Erste Exponate für die künftige Dauerausstellung auf der Gedenkstätte liegen vor

Original-Uniform aus Detroit

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Gardelegens Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow mit der originalen Uniform eines Soldaten der 102. US-Infanteriedivision, die am 14. April 1945 das Feldscheunen-Massaker entdeckt hat.

Gardelegen. Regelmäßig bekommt er Anfragen. Aus dem In- und aus dem Ausland. Wann es denn mit dem Bau des Besucher- und Dokumentationszentrums auf der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe in Gardelegen losgehe.

Das erzählt der Leiter dieser Gedenkstätte, Andreas Froese-Karow. „Auch wenn man keine Baubewegung vor Ort wahrnimmt – es tut sich trotzdem einiges“, weiß er. Die Arbeiten für das drei Millionen Euro teure Vorhaben sollen auf jeden Fall in diesem Jahr starten. Erst vor wenigen Wochen wurden die ersten Leitungen für Strom, Telefon und Internet unter der Umgehungsstraße hin zur Gedenkstätte verlegt (wir berichteten). Bestandteil des neuen Gebäudes wird auch eine Dauerausstellung sein.

Für diese Ausstellung hat Froese-Karow bereits die ersten Exponate zusammen. So eine originale Uniform der 102. Infanteriedivision der amerikanischen Streitkräfte, die am 14. April 1945 – also einen Tag nach dem Massaker vom 13. April, bei dem 1016 KZ-Häftlinge in der Feldscheune ums Leben kamen – die Toten entdeckten und in Gardelegen einmarschierten. Diese Uniform stammt aus der Millionenstadt Detroit, wo ein Nachfahre eines US-Soldaten das seltene Stück im Familienfundus fand, es an einen Händler verkaufte und dieses Stück nun in Besitz der Landes-Gedenkstättenstiftung ist. „Bei uns ist so etwas absolut sicher“, betont Froese-Karow. Diese Frage gebe es nämlich oft, wenn Angehörige Zeitdokumente übergeben wollen.

Die Uniform wird ebenso Teil der künftigen Dauerausstellung sein wie die Kopie eines Briefes, den der französische KZ-Häftling Louis Allemandet im Jahr 1944 aus dem KZ Buchenwald an seine Ehefrau schrieb. Allemandet musste später bei den Todesmärschen mitgehen, die in Gardelegen endeten.

Dass die Nazis ihre Gräueltaten mitunter preußisch-genau dokumentierten, zeigen Details dieses Briefes. Unter „genaue Adresse“ musste der Gefangene seine Häftlingsnummer (52077) ebenso eintragen wie die Nummer seines Blocks, in dem er eingepfercht war (17). Und: Er musste den Brief in deutscher Sprache verfassen – offenbar, damit die Zensur sichergehen konnte, nicht genehme Passagen zu entfernen. Die Briefmarke zeigt – bittere Ironie – das Konterfei Adolf Hitlers.

Wer der Gedenkstätte in Gardelegen Exemplare, beispielsweise aus familiärem Nachlass, zur Verfügung stellen will, der kann sich an Andreas Froese-Karow wenden. Die Mail-Adresse lautet Andreas.Froese-Karow@stgs.sachsen-anhalt.de.

Von Stefan Schmidt

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