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Richter: „Sie kriegen da trotzdem kein Chappi“

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Von: Stefan Schmidt

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Gerichtsgebäude von außen
Bewährungsstrafe für 34-Jährigen © Stefan Schmidt

Ein 34-Jähriger ist vor dem Amtsgericht Gardelegen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Gardelegen – Eigentlich, so erklärte Richter Axel Bormann, sei der Antrag der Staatsanwaltschaft, nämlich eine sechsmonatige Gefängnisstrafe für den 34-jährigen D., „gerechtfertigt“. Dennoch muss D. nicht in den Knast. Denn Bormann verhängte zwar eine sechsmonatige Strafe, die er aber zur Bewährung aussetzte. D. muss somit nicht ins Gefängnis. Jedenfalls nicht nochmal.

Denn der Angeklagte kam in Handschellen und in Begleitung von zwei Justizvollzugsbeamten in den Saal des Gardelegener Amtsgerichts –einen Raum, den er bereits von früheren Verhandlungen kennt.

Was war vorgefallen? D. wurde am 12. November 2021, nachmittags um 15.30 Uhr, auf der Stendaler Straße in Gardelegen von der Polizei erwischt. Er saß in einem Ford – ohne Fahrerlaubnis. Das Auto war außerdem nicht versichert. Und: Die Kennzeichen hatte er „aus einer Scheune“ genommen und angeschraubt.

Die Scheune, so erfuhr Bormann, befindet sich auf einem Bauernhof in einem kleinen Dorf bei Gardelegen. Dort lebte D. damals – im Gefängnis sitzt er seit zweieinhalb Monaten – mit zwei anderen Männern auf eben diesem Bauernhof, und zwar „autark“, wie er erklärte. Alle drei Männer besaßen keinen Führerschein. Und an jenem Tag hatten sie nichts mehr zu essen – ihre Vermieterin, die sonst immer für sie einkaufe, war verreist. Also wollte D. zum nächsten Supermarkt fahren und wurde dabei unterwegs erwischt.

Wie er auf die Idee gekommen sei, ohne Führerschein in ein kleines Dorf zu ziehen, in dem es keine Einkaufsmöglichkeit gebe, wollte der Richter vom Angeklagten wissen. Er habe den Bauernhof mit restaurieren wollen, erklärte der. „Aber sie kriegen da trotzdem kein Chappi“, zum Einkaufen müsse er dann doch mobil sein, wunderte sich Bormann.

Um die Gefängnisstrafe kam D. herum, eben weil er momentan im Knast sitzt. Bormann hat deshalb die Hoffnung, dass sich D. künftig zusammenreißt. Denn „ich kann mir nicht vorstellen, dass es Ihnen im Gefängnis gefällt“, blickte der Richter den Verurteilten an. Der nickte zustimmend. Eine Autofahrt ohne Führerschein, ohne Versicherung und mit geklauten Nummernschildern, das versicherte er treuherzig, „das wird mir hundertprozentig nicht nochmal passieren“.

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