14 ehrenamtliche Notfallseelsorge

Gardelegen: Wenn plötzlich alles anders ist – Spende für Notfallseelsorger

Maik Ruchotzki übergab an Sven Knoche den Spendenscheck.
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Die Notfallseelsorge erhielt eine Geldspende.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Die Notfallseelsorger im Altmarkkreis Salzwedel sind 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag einsatzbereit. Es gibt 14 ehrenamtliche Notfallseelsorger.

Gardelegen – „Wir kommen in einer Situation, in der nichts mehr ist, wie es vorher war“, erzählt Olaf Sturm, „es geht immer um Sterben, um den Tod und Trauer“, sagt er. Olaf Sturm ist seit zehn Jahren Notfallseelsorger, einige Jahre davon in Nürnberg und nun im Altmarkkreis Salzwedel. Es gibt im Altmarkkreis 14 ehrenamtliche Notfallseelsorger, die 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag einsatzbereit sind. Das wird über einen Dienstplan geregelt, denn die Ehrenamtlichen sind in ihrer Freizeit Notfallseelsorger. Unter ihnen sind Außendienstmitarbeiter, Rettungssanitäter, Rentner, Pfarrer und sozial Engagierte, zählt Olaf Sturm auf. Sie sind zwischen 30 und 67 Jahre alt. Olaf Sturm hat als Notfallseelsorger angefangen, „weil kein Mensch es verdient hat, in solch einer Situation allein zu sein“. Die Notfallseelsorger sind für Angehörige nach einem Todesfall da.

Über Leitstelle informiert

Die Ehrenamtlichen werden über die Leitstelle informiert, von Notfallsanitätern, von der Polizei, von der Feuerwehr und auch von Mitarbeitern des Rettungsdienstes zu Einsätzen gerufen. Für die Angehörigen ist „von einer auf die nächste Sekunde nichts mehr so, wie es war“, erzählt Olaf Sturm. Als Notfallseelsorger wird er bei plötzlichen Kindstoden, bei Verkehrsunfällen, bei erfolglosen Reanimationen im häuslichen Bereich und bei Gewalteinwirkungen gerufen. Im vergangenen Jahr halfen die Notfallseelsorger auch bei der Evakuierung in Salzwedel, als eine Bombe entschärft wurde. Bei Todesfällen überbringt die Polizei die Todesnachricht, der Notfallseelsorger ist mehrere Stunden vor Ort, um für die Hinterbliebenen da zu sein. Die Familienangehörigen der Hinterbliebenen werden informiert, damit nach der Notfallseelsorge auch jemand da ist. „Wir bleiben so lange, bis jemand aus der Familie vor Ort ist“, erzählt Olaf Sturm. Die Notfallseelsorger vermitteln auch an andere Stellen weiter, zum Beispiel an Vereine, die sich mit Trauerarbeit befassen. Manchmal sind auch kleine Kinder unter den Hinterbliebenen. Für sie gibt es kleine Teddys oder Malbücher. Wenn ein Kind malt, lasse sich dessen psychischer Zustand einschätzen, so Olaf Sturm. Monatlich finden Treffen der Notfallseelsorger statt, sogenannte Supervisionen. Dabei werden unter den Ehrenamtlichen intern die Einsätze besprochen, um einen Abschluss für sie zu bekommen.

Hinterbliebene sind dankbar

Die Notfallseelsorge ist ein freiwilliges Angebot. Die Hinterbliebenen sind „sehr dankbar dafür, dass es uns gibt“, sagt Olaf Sturm, aber nur wenn auch die Struktur funktioniere. „Wir suchen noch Nachwuchs“. Es sei aber nicht leicht, Menschen zu finden, die sich zum Notfallseelsorger ausbilden lassen wollen. Das liege an der Aufgabe an sich, da es um Tod und Trauer gehe. Zudem müssen die Ehrenamtlichen Empathie für ihre Mitmenschen haben, um sich in sie und die Situation hineinversetzen zu können. Wer Interesse hat, sich als Notfallseelsorger ausbilden zu lassen – die Ausbildung dauert 60 Stunden, findet in Halle und meistens an den Wochenenden statt –, kann sich beim Deutschen Roten Kreuz in Salzwedel unter der Telefonnummer (0 39 01) 86 10 melden, so Olaf Sturm. Träger für die Notfallseelsorge im Altmarkkreis Salzwedel sind das Deutsche Rote Kreuz, der Altmarkkreis Salzwedel und der Kirchenkreis Salzwedel.

2019 gab es 32 Einsätze für die Notfallseelsorger, im vergangenen Jahr etwa 40. Insgesamt gebe es eine Steigerung, weil die Notfallseelsorge präsenter wird. Wie zum Beispiel bei den jüngeren Polizisten, die sich bereits in ihrer Ausbildung mit dem Thema Notfallseelsorge beschäftigen, erklärt Olaf Sturm.

Spende für Einsatzjacken

Gestern erhielt die Notfallseelsorge von Maik Ruchotzki, seit 2010 Leiter der Reutter-Apotheke in Gardelegen, eine Spende in Höhe von 1000 Euro. Von dem Geld sollen unter anderem Jacken für die Einsätze der Notfallseelsorger finanziert werden. Die Arbeit der Ehrenamtlichen sei wichtig, deswegen muss entsprechendes Kapital zur Verfügung stehen, sagte Maik Ruchotzki. Es gebe selten öffentliche Anerkennung für die Arbeit der Notfallseelsorger. „Sie haben viel Mut“, so der Apothekenleiter weiter, der schon mehrfach für die Notfallseelsorge gespendet hat. Wer die Ehrenamtlichen unterstützen möchte, erhält Informationen über die Internetseite des Deutschen Roten Kreuzes.

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