1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Gardelegen

Letzlingens Bürgermeisterin Regina Lessing hört nach fast 40 Jahren auf

Erstellt:

Von: Stefan Schmidt

Kommentare

2 Frauen mit Sekt.
Regina Lessing (links) hört als Letzlingens Ortsbürgermeisterin auf. © Stefan Schmidt

Regina Lessing, Letzlingens Ortsbürgermeisterin, hört zum Monatsende auf.

Letzlingen – Nein, von Altersruhestand wird wohl nicht die Rede sein. Regina Lessing, Lezlingens Ortsbürgermeisterin, hat noch viel vor. Aber ab sofort nicht mehr als Bürgermeisterin. Denn die 68-Jährige legt zum Monatsende ihr Amt nieder. Die Nachfolge tritt ihr bisheriger Stellvertreter Thomas Genz an. Doch über Langeweile wird die umtriebige Letzlingerin nicht klagen. „Jetzt will ich vor allem Oma sein“, freut sie sich.

Im Jahr 1980 übernahm Regina Lessing als „Zugezogene“, wie sie erzählt, das Bürgermeisteramt in Letzlingen. Also noch zu DDR-Zeiten. Im Sommer 1989 hörte sie zwar auf, trat aber nach einer kurzen Unterbrechung – nach der Wende führte Klaus Albustin die Geschäfte in der Heidegemeinde – im Jahr 1994 wieder an, „nachdem mich die Freie Wählergemeinschaft überredet hatte“. Albustin verlor die Wahl, Regina Lessing übernahm – und blieb bis heute Bürgermeisterin. Und das mit Leib und Seele. „Manche nannten mich auch statt Frau Lessing Frau Lästig“, erzählt sie mit einem Schmunzeln.

Ihr Engagement ging auch zu Lasten der eigenen Familie, wie sie zugibt. Die Ehefrau, dreifache Mutter und mittlerweile sechsfache Großmutter habe sich nicht immer so um ihre Lieben kümmern können, wie sie es gerne getan hätte, erklärt sie. „Selbst bei Urlauben war ich in Gedanken oft woanders.“ Das wolle sie nun nachholen. Der Entschluss zum Rückzug kam demnach keinesfalls spontan.

Zu DDR-Zeiten war das damalige SED-Mitglied hauptamtlich als Bürgermeisterin tätig, nach der Wende ehrenamtlich. Und: „Ich hatte mir zur Wende geschworen, keiner Partei mehr beizutreten“ – eine Freie Wählergemeinschaft zählt sie nicht zu einer solchen klassischen Partei. Ein weiterer Vorteil während ihrer jahrzehntelangen Amtszeit: Als „Hinzugezogene“ habe sie sich im Ort niemandem verpflichtet fühlen müssen, „ich war da weitgehend unabhängig“.

Was bleibt von fast vier Jahrzehnten Bürgermeistertätigkeit in Letzlingen? „Dass das Gefechtsübungszentrum der Bundeswehr bei uns gebaut wurde“, das sei der größte Erfolg gewesen, sagt Regina Lessing. Sie und der Rat hätten in den 1990er Jahren immer dafür gekämpft – „und die damalige Umweltministerin Heidrun Heidecke lief bei den Friedenswegen“, die bis heute von der Bürgerinitiative „Offene Heide“ organisiert werden, mit.

Sie übergebe, betont Regina Lessing, ein Dorf „in geordnetem Zustand“. Das Vereinsleben sei rege, es gebe Arzt, Apotheke, Banken, Physiotherapie, dazu Grundschule und Kita – und mit dem Tag- und Nachtmarkt vielleicht noch in diesem Jahr wieder eine Einkaufsmöglichkeit. Auch mit der Gebietsreform und der verbundenen Zwangszuordnung zu Gardelegen hat sie, die einst eine der hartnäckigsten Gegnerinnen war, ihren Frieden geschlossen. Zwar habe man „keine Kasse mehr“, werde aber dennoch gehört und arbeite mit einer Stadtverwaltung zusammen, die „längst professionell aufgestellt ist“.

Auch interessant

Kommentare