Mehrfach vorbestrafter Stendaler verursachte Unfall in Kloster Neuendorf / Erster Verhandlungstermin aufgehoben

Mehrfach Vorbestraft und betrunken: Polo landet auf Dach – Fahrer droht Gefängnis

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Erheblichen Schaden hatte der Polo, mit dem der Stendaler Ende Juli betrunken in einem Kloster Neuendorfer Vorgarten gelandet war, angerichtet.

Gardelegen/Kloster Neuendorf. Ein lautes Krachen ließ die Anwohner eines Hauses in Kloster Neuendorf an der  B 188 am 30. Juli vergangenen Jahres um 7.15 Uhr vor Schreck zusammenfahren. Ein Polo war auf dem Dach in ihrem Vorgarten gelandet.

Aus dem Gericht

Vor einigen Tagen sollte nun der damals alkoholisierte Fahrer – der ermittelte Wert lag bei 1,5 Promille – vor dem Amtsgericht in Gardelegen für die fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs, bei der auch Leib und Leben anderer bedroht waren, zur Verantwortung gezogen werden. Zu einem Urteil kam es aber nicht. Denn aufgrund einer vorherigen Bewährungsstrafe, die zum Zeitpunkt des Verkehrsunfalls noch lief, droht dem Angeklagten S. diesbezüglich ein Bewährungswiderruf, der mit einer Gefängnisstrafe enden könnte – auch wenn die aktuelle Anklage möglicherweise „nur“ mit einer hoher Geldstrafe geahndet werden würde. Aus diesem Grund einigten sich Staatsanwalt und Richter darauf, den Termin aufzuheben und einen neuen anzusetzen sowie dem Angeklagten für die neue Verhandlung einen Pflichtverteidiger beizuordnen, sprich an die Seite zu stellen.

Im Vorfeld hatte der Angeklagte S., der in Stendal wohnt und Arbeitslosengeld II bezieht, Angaben zum Unfall gemacht. Bei diesem waren er und sein Beifahrer leicht verletzt worden. Zudem gab es erheblichen Sachschaden an Zäunen, Bäumen, im Vorgarten und am Haus. Der Pkw, der nicht ihm, sondern seinem Kumpel, der mit im Auto saß, gehörte, hatte zudem nur noch Schrottwert. Die Versicherung seines Freundes habe sich schon bei ihm gemeldet, erklärte der Angeklagte. Sie wolle 4000 Euro von ihm zurück. Gezahlt habe er bisher aber noch nichts. Denn er muss auch noch Mietschulden abstottern.

„Eigentlich hätte ich nicht fahren dürfen“, gab der Angeklagte zu, der seitdem auf seinen Führerschein verzichten muss. Und auch wenn er zu Beginn der Fahrt von Stendal nach Gardelegen noch gedacht habe, dass er fahren könne, habe er während der Fahrt schon gemerkt: „Es geht nicht mehr.“ Dann habe er auch schon die Kontrolle über das Auto verloren. Warum er dann trotzdem weitergefahren sei und nicht angehalten habe, konnte er Richter Axel Bormann nicht sagen.

Vor dem Fahrtantritt waren er und sein Kumpel in einer Stendaler Kneipe und haben bis gegen 5 Uhr getrunken. Dann sei man, so der 35-Jährige, zu ihn nach Hause gegangen und habe etwas gegessen. Anschließend wollte er seinen Freund „aus Gutmütigkeit“ nach Gardelegen zurückbringen, und das mit immer noch 1,5 Promille Alkohol im Blut.

Während man anderen dies wohl anmerken würde, war das bei ihm nicht der Fall. Denn wie Bormann aus dem Arztbericht vom Unfalltag zitierte, war „die Sprache deutlich, der Gang sicher, die Finger-Finger-Probe sicher und die Stimmung depressiv. Er scheint leicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss zu stehen“. Das heißt, so das Fazit von Bormann: „Sie sind fit gewesen wie Nachbars Lumpi.“

„Was passiert, wenn Sie nichts trinken?“, wollte er daraufhin wissen. „Nichts“ war die Antwort. „Ich habe die letzten zwei Tage nichts getrunken, habe kein zittern oder so was.“

War der Unfall an sich zügig abgehandelt, nahm die Verlesung des Bundeszentralregisterauszugs mehr Zeit in Anspruch. Denn der 35-Jährige ist seit 1995 immer wieder mit verschiedenen Delikten – von Betrug über Diebstahl und Brandstiftung bis zu gefährlicher Körperverletzung – strafrechtlich in Erscheinung getreten, saß auch schon im Gefängnis. Das droht ihm nun auch nach seiner letzten Verurteilung aus dem Jahr 2014. Das Urteil damals: sieben Monate Freiheitsstrafe, drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung, wegen Diebstahls und gefährlicher Körperverletzung. Die Bewährungszeit hätte am 17. Dezember vergangenen Jahres geendet. Nun droht „unzweifelhaft Bewährungswiderruf“, machte Richter Bormann deutlich. Zudem stehe auch noch etwas beim Stendaler Amtsgericht wegen Vortäuschen einer Straftat und Sachbeschädigung etwas offen, fügte der Staatsanwalt hinzu. Terminiert für den 8. Februar.

„Wie soll das weitergehen mit Ihnen?“, wollte Bormann vom Angeklagten noch wissen. „Nicht so, ohne Straftat und Vorkommnisse“, antwortete dieser.

Von Elke Weisbach

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