Rettungsaktion für Waldkäuze

Eng aneinandergekuschelt haben es sich die beiden Waldkauzjungen auf der Nestschaukel, die Vivian Schmidt ihnen baute, bequem gemacht. Foto: Weisbach

Seethen. Wo sie her kamen, kann keiner sagen. Seit der vergangenen Woche aber sind sie die Attraktion in Seethen – zwei Waldkauzjunge auf einem Baum des Dorfplatzes.

Am Mittwoch in der vorrigen Woche lag plötzlich ein Junges am Fuß des Baumes, erzählt Marga Adler, die sozusagen vis-a-vis wohnt. Das habe ihre Nachbarin Vivien Schmidt bemerkt und den Jungvogel wieder nach oben in ein Baumloch gesetzt. Dort wurde auch der zweite kleine Waldkauz entdeckt. Doch irgendwie scheint es dort zu eng gewesen zu sein. Denn der eine fiel immer wieder runter. Da hatte Vivian Schmidt eine Idee.

Sie konstruierte aus Bambusmatten und Seilen zwei Podeste, die in rund 2,50 Meter Höhe angebracht und auf die die kleinen Waldkäuze nun gesetzt wurden. Mittlerweile haben sich die beiden auf einer dieser Nestschaukeln zusammengekuschelt und gucken mit ihren großen runden Augen in die Welt. Zum Glück blieb Mutter Waldkauz, wie Marga Adler erzählt, auf einem benachbarten Baum in der Nähe und füttert ihren Nachwuchs auch weiter. Sonst hätte er nicht überlebt. Es könnte sich bei dem erwachsenen Vogel allerdings auch abwechselnd um Mutter und Vater handeln, was für Laien nicht zu unterscheiden ist. Denn eigentlich sorgen beide Elternvögel für den Nachwuchs.

Und nicht nur die beiden Waldkäuze beobachten ihre Umgebung, auch die Seethener haben sie ganz genau im Auge. Wie Marga Adler sagt, schauen sie und Vivian Schmidt an jedem Tag mehrmals nach den beiden „Kindern“, die alle „ganz niedlich finden“. Denn auch andere Seethener kommen immer mal wieder vorbei, um die ansonsten scheuen Vögel zu beobachten. Aus dieser Nähe sieht man sie sonst ja nicht – und Käuzchens Eltern lassen sie gewähren. Zum Glück. Denn eigentlich verteidigen die Elternvögel ihre Nisthöhlen und Jungvögel rigoros und greifen laut Wikipedia auch Menschen an.

Dort ist auch nachzulesen, dass der Waldkauz alte Laub- und Mischwälder bevorzugt, aber auch häufig in Nadelwäldern und in der Kulturlandschaft anzutreffen ist. Denn er ist grundsätzlich sehr anpassungsfähig und brütet beispielsweise in der baumarmen Dünenlandschaft der Niederlande auch in Kaninchenhöhlen. Waldkäuze brüten auch in Parkanlagen, auf Friedhöfen und in Alleen sowie Gärten mit altem Baumbestand. Bleibt er ungestört, brütet er auch in direkter Nähe zum Mensch. Daher kommt es verhältnismäßig häufig zu Bruten in Scheunen, in den Schornsteinen alter Häuser oder eben in einem Baum auf dem Seethener Dorfplatz.

Beim Seethener Nachwuchs scheint es sich um sogenannte „Ästlinge“ zu handeln. Die Jungvögel verlassen in einem Alter von 29 bis 35 Tagen die Bruthöhle. Beim Sprung aus der Höhle fallen viele Waldkauzjungen auf den Erdboden. Sie versuchen dann, laufend zu einem Gestrüpp oder einem dickborkigen Baum zu kommen, an dem sie hochklettern und sich auf einem Ast niederlassen können, was dem Seethener Jungvogel nicht gelungen zu sein scheint. Doch zum Glück gab es ja zwei aufmerksame Frauen, die ihm halfen und so die weitere Fütterung des Jungtieres in luftiger Höhe ermöglichten. Nun können sie in Ruhe groß und stark werden.

Von Elke Weisbach

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