„Tango meets Classic“ auf dem Zichtauer Gutshof: Ein Hauch von Südamerika an den Hellbergen

„Paris kommt nach Zichtau“

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Winfried Hummel an der Lyon & Healy-Konzertharfe mit Daniela Kleiber, die das Orchester am Sonntagnachmittag im Rinderstall des Zichtauer Gutshofes mit dem E-Piano begleitete.

Zichtau. Das Programmheft zum 17. Altmärkischen Musikfest, zu dem der Landkreis Stendal und der Altmarkkreis Salzwedel als Veranstalter gemeinsam einladen, ist voller wunderbarer kultureller Angebote:

Chor- und Orchesterkonzerte, Solisten oberster Klasse, Blasmusikanten, Abende voller Poesie und klanglicher Eleganz. . . das Spektrum ist weit gestrickt und wohl jeder interessierte Altmärker oder Tourist kann hier beim Füllen seiner Freizeitaktivitäten aus dem Vollen schöpfen.

Die mehr als 200 Stühle im Rinderstall des Zichtauer Gutshofes waren schnell besetzt, als sich am Sonntagnachmittag die Türen zu einem ganz besonderen Konzert öffneten: Mit „Tango meets Classic“ (Tango trifft Klassik) lockte der Gutshof Zichtau viele Besucher auf seinen Hof. Ein einladendes Kuchenbüfett stand schon vor dem Konzert für kaffeedurstige Gäste bereit und versorgte auch während der Konzertpause die Anwesenden mit Kuchen, Torten und Kaffee. Als die etwa 20 Musiker an ihren Pulten Platz nahmen, wurden sie mit Beifall willkommen geheißen. Landrat Michael Ziche begrüßte die Musiker des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode und die musikalisch interessierten Gäste aus Nah und Fern herzlich, bevor unter Applaus Musikdirektor Christian Fitzner vor das Kammerorchester trat, der seit 1994 dem Klangkörper als geschäftsführender Direktor und künstlerischer Leiter vorsteht.

Mit ein paar lockeren Worten eröffnete er das Event, ging kurz auf den ersten Teil des Programmes ein, den die Philharmoniker mit dem Tango „Barrio Sur“ des argentinischen Tangomusikers Ramiro Gallo (*1966) eröffneten, „Anitras Tanz“ aus der Peer-Gynt-Suite-Nr. 1 von Edvard Grieg (1843 bis 1907) spielten – „Damit Sie wissen, wie in Norwegen getanzt wird“ und schloss mit den Worten: „Meine Damen und Herren – viel Spaß!“

Fitzner hob seinen Taktstock und bereits nachdem die ersten Töne im Raum standen – nein: schwebten – war klar: Wernigerode hat seine Elite geschickt. Südländisches Lebensgefühl breitete sich aus und im Publikum sah man verträumte Gesichter und Füße, die unwillkürlich mitwippten. „Sie dürfen schon mal Ihre Taschentücher rausholen, meine Damen und Herren, denn jetzt wird’s noch melancholischer“, versprach anschließend Christian Fitzner und bat Lothar Hensel mit seinem Bandoneón auf die Bühne. „Paris kommt nach Zichtau“ kündigte der Dirigent den nächsten Konzertabschnitt an, in dem Werke des argentinischen Bandoneon-Spielers und Komponisten Astor Pantaleón Piazolla (1921 bis 1992) und des Solisten Lothar Hensel (*1961) aufgeführt wurden. Die Taschentücher waren nötig: Die Geigen schluchzten die Tangotakte, die Harfe sorgte mit ihren engelsgleichen Tönen für Gänsehaut, das Bandoneon sang klangvoll mit sanften oder auch scharfen Tönen die Melodie und der Kontrabass zupfte gelassen seine warmen Töne. Fitzer hatte allen Grund, immer wieder anerkennend lächelnd in die Reihen seiner Musiker zu sehen und stolz zu sein. Mit viel Dynamik versetzte er das Publikum in Pariser Sphären, das Stillsitzen fiel diesem offensichtlich schwer und am Ende des ersten Teils ertönte nicht enden wollender Beifall, der mit einer Zugabe belohnt wurde.

Nach einer halbstündigen Pause traf der Tango wie versprochen auf die Klassik. Das Orchester hatte zwischenzeitlich „aufgerüstet“: Querflöten, Klarinetten, Fagotts und Hörner bereicherten im zweiten Teil den Klangkörper, der nun für den großen Meister Mozart seine Stimme erhob und ihn urgewaltig, filigran und verschnörkelt mit der Sinfonie Nr. 40 g-moll auftrumpfen ließ. Die Klangfarbe des Orchesters war deutlich durch die hinzugekommenen Instrumente verändert und den Musikern wurden sprichwörtlich sportliche Höchstleistungen abverlangt, was das begeisterte Publikum anschließend mit tosendem Applaus honorierte.

Von Andrea Wölkert

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