Warum das Mahnen aus der einstigen „Mahn-und Gedenkstätte“ von der Stiftung entfernt wurde

Ohne „erhobenen Zeigefinger“

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An mehreren Gardelegener Ortseingängen – wie hier an der Stendaler Chaussee – stammen die Hinweistafeln noch aus DDR-Zeiten.

Gardelegen. Die Frage beschäftigt durchaus einige Menschen in und um Gardelegen. Warum die einstige Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe, wo am 13. April 1945 mehr als 1000 KZ-Häftlinge von den Nazis umgebracht wurden, seit der Übernahme des Areals durch die Landes-Gedenkstättenstiftung „nur noch“ als Gedenkstätte geführt wird.

Das Mahnen also aus dem Namen gestrichen wurde. Das wollte ein Besucher während der Eröffnung der Ausstellung „Gardelegen, April 1945“ am Freitagabend im Gardelegener Rathaussaal wissen.

Torsten Heß (links) und Gardelegens Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow begründeten die Änderung des Namens.

Andreas Froese-Karow, der Leiter der Gardelegener Gedenkstätte, und der Wissenschaftliche Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen, Torsten Heß, versuchten zu antworten. Laut Froese-Karow fokussiere sich die heutige Gedenkstättenkultur vorrangig auf das Gedenken, also das Erinnern an Gräueltaten wie in der Gardelegener Feldscheune. Der mahnende und „erhobene Zeigefinger“, wie er vor allem zu DDR-Zeiten Besuchern zuteil wurde, werde heutzutage nicht mehr praktiziert. Auch, so ergänzte Heß, weil man bei einer Führung über das Areal „auf Augenhöhe“ mit den Besuchern sein wolle, also nicht belehren wolle und keinesfalls, so umschrieb es Froese-Karow, „die eine gültige Wahrheit“ verbreiten wolle.

Auch deshalb, so argumentierte Heß weiter, würden Gedenkstätten grundsätzlich eintrittsfrei sein – auch künftig weiter in Gardelegen. Trotz der Millionen-Investitionen, die das Land tätigt. Denn im Wort „Gedenken“ stecke auch der Begriff „Denken“ – und dafür könne man schlecht Eintritt nehmen.

Das neue Schild an der Bismarker Straße weist zur „Gedenkstätte“ hin – dahinter steht der bereits leicht verblichene alte Hinweis zur „Mahn- und Gedenkstätte“.

Zwar heißt das Areal rund um die Feldscheune mittlerweile offiziell „Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen“. Und auch die Zufahrtsstaße trägt den eher schlichten Titel „Zur Gedenkstätte“. Aber an vielen Stellen im Gardelegener Stadtgebiet weisen immer noch alte und größtenteils aus DDR-Zeiten stammende Schilder auf die „Mahn- und Gedenkstätte“ hin. Sie sollen in den nächsten Jahren nach und nach durch aktuellere Exemplare ersetzt werden.

Von Stefan Schmidt

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