Amtsgericht Gardelegen

Angeklagter: „Ich verrate die Person nicht“ – Prozess wegen schweren Diebstahls fortgesetzt

Der 27-Jährige soll unter anderem in Kalbe geklaut haben.
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Der 27-Jährige soll unter anderem in Kalbe geklaut haben.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Der Prozess um einen 27-Jährigen ging am Freitag, 26. Februar, am Gardelegener Amtsgericht weiter. Es ging um eine Tat in Kalbe.

Gardelegen – Jetzt ging die Verhandlung am Gardelegener Amtsgericht mit dem 27-Jährigen weiter, der unter anderem wegen besonders schweren Diebstahls, Computerbetruges und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, angeklagt ist (AZ berichtete), weiter.

Drogen haben ihn „paranoid“ gemacht

Bevor eine der Taten besprochen wurde, machte der Angeklagte Angaben zu sich selbst. Im Dezember 2019 wurde der 27-Jährige aus der Haft entlassen und ging nach Schönebeck. Dort habe er sich aber nicht wohlgefühlt. „Ich habe keinen Anschluss gefunden und keinen Job“. Er hat Crystal Meth genommen und die Droge habe ihn „paranoid gemacht“. Der 27-Jährige ging zurück nach Gardelegen, wo aber „alte Geschichten“ auf ihn zukamen. Er wurde unter Druck gesetzt, die Stadt wegen früherer Straftaten wieder zu verlassen, erzählte der Angeklagte. „Ich habe versucht, Fuß zu fassen“, so der Angeklagte, „ein geregeltes Leben zu führen“. Er kam bei Bekannten unter, hatte eine Wohnung, verlor diese wieder. Er hat auch „exzessiv Drogen konsumiert“. Es war „alles fit bis zum 6. Juni“. Dann habe der Angeklagte einen Selbstmordversuch unternommen und kam deswegen ins Krankenhaus. Einen Tag später, also am 7. Juni, soll der Angeklagte in einem Betrieb in Kalbe am Buchenweg in einen unverschlossenen Pausenraum eingestiegen und private Gegenstände von den Mitarbeitern, unter anderem zwei Mobiltelefone, ein Rucksack und eine Jacke, sowie Autoschlüssel mit denen anschließend auch das Auto gestohlen wurde, entwendet haben. Dieser Tatvorwurf wurde besprochen. Der Angeklagte gab dazu an, dass es nicht möglich war, dass er der Täter dieser Straftat ist. Er erklärte, dass er im Krankenhaus war und mit dem Bus nach Kalbe hätte fahren müssen. „Ich weiß, wer das war, aber verrate die Person nicht“, so der Angeklagte. Er sei in der jetzigen Untersuchungshaft durch einen Zettel auf dem „Alles hat ein Nachspiel“ stand, bedroht worden. Er habe sich am 7. Juni von dem unbekannten Täter nach Salzwedel fahren lassen. „Ich war nicht dort in dieser Nacht“, sagte der Angeklagte in Bezug auf die Tat in Kalbe. Er war zwar gegen 13, 14 Uhr am 7. Juni in Kalbe, um sich Sachen abzuholen, aber sei danach nach Salzwedel gefahren. In dem Auto wurde ein Schreiben mit seinem Namen gefunden, „das kann ich mir nur so erklären, dass das rausgefallen sein muss“.

„Gleich wieder erkannt“

Die erste Zeugin gab an, dass sie in der Firma nachts als Reinigungskraft arbeitet. Nachdem es eine Pause im Pausenraum gab, ging sie wieder an die Arbeit und durchquerte dazu eine Halle, in der ihr der Angeklagte entgegengekommen sei. „Er hat nett gegrüßt und nach einem Hausmeister gefragt“, den es dort aber nicht gebe, und dann gesagt, dass „er eine alte Anlage abholt“, was auch nicht unüblich sei. Als die Zeugin mit ihrer Arbeit fertig war, ging sie wieder in den Pausenraum, wo ihr ihre Kollegen sagten, dass ihr Handy weg sei. Nach und nach sei aufgefallen, was alles fehlt. Die Polizei wurde gerufen. Auf Nachfrage gab die Zeugin an, den Angeklagten „gleich wieder erkannt zu haben“. Auf den Lichtbildern, die ihr von der Polizei damals gezeigt wurden, konnte sie den Angeklagten nicht erkennen, aber auf einem Foto bei Facebook, dass ihr die zweite Zeugin gezeigt hat.

Angeklagten bei Facebook gesucht

Diese gab an, den Angeklagten nicht wiederzuerkennen, da sie ihn während der Tat nur von der Seite gesehen hat. Ihr wurde unter anderem das Auto gestohlen. Ihr Sohn habe sie zwei Tage später angerufen, um ihr zu sagen, dass er das Auto in Salzwedel gesehen hat. Im Auto lagen Papiere des Angeklagten. Den Namen habe sie daraufhin bei Facebook gesucht und ein Profil gefunden. Eine Bekannte, die laut Aussage des Angeklagten seine Ex-Freundin sein soll, habe zudem gesagt, dass ein ihr Bekannter mit dem Diebstahl eines Autos geprahlt hätte, was der Angeklagte gewesen sein soll.

Auch der dritte Zeuge hatte den Angeklagten nicht genau gesehen. Der letzte Zeuge für diesen Tatvorwurf war ein Kriminalhauptmeister, der die Spurensicherung am geklauten Auto vornahm. Er gab an, dass das Schreiben mit dem Namen des Angeklagten von der zweiten Zeugin, also der Halterin des Fahrzeugs, später ins Revier gebracht wurde.

Die Verhandlung wird in der nächsten Woche fortgesetzt.

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