Dementer Rentner gibt im Gardelegener Amtsgericht seinen Führerschein ab

Angeklagter (81) in Gardelegen: „Ich fasse kein Auto mehr an“

Straßenschild vor Haus
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Die Unfallflucht ereignete sich an der Ernst-von-Bergmann-Straße in Gardelegen.
  • Stefan Schmidt
    VonStefan Schmidt
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Wegen Unfallflucht saß ein 81-jähriger Mann aus Gardelegen vor Gericht. Er gab noch vor Ort seinen Führerschein ab.

Gardelegen – Er saß noch nie vor dem Kadi. Überhaupt hat sich M. aus Gardelegen in seinem Leben bisher nichts zu Schulden kommen lassen, war noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Und doch saß er am Montag auf der Anklagebank im Gardelegener Amtsgericht. Wegen eines Unfalls mit anschließender Fahrerflucht. Passiert war das Malheur am 7. November 2019, also vor knapp zwei Jahren, an der Ernst-von-Bergmann-Straße in Gardelegen.

Das Problem: Der Angeklagte ist mittlerweile dement. „Seit zwei Jahren“ sei das so, erklärte seine ebenfalls im Gerichtssaal anwesende Ehefrau. Also mutmaßlich bereits zum Zeitpunkt des Unfalls, bei dem sie Beifahrerin gewesen war. Und seit ein paar Monaten sei es „schlimmer geworden“.

Falsche Altersangabe

Dass M. tatsächlich nicht mehr ganz klar im Kopf ist, erkannte Richter Axel Bormann schnell. Zwar konnte der Rentner sein Geburtsdatum sofort nennen, machte sich aber auf Bormanns Frage, wie alt er denn nun sei, um fast ein Jahrzehnt älter: „Ich bin 90.“ Auch seine Wohnadresse wusste er nicht, da musste die Ehefrau aushelfen.

Der Richter baute dem Unfallfahrer, in Absprache mit dem Staatsanwalt, eine Brücke. Ob er denn aktuell noch Auto fahre, wollte Bormann wissen. M. verneinte: „Das ist vorbei.“ Das fand der Richter „eine gute Entscheidung“. Der Mann auf der Anklagebank, so konstatierte Bormann, habe „großen Blödsinn gemacht“, aber „das war das erste Mal in Ihrem Leben“´. Und so schlug er dem Angeklagten, der mittlerweile auch kein Auto mehr besitzt, Straffreiheit vor. Allerdings unter einer Bedingung: „Sie geben ihre Fahrerlaubnis ab.“ Und zwar noch im Gerichtssaal. „Ich fasse kein Auto mehr an“, beteuerte der Mann, während seine Ehefrau den „Lappen“, der aus dem Jahr 1964 stammt, bereitwillig auf den Richtertisch legte.

Wie sie denn nun, nach Einstellung des Verfahrens, wieder nach Hause kommen würden, wollte Bormann abschließend wissen. „Wir werden abgeholt“, versicherte die Ehefrau. Auch das fand Bormann eine richtige Entscheidung.

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