Polizei ändert ihr Konzept für „Antimilitaristisches Camp“ / Toleranz gegenüber Demonstranten

Priorität: Sicherung der Technik

Mit 600 – statt im Vorjahr mehr als 1000 – Polizisten soll das „Antimilitaristische Camp“, das in der nächsten Woche rund um den Truppenübungsplatz Altmark stattfindet, bewacht werden.

Letzlingen. Mit einem Großaufgebot will die Polizei Anschläge beim zweiten „antimilitaristischen Camp gegen das Gefechtsübungszentrum Altmark“ vom 21. bis 29. Juli verhindern.

In der heißen Phase ab Freitag nächster Woche sind im Dreieck zwischen Gardelegen, Stendal und Wolmirstedt bis zu 600 Beamte aus Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Hessen, Berlin und Niedersachsen im Einsatz. Unterstützt werden sie von der Bundespolizei und Feldjägern der Bundeswehr.

Dabei ändert die Polizei ihre Strategie gegenüber dem ersten Camp im September 2012: „Wir konzentrieren uns ganz gezielt auf jene Teilnehmer, von denen Anschläge zu befürchten sind“, erklärt Andreas Krautwald von der Polizeidirektion Magdeburg. Schon im vergangenen Jahr habe man unter anderem einen mit Brandsätzen präparierten Feuerlöscher sichergestellt.

Im Vorjahr hatte es Kritik am Polizeieinsatz gegeben, weil zeitweilig auch die Teilnehmer angemeldeter Demonstrationen ohne konkreten Tatverdacht kontrolliert worden waren. „Wir werden diesmal bei unserem Vorgehen deutlich unterscheiden zwischen Personen, die ihr Versammlungsrecht wahrnehmen, und solchen, die auf Zerstörung aus sind“, betont Abteilungsleiter Tom-Oliver Langhans. Primär würde man sich auf die Sicherung hochtechnischer Bundeswehranlagen auf dem Truppenübungsplatz konzentrieren.

Die Veranstalter wollen bereits an diesem Wochenende ihr Camp bei Potzehne aufschlagen. Ab Sonntag will die Polizei rund um das GÜZ zunächst mit verstärkten Streifenfahrten Präsenz zeigen. Zentrale Veranstaltung ist dann erst am Sonnabend, 27. Juli, in Letzlingen die für den gesamten Tag angemeldete Kundgebung „Nie wieder Krieg“.

Im Vorfeld ist völlig unklar, wie viele Menschen sich an den Protesten beteiligen werden. Im Vorjahr war das Verständnis bei den Anliegern rund um die Colbitz-Letzlinger Heide für die Proteste nur gering, die Bundeswehr hat in der Region eine hohe Akzeptanz. Dazu kommt diesmal, dass die Armee bei der Hochwasserkatastrophe entlang der Elbe die Betroffenen in der Region unterstützt hat.

Die Camp-Teilnehmer dürften also zumeist von außerhalb kommen. Und die Polizei geht fest davon aus, dass Gewalttäter darunter sein werden. „Es sind Personen aus einem Umfeld dabei, dem wir die jüngsten Brandanschläge auf Fahrzeuge von Siemens und der Telekom in Bremen zurechnen“, erklärt Krautwald. Deshalb ist die Polizei auch auf Versuche vorbereitet, etwa die millionenteuren Sendeanlagen der Bundeswehr zu sabotieren.

So tolerant man diesmal bei friedlichen Versammlungen außerhalb des Sperrgebiets sein will, so konsequent werde man beim Versuch von Anschlägen einschreiten, betont die Einsatzleitung. Und das beginne schon bei Farbschmierereien. Die bevorzugte Farbe der Protestler fällt dabei ins Auge – es ist ein knalliges Rosa.

Von Thomas Mitzlaff

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