Nach einer leidvollen Odyssee wartet der dreijährige Rüde im Gardelegener Tierheim auf ein echtes Zuhause

„Parduc ist unser Sorgenkind“

Gisela Kürten mit dem dreijährigen Rüden Parduc, dem als Welpen die Ohren abgeschnitten wurden. Die Tierheimmitarbeiter hoffen auf ein liebevolles Zuhause für ihren Schützling. Foto: Walter

Gardelegen. Unabhängig davon, ob sie hübsch oder unansehnlich, gutmütig oder aggressiv sind, für Hunde hängt das Lebensglück häufig von einer einzigen Weichenstellung ab. Davon nämlich, an welches Herrchen oder Frauchen sie geraten.

Mit vielen Vierbeinern meint das Schicksal es gut, mit mindestens ebenso vielen weniger. Der dreijährige Rüde Parduc, der seit einigen Wochen im Gardelegener Tierheim lebt, gehört eindeutig zur letzteren Gruppe. In seinem Herkunftsland Ungarn wurde er misshandelt und entstellt. Im Gardelegener Tierheim hofft der noch junge Rüde nun auf ein Zuhause, das endlich auch eines ist.

„Parduc ist unser Sorgenkind“, erzählt Gisela Kürten, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Gardelegen und Mitarbeiterin im Gardelegener Tierheim. Denn der Rüde, der ursprünglich aus dem nordungarischen Szentendre stamme, habe ein optisches Manko: „Er wurde in Ungarn schwer misshandelt, beide Ohren wurden ihm abgeschnitten“. Näheres über seine Vergangenheit wisse man aber nicht.

Weil die Mitarbeiter des ungarischen Tierheims, in dem Parduc strandete, keine Chance auf eine erfolgreiche Vermittlung sahen, gaben sie ihn vor einigen Wochen an das Gardelegener Tierheim ab. Doch auch hier gestaltet sich die Vermittlung bislang schwierig.

„Es gibt zwanzig „intakte“ Hunde im Tierheim. Gegen sie hat ein entstellter Hunde kaum eine Chance“, sagt Gisela Kürten. Durch die entstellenden Misshandlungen in Ungarn sieht sie Parduc doppelt gestraft.

Dennoch gibt es Hoffnung für den Hund. Denn trotz seiner Erfahrungen hat Parduc das Vertrauen zum Menschen keineswegs verloren. „Er ist ein ausgesprochen menschenbezogener, lieber und abgesehen von seinem optischen Manko auch sehr hübscher Hund“, betont Gisela Kürten.

Jeder Besucher im Gardelegener Tierheim könne sich davon überzeugen. Bei meinem Besuch am Mittwochvormittag ist Parduc außer sich vor Freude, als er aus dem Zwinger gelassen, an die Leine genommen und auf den Rasen geführt wird. Freudig erwidert er jede Zuwendung. Später, zurück im Zwinger, drängt er sich mit seinem Rücken an die Gitterstäbe, um vielleicht doch noch einmal eine Streicheleinheit zu erhaschen. Parduc vertrage sich gut mit anderen Hündinnen, käme hier auch als Zweithund in Frage, mit Rüden aber leider nicht, erzählt Gisela Kürten. Der dreijährige Rüde sei mittelgroß, habe kurzes, pflegeleichtes Fell, sei geimpft, entwurmt und gechipt. Wegen seines dünnen Fells eigne sich Parduc allerdings nicht für die Zwingerhaltung.

„Wir alle würden uns sehr freuen, wenn sich ein tierlieber Mensch bereit fände, Parduc ein schönes Zuhause zu geben“, sagt Kürten hoffnungsvoll. Vor kurzem, am Tag der offenen Tür im Tierheim, war es schon einmal soweit. Parduc wurde an einen neuen Besitzer vermittelt. Doch schon nach wenigen Tagen war er wieder im Tierheim, weil er sich nicht wie erhofft als Wachhund geeignet habe.

Vielleicht spricht aber gerade die Tatsache, dass Parduc kein Wachhund ist, eher für als gegen ihn. „In jedem Fall ist er ein toller Hund, der ein Leben im Tierheim wirklich nicht verdient hat“, meint Gisela Kürten. Da sie Parduc regelmäßig sieht, muss sie es wissen.

Informationen zu Parduc erteilt das Gardelegener Tierheim unter Tel. (0 39 07) 71 51 05 sowie im Internet unter www.tierheim-gardelegen.de. Parduc und seine Artgenossen können außerdem täglich zwischen 8 und 15 Uhr im Tierheim besucht werden.

Von Alexander Walter

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