Mahnwache an der Salchauer Straße bei Letzlingen litt unter der Hitze / Letzlinger Gegenprotest

Quarkbällchen gegen Vandalismus

Sie nennt sich „Alice Dee“ und klang auch ein bisschen so.

Letzlingen. Es sei ein „Bündnis von Neo-Nazis und bürgerlichen Militarist/innen.“ Das teilte das Antimilitaristische Camp am Sonnabend nach dem Protest von Letzlingern gegen Vandalismus-Vorfällen der Militärgegner im Vorfeld des „Aktionstages“ (siehe Bericht auf der Titelseite) mit.

Hintergrund: Bei diesem friedlichen Picknick auf dem Heinrich-Heine-Weg hatte ein Ordner ein T-Shirt mit einem rechtsradikalen Schriftzug getragen. Die Ordnerbinde wurde ihm alsbald abgenommen und weitergereicht. Die Empörung bei den Militärgegnern blieb. Die andererseits in der Wut-Mail genau das taten, was sie sich selbst, wenn es um ihre Klientel geht, verbitten: Eine pauschale Kriminalisierung. Ähnlich wie beim Plakat „Soldaten sind Mörder und Vergewaltiger“, das während der stundenlangen Mahnwache gleich neben einem Zelt der Linkspartei unbehelligt am Zaun hing.

Auch Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs bekam sein Fett weg. Er sei sich „nicht zu schade..., gemeinsam mit den Rechten zu protestieren“.

Fuchs selbst war am Sonnabend sowohl bei der Mahnwache als auch beim Letzlinger Picknick vor Ort. Den Letzlinger Organisatoren zollte er seinen Respekt: „Ich finde es toll, was Sie hier machen.“ Sprachs und steckte sich eines der herumgereichten Quarkbällchen in den Mund: „Wirklich lecker.“

Zwei Tage zuvor hatten sich einige Letzlingerinnen, die im vergangenen Jahr als „Letzlinger Kuchenfrauen“ bekannt wurden, zu diesem Gegen-Picknick entschlossen. Im September 2012 hatten mehrere Einheimische beim damals ersten Antimilitaristischen Camp Kuchen gebacken – für die auf dem Marktplatz, wo die Antimilitaristen eine Woche lang ihr Zeltlager aufgeschlagen hatten, ausharrenden Polizisten. Für Vorhaltungen der Demonstranten, man spendiere Staatsdienern keinen Kuchen, hatten die Hobby-Bäckerinnen damals nur ein müdes Lächeln übrig: Wer fernab der Familie tagelang seinen Dienst ableisten müsse, der dürfe auch mal naschen.

Letzlingens Ortsbürgermeisterin Regina Lessing, die am Wochenende den „Bunten Sommermarkt“ auf dem Letzlinger Marktplatz angemeldet hatte – und damit indirekt ein mögliches Antimilitaristen-Camp in der Ortsmitte verhinderte – lobte die diesmal deutlich dezentere Präsenz der 600 Polizisten während der vergangenen Tage.

Von Stefan Schmidt

Das sind die Bilder

Antimilitaristisches Camp am Truppenübungsplatz Altmark

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