren gewinnen oder Arbeitseinsätze organisieren.

Drittens: Das Dannefelder Gemeindebüro, im Neubaublock gelegen, müsse geräumt werden, um Platz für eine weitere gemeindeeigene Wohnung zu schaffen. „Dann gäbe es möglicherweise zusätzliche Mieteinnahmen“, so Fuchs. Andreas Finger, Ortschaftsratsmitglied in Dannefeld und zugleich Stadtrat, „könnte damit leben. Das müssten wir hinkriegen.“ Man wolle ja „Partner der Stadt sein“, bekräftigte Andreas Finger. Und auch Wilfried Kuhrs erinnerte daran, dass er, mit einem Gehstock bei der Besichtigung ausgestattet, Mühe habe, jedes Mal die 26 Stufen ins Gemeindebüro zu bewältigen. Das dort noch gelagerte Archiv der Ortschaft Dannefeld könne auch ins Gardelegener Stadtarchiv wandern, schlug Fuchs vor.

Fuchs betonte, dass dieser Kompromiss, sollte er tatsächlich zustande kommen, nicht automatisch dazu führen würde, dass er den Weiterbau des Dorfgemeinschaftshauses befürworte („Das ist hier keine Zusage“). Aber „ich könnte dann darüber nachdenken.“

Der Stadt-Bürgermeister glaubt, dass auch eine noch eigenständige Gemeinde Dannefeld die Sanierung des Objektes nicht so ohne weiteres hätte bewältigen können. „Ich glaube nicht, dass Dannefeld in diesem Jahr einen ausgeglichen Haushalt auf die Beine hätte stellen können“, so seine Aussage. Schließlich habe die nun zwangszugeordnete Gemeinde schon im Jahr 2010 rund 56 000 Euro aus der Rücklage entnehmen müssen. Wilfried Kuhrs widersprach: „Wir wären trotz alledem gut über die Runden gekommen.“

Von Stefan Schmidt

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