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Renate Gille blickt auf 50 Jahre Ehrenamt als Betreuerin und Feriencampleiterin in Gager zurück

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Von: Lea Weisbach

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Mann und Frau sehen sich Fotoalben an.
Renate und Heino Gille aus Lindstedt erinnern sich gern an die Zeit im Feriencamp Gager auf Rügen zurück. Viele Namen und Momente sind unvergessen. © Lea Weisbach

Die Lindstedterin Renate Gille war 50 Jahre ehrenamtlich als Betreuerin und Campleiterin im Ferienlager Gager auf Rügen tätig. Gemeinsam mit ihrem Mann Heino, der ebenfalls mitfuhr, erinnerte sie sich an die Zeit zurück.

Lindstedt - „Das ist unsere zweite Heimat“ betonten Renate und Heino Gille deutlich. Noch in der Nacht zum Donnerstag machte sich die 71-jährige Lindstedterin, die in Jävenitz geboren wurde und zwischenzeitlich in Letzlingen lebte, auf die Suche nach den Fotoalben, in denen fein säuberlich die Bilder vom Feriencamp in Gager auf Rügen eingeklebt sind.

Renate Gille kann auf 50 Jahre Ehrenamt als Betreuerin und später auch als Lagerleiterin des Feriencamps zurückblicken. Aufgrund dessen waren am Donnerstag Daniela Wittig, Sachgebietsleiterin Wirtschaftliche Jugendhilfe des Altmarkkreises Salzwedel, sowie Doreen Jürgens, Sachbearbeiterin bei der Wirtschaftlichen Jugendhilfe des Altmarkkreises Salzwedel, – sie sind unter anderem für die Planung, Organisation und Vorbereitung des Sommerferiencamps zuständig – vor Ort, um die 71-Jährige zu verabschieden und Danke zu sagen. Das Jugendamt des Altmarkkreises veranstaltet in jedem Jahr drei Durchgänge des Feriencamps für Kinder von neun bis 13 Jahren.

1970 erstmals Betreuerin in Gager

Das Feriencamp in Gager kennt Renate Gille bereits seit ihrer Schulzeit. Als 15-Jährige war sie selbst vor Ort. Somit kannte sie das Gelände bereits, als sie 1970 das erste Mal als Betreuerin mitfuhr. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Renate Gille bei der Stadt Gardelegen. Diese sollte einen Betreuer für das Ferienlager stellen. Renate Gille übernahm den Job gern. Ein Jahr später kam auch ihr Mann Heino mit. Der gebürtige Lindstedter war ebenfalls viele Jahre als Betreuer und Rettungsschwimmer in Gager. „Entweder man fährt nur ein Mal nach Gager und dann nie wieder oder man fährt immer wieder“, schmunzelte Heino Gille. Das Ehepaar entschied sich für Letzteres. Zuletzt waren sie 2019 in Gager. Danach machte ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung.

Früher sah das Feriencamp, das sich in einer ehemaligen Kieskuhle zwischen Klein Zicker und Gager knapp 1,5 Kilometer vom Ostseestrand entfernt befindet, noch anders aus. Bevor es die acht Bungalows gab, schliefen die Kinder in Zelten. Die Bungalows wurden gebaut, als die LPG Pflanzenproduktion Jävenitz eingestiegen ist. Auch richtige Toiletten gab es zu DDR-Zeiten nicht. Plumpsklos waren die Alternative. Mittlerweile gibt es moderne Sanitäranlagen. Die Küche ist seit 2020 mit einem Geschirrspüler ausgestattet. Seit Kurzem gibt es einen neuen Herd und Kochkessel. Außerdem wurden bereits einige Außenbereiche gepflastert und die Bungalows neu gestrichen, berichteten Daniela Wittig und Doreen Jürgens.

Höhepunkt: Neptunfest

„Man erinnert sich immer wieder gern daran“, erzählte der 69-jährige Heino Gille, der gemeinsam mit seiner Frau vieles in der Zeit erlebt hat. Das Neptunfest sei immer ein Höhepunkt gewesen. Auch die Hinreise nach Gager mit dem Zug mit Zwischenhalten in Rostock oder auch Berlin „vergisst man nie“. Ebenso die Namen von einigen Kindern und Jugendlichen, anderen Betreuern wie Giesela Brand oder Konrad Fuchs und anderen Mitarbeitern werden immer positiv in den Köpfen und der Erinnerung der Lindstedter bleiben.

„Die Kinder standen immer im Vordergrund“, erzählte Heino Gille. Für sie gab es stets ein volles Programm. Neben Wanderungen nach Thiessow oder entlang der Steilküste, Kino- und Zirkusbesuchen, Ausflügen nach Binz oder zu Störtebecker war auch die Disco für die Kinder wichtig. „Die Jungs haben dann immer ausgetestet, was sie für Chancen haben“, schmunzelte Renate Gille. Denn neben Freundschaften sind in Gager auch viele Partnerschaften entstanden. Auch wenn einige Kinder anfangs nicht genau wussten, was sie fast zwei Wochen im Feriencamp anstellen sollten, änderte sich dies doch schnell. Das Heimweh verflog und der Spaß stand im Vordergrund. Dafür sorgten unter anderem Ehrenamtliche wie Renate und Heino Gille, die mit viel Herzblut die Kinder betreuten.

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