Lukenerneuerung am Schenkenhorster Kirchturm / Nistkästen für Turmfalke, Mauersegler und Eulen

Quartiere für Fledermaus und Co.

Rings um den Schenkenhorster Kirchturm wurden die Luken – zum Teil mit Schalllamellen – erneuert. Fotos: Weisbach

Schenkenhorst. Zum Osterfest riefen die Glocken im Schenkenhorster Kirchturm die Gläubigen wieder zum Gottesdienst.

Doch Restaurierung des Glockenstuhles und Installierung eines neuen Geläuts (wir berichteten) war nur ein Projekt, welches die Kirchengemeinde in diesem Jahr bereits realisiert hat. Ein zweites betraf die Erneuerung der Schallluken, mit dem auch für den Artenschutz etwas getan wurde, wie Gordon Sethge vom Kirchenrat berichtet.

Die Schallluken aus dem Jahr 1872 waren marode geworden, ließen sich kaum noch öffnen oder fielen dann beinah aus den Angeln. Zudem drang an der Wetterseite Schnee und Regen ein. Somit wurde beschlossen, die 14 Luken, verteilt auf zwei Etagen, zu erneuern. Die Kirchengemeinde sieht es jedoch nicht nur als Aufgabe, Gebäude zu erhalten, sondern auch zum Erhalt der Schöpfung und des Artenreichtums in der Region beizutragen.

Seit Jahren gibt es nämlich eine Fledermauspopulation im Schenkenhorster Kirchturm, die geschützt werden sollte. Um die Beobachtung und Erfassung dieser Population besser möglich zu machen, wurden nun spezielle doppelwandige Luken angefertigt, die einen Schlitz nach außen haben, durch den die Fledermäuse einfliegen können. An den Fledermäusen wurde auch die Umsetzung des Projektes ausgerichtet.

Da diese sich von Mai bis Ende September in der Reproduktionsphase befinden, musste die Anbringung der neuen Luken in der Ruhepause von Oktober bis April erfolgen. Die Luken wurden dann Anfang März 2014 durch die Zimmerei Blümner aus Bismark erneuert, die auch den Glockenstuhl restauriert hat. Gleichzeitig wurde neuer Lebensraum für den auf der roten Liste der bedrohten Tierarten stehenden Mauersegler sowie für Turmfalken geschaffen. Für diese, an hohen Gebäuden nistenden Vögel, wurden an der Außenseite Nistkästen angebracht. Außerdem gibt es nun auch noch einen Eulenkasten.

Die Planungsphase, die sich für beide Projekte über zwei Jahre hinzog, war sehr intensiv, da der Kirchenrat die denkmalrechtlichen Vorgaben mit den besonderen Anforderungen für die Nistkästen verbinden musste. So wurden zum Beispiel die alten Eisenbeschläge an den Luken entrostet und wiederverwendet. Die Form der Luken musste den alten Luken entsprechen. Dennoch sollte die Glockenstube den Ansprüchen des modernen Glockenwesens gerecht werden. Deshalb wurden die Luken mit Schalllamellen angefertigt, durch die der Schall gezielter geleitet wird. Das hat zudem auch den Effekt, dass das Geläut und der Uhrenschlag besser zu hören sind.

Dieses Artenschutzprojekt wurde vom Landesverwaltungsamt in Halle, Referat Naturschutz und Landschaftspflege, seit Beginn der Planungen begleitet. Die Behörde bestätigte, dass der Lebensraum und die Lebensqualität für viele Tierarten in der Region bedroht sind. Für Schenkenhorst sei das die Umstellung der Landwirtschaft auf Maiskulturen und die geplante Inbetriebnahme einer industriellen Geflügelzucht-Anlage, die Auswirkungen auf die Natur und das Ökosystem habe. Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes waren auch vor Ort in Schenkenhorst, um die Arbeiten abzustimmen. Das Artenschutz-Projekt kam auf die Prioritätenliste des Landesverwaltungsamtes. Die Kosten wurden zu 100 Prozent gefördert. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 8000 Euro.

Von Elke Weisbach

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