Letzte Fortbildung mit Kerstin Finger über den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer

„Plötzlich ist alles anders“

Für die Kinder im Unterricht geeignet: Auf blauen Zetteln in Tränenform haben die Lehrerinnen mit Füller Sorgen und Kummer geschrieben, die Kerstin Finger in einen Krug legen lässt. Dann kommt Wasser drauf, das die Sorgen vom Papier verschwinden lässt.

Gardelegen. Der Tod gehört zum Leben. Diesen Satz kennt jeder. Doch mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen, ist schwer – für Erwachsene, vor allem aber für Kinder. Sie haben meist schon daran zu knabbern, wenn ein geliebtes Tier stirbt.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dieses Thema im Unterricht anzusprechen und bei einem Todesfall ganz speziell auf das betroffene Kind einzugehen.

Wichtige Tipps dafür in Theorie und Praxis gab es am Donnerstagnachmittag von Kerstin Finger, Fachmoderatorin für Religion und Ethik, bei einer Lehrerweiterbildung für Grund- und Förderschullehrer in der Aula der Gardelegener Goethe-Grundschule. Sie stand unter dem Thema „Und plötzlich ist alles anders… – Umgang mit Sterben, Tod und Trauer“. 20 Lehrerinnen für Religion und Ethik aus beiden Altmarkkreisen, aber auch aus Uthmöden, Flechtingen, Elbenau, Wolmirstedt und Könnern nahmen daran teil.

Sie erfuhren unter anderem, dass es kein Patentrezept gibt, es aber wichtig sei, die Kinder nie mit einem traurigen Erlebnis, sondern mit Hoffnung im Herzen aus der Unterrichtsstunde zu entlassen. Kerstin Finger machte die Lehrerinnen mit den einzelnen Trauerphasen bekannt, stellte als Hilfsmittel die Trauertasche und zahlreiche Bücher vor, gab ihnen eine Mappe mit wichtigen Hinweisen mit und spielte mit ihnen verschiedene Möglichkeiten durch, die sie im Unterricht anwenden können.

Trauerbewältigung durch Erinnerung ist ein Beispiel. Grundlage dafür ist die Geschichte „Orangen für Opa“. Darin ist beschrieben, dass Opa Juanito seiner Enkelin Petra jeden Morgen frisch gepressten Orangensaft und eine besonders schöne „Sonnenfrucht“ brachte und diese später, als Opa verstorben war, diese Tradition fortsetzte und sich ihrem Opa auf diese Weise weiterhin ganz nah fühlte. Ein anderes praktisches Beispiel lässt Sorgen und Kummer ganz anschaulich verschwinden, in dem die Schüler sie mit Füller auf Papierblätter in Tränenform schreiben, die dann in einen Krug mit Wasser gegeben werden. Am Ende der Unterrichtsstunde sind sie von den Blättern verschwunden. Vorher wurde der Krug mit einem gelben Tuch zugedeckt, um den gelbe Papierstreifen platziert werden, auf denen die Kinder schreiben sollen, wer sie tröstet und immer für sie da ist. Das ergibt eine Sonne, was ebenfalls ein positives Zeichen ist.

Es war ein bedrückendes Thema, welches behandelt wurde. Doch nicht allein das ließ die Stimmung in der Aula gedämpfter als sonst erscheinen, sondern auch die Tatsache, dass es für Kerstin Finger die letzte Weiterbildung als Fachmoderatorin in den beiden Altmarkkreisen war. Sie gibt diese Aufgabe nach rund zwei Jahrzehnten ab. Aufgrund von Umstrukturierungsmaßnahmen sollte sie die Fachmoderation für das gesamte Land Sachsen-Anhalt und alle Schulformen übernehmen, was sie aber abgelehnt hat. Denn dann hätte sie nicht mehr die Zeit, an der Grundschule Mieste zu unterrichten, die Drömlingsspatzen zu leiten, im Kirchenchor Dannefeld-Mieste mitzusingen und als Duo Hoahnenfoot mit ihrem Mann Andreas aufzutreten, um nur einiges zu nennen.

Sie möchte sich selbst treu bleiben, begründet sie ihren Entschluss, und sei niemand, der mit Powerpoint-Präsentationen durchs Land reist. Und aus diesem Grund verabschiedete sie sich am Donnerstag von ihren Kolleginnen unter anderem mit dem Gedicht „Alles hat seine Zeit“, Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Und auch die Kolleginnen ihrerseits hatten dafür gesorgt, dass Kerstin Finger sie nicht vergisst. Sie schenkten ihr zum Abschied eine Antik-Kette, die sie immer an die schönen, gemeinsamen Stunden erinnern soll.

Von Elke Weisbach

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