Realitätsnahe Ausbildung als Auftrag

„Schnöggersburg“ soll alle Merkmale einer Stadt aufweisen, die aber nur in Containerbauweise nachgebildet werden.

Letzlingen - Von Elke Weisbach. 13 632 000 Euro – diese Summe wird in den nächsten Jahren untere anderem für die infrastrukturelle Erweiterung des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) des Heeres bei Letzlingen auf dem Truppenübungsplatz „Altmark“ verbaut, um für die übenden Soldaten, die hier für ihren Auslandseinsatz den Schliff erhalten, die Ausbildung so realitätsnah wie möglich zu gestalten. Denn das ist überlebenswichtig.

Auch darauf ging der Leiter des GÜZ, Oberst Gerd Kropf, am Dienstagabend während der Informationsveranstaltung für die Letzlinger im Auditorium der Kaserne (wir berichteten) ein. Denn sein Anliegen sei es, erklärte Kropf, die Arbeit des GÜZ so transparent wie möglich nach außen hin darzustellen.

Und die Hauptaufgabe liege in der umfassenden Ausbildung der Soldaten für ihren Auslandseinsatz. Auch er, so der Oberst am Dienstag, war bereits im Kosovo und in Mazedonien, in Afghanistan und in Bosnien sowie in Kinshasa im Kongo tätig und wisse, wie wichtig die optimale Vorbereitung auf alle Eventualitäten sei. Aus diesem Grund werden die 21 Ausbildungsdurchgänge im Jahr, von denen 15 für die Einsatzkontingente, drei für Panzerübungen, zwei für die niederländischen Truppen und einer für die Ausbildungsstätte Munster reserviert sind, auch über die Feiertage realisiert. Deshalb, so Kropf, musste das diesjährige Salchau-Treffen am Himmelfahrtstag auch in abgewandelter Form stattfinden. Denn der Termin fiel in einen Übungsdurchgang.

Da sich die Situation in den Krisengebieten geändert hat und sich der Gegner immer öfter in die Ortschaften zurückzieht, müssen auch Einsätze in bebauten Gebieten mehr geübt werden. Dazu wird in den nächsten Jahren ein „Urbaner Ballungsraum“ nachgebildet. In Containerbauweise entsteht im Bereich der ehemaligen Ortschaft „Schnöggersburg“ eine Stadt mit diesem Namen. Dabei handelt es sich aber nicht um „Letzlingen II“, wie Kropf noch einmal deutlich machte, sondern wirklich nur um eine Stadt-Nachbildung (siehe Foto).

In der oben genannten Summe enthalten sind aber auch noch andere Projekte, die zum Teil auch schon beendet sind, so zum Beispiel die Photovoltaikanlage in der Kaserne, die zum Tag der offenen Tür im September vergangenen Jahres in Betrieb genommen wurde, und ein neues Unterkunftsgebäude in der Kaserne. Abgerissen ist auch schon das so genannte Gebäude III in Planken, in dem zu DDR-Zeiten 1000 Rotarmisten untergebracht waren. An dieser Stelle entstehen neue Unterkünfte für die Soldaten, von denen drei Gebäuden im Mai bereits die Richtkrone aufgesetzt werden konnte. Fünf Gebäude sollen insgesamt entstehen. Dazu kommt auch noch ein Wirtschaftsgebäude, ein Hubschrauberlandeplatz, eine Hundezwingeranlage und eine Wärmeerzeugungsanlage.

Auf dem Truppenübungsplatz selbst entstehen noch 29 Übungshäuser an verschiedenen Standorten, von denen die fünf in Salchau bereits fertig sind. Weiterhin soll in diesem Jahr noch die Rekonstruktion der 1700 Meter langen Behelfslandebahn im Norden des Platzes als Heidelandebahn für Transall-Landungen und -Starts beginnen. Fertiggestellt werden soll in diesem Jahr noch die Funkanbindung für die systemunterstützten Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten auf dem Südteil des Platzes, der erst 2004 zum Truppenübungsplatz kam.

Gestoppt wurde dagegen der Bau einer Stellung für verlegfähiges Radar im Süden des Platzes, das aber nicht Teil des Übungsplatzes ist, sondern Teil der Flugraumüberwachung Berlin ist, erklärte Kropf. Grund sind dort beheimatete Mopsfledermäuse, für die ein neues Zuhause gesucht werden muss.

Hat das GÜZ und der Truppenübungsplatz schon heute Alleinstellungsmerkmale durch die neueste Technik und die größtmögliche Realitätsnähe, wird dem durch die Vorhaben auch für die kommenden Jahre Rechnung getragen. Und so werden sich auch in Zukunft die Besucher so zu sagen die Klinke in die Hand geben. Allein 2009 könnten im GÜZ 3231 Gäste – darunter 168 V.I.P.s – gezählt werden, listete der Oberst auf und erklärte: „Vor ihrer Haustür tut sich was, hier geht es rund.“ Und von den Besuchern hat auch die Gemeinde Letzlingen etwas, die laut Kropf einen „unglaublichen Strukturvorteil“ durch ihre Verbindung von Historie in Form des Jagdschlosses und der Moderne in Form des GÜZ habe. Vor allem amerikanische Gäste sind von dem letzten Hohenzollernschloss begeistert und fragen nicht nur einmal, ob das auch alles echt sei.

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