Gardelegener Klinikum weiter im Fokus

OP-Skandal: Land schaltet sich ein

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Der OP-Skandal am Altmark-Klinikum Gardelegen zieht immer weitere Kreise.

Gardelegen / Stendal / Magdeburg. Der OP-Skandal am Altmark-Klinikum Gardelegen zieht immer weitere Kreise. Nun hat sich auch das Landesverwaltungsamt in Halle eingeschaltet. Dort sitzt auch die Approbationsbehörde.

Nachdem sieben Krankenkassen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen sowie der Verband der Ersatzkassen Sachsen-Anhalt wegen Abrechnungsbetrugs ihre so genannten Task Forces (Einsatzgruppen) in die Spur geschickt haben – es geht um 62 Fälle, die zu prüfen sind – hatte auch die Staatsanwaltschaft Stendal recht zügig die Ermittlungen aufgenommen. Und diese richteten sich ganz schnell gegen den Leiter des Wirbelsäulenzentrums.

Konkret ermittelt die Oberstaatsanwältin wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Mediziner, gegen den sich diese schweren Vorwürfe richten, ist ein Honorararzt aus Berlin und operiert am Gardelegener Klinikum auch weiterhin.

Doch auch das Management des Klinikums, die Paul-Gerhardt-Diakonie in Berlin sowie Geschäftsführer Matthias Hahn, der Ärztliche Direktor Dr. Michael Schoof und der Aufsichtsrat, dem Salzwedels Landrat Michael Ziche vorsteht, sollen von den Vorwürfen (überflüssige Operationen mit dem Ziel der Gewinnsteigerung, Abrechnungsbetrug und gefährliche Körperverletzung) gewusst haben – die Geschäftsleitung laut einem von einem ehemaligen Chef- und sechs Oberärzten unterzeichneten Schreiben seit September 2011 und der Landrat seit August 2012 durch anonyme Schreiben und danach durch den genannten Ärzte-Brandbrief, der auf die angeblichen Missstände aufmerksam machte. Geschäftsführung und Aufsichtsrat schweigen zu den Vorwürfen bis heute beharrlich.

Auch die Ärztekammer Sachsen-Anhalt ist aktiv geworden, lässt jedoch der Staatsanwaltschaft den Vortritt. „Wir treten an den betreffenden Arzt heran und werden zudem mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt treten und bleiben“, teilte Tobias Brehme von der Ärztekammer der Altmark-Zeitung mit. Und weiter: Ein Entzug oder Ruhen der Approbation – also eine berufsrechtliche Entscheidung – könne die Kammer erst nach einem Urteil in einem Straf- bzw. Bußgeldverfahren treffen. Zudem lägen der Kammer „keinerlei Eingaben von betroffenen Patienten oder von ärztlichen Kollegen vor, auf deren Grundlage wir berufsrechtlich ermitteln könnten“, kommentierte Tobias Brehme weiter.

Im Landesverwaltungsamt in Halle waren die Vorgänge am Klinikum Gardelegen bislang nicht bekannt. Man werde unverzüglich die Unterlagen von der Staatsanwaltschaft anfordern, sagte Gabriele Städter von der Stabsstelle Kommunikation gestern gegenüber der Altmark-Zeitung.

Von Holger Benecke

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