Übergangslösung bei musikalischer Leitung des traditionsreichen Gardelegener Klangkörpers

Der Postchor hört auf Anne Preuß

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17 Sänger kamen am Mittwoch zum Probenabend in den Musikraum der Gardelegener Otto-Reutter-Grundschule. Der traditionsreiche Klangkörper sucht noch musikalische Mitstreiter.

Gardelegen. Wer am Mittwochabend die Nicolaistraße in Gardelegen entlangschlendert, der hört helle Stimmen. Denn in der Otto-Reuter-Grundschule probt seit vielen Jahren immer der Postchor aus Gardelegen.

Weihnachtslieder erklangen in dieser Woche aus dem dritten Stock. Und eine Frauenstimme, die mitunter korrigierend eingreift.

Anne Preuß leitet derzeit übergangsweise den Gardelegener Postchor.

Anne Preuß ist seit August, seit dem Ende der Sommerpause, die neue Leiterin des traditionsreichen Klangkörpers aus Gardelegen. Der Postchor wurde im Jahr 1952, damals noch unter dn Fittichen der Deutschen Post, ins Leben gerufen. Mit der Post selbst hat der Chor seit vielen Jahren nichts mehr zu tun. Der Name ist trotzdem geblieben – und steht seit Jahrzehnten für Chorqualität.

Doch der Postchor hat in jüngster Zeit nicht nur gute Zeiten erlebt. Ein Teil der Sänger ist ausgetreten, dazu kam der plötzliche Tod des langjährigen Chorleiters Bernd Werner im Sommer. Von einem Tag auf den anderen stand der Chor ohne Dirigent da.

Vorerst gibt es nun eine interne Lösung: Anne Preuß, selbst viele Jahre lang Sängerin im Chor, hat übergangsweise die musikalische Leitung übernommen. Sie dirigiert die Frauen und Männer einmal pro Woche, wenn die Chorprobe in der Otto-Reutter-Schule ansteht – sinnigerweise im Musikraum der Grundschule. Und bei offenem Fenster bekommen auch Passanten ein kostenloses Klangerlebnis zu hören.

„Den Frieden bitte etwas leiser, an dieser Stelle wird es besinnlich“, erklärt Anne Preuß, während sie am Klavier nochmals die Töne vorgibt. Gesungen wird das Weihnachtslied „Sind die Lichter angezündet“, ein Klassiker während der Adventszeit. Sogleich stimmen die zwölf Frauen und fünf Männer, die an diesem Abend bei der Probe dabei sind, die Strophe nochmals an – und nun ertönt in der Tat das Wort „Frieden“ besinnlicher als beim ersten Versuch.

Der Probenabend verläuft konzentriert von beiden Seiten. Anne Preuß hört, wenn jemand aus der Reihe singt. Und korrigiert. Mit ruhigem Ton, aber klarer Ansage. Dass sie keine ausgebildete Chorleiterin ist, merkt man nicht. Allerdings merken das die Sänger des Gardelegener Postchores – in einer ganz anderen Form. Denn die sonst für Chorleiter übliche Aufwandsentschädigung durch den Landes-Chorverband entfällt für Anne Preuß. Eben weil sie die dafür nötigen Papiere nicht hat. Und so sucht der Postchor weiterhin einen Nachfolger für Bernd Werner. Also einen Chorleiter mit entsprechender Qualifikation.

Was der Gardelegener Postchor auch noch sucht, sind Sänger. Vor allem männliche Stimmen. Am Mittwochabend sind es nur fünf Männer, die mitsingen. Zwei von ihnen kommen sogar verspätet, weil sie zuvor bei einer anderen Chorprobe mitgemacht hatten. Insgesamt verfügt der Postchor derzeit nur über 25 aktive Sängerinnen und Sänger.

Von Stefan Schmidt

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