Antrittsbesuch bei der Truppe / Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen gestern im GÜZ

„Da ist noch Strecke zu machen“

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Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Bruno Kasdorf, erläuterte der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Truppenbewegungen am Fuße des Übersichtspunktes Rabenberge.

Letzlingen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zeigte sich gestern „beeindruckt vom passgenauen Zusammenspiel“ der Kräfte und der hoch spezialisierten Technik im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres bei Letzlingen.

Sie hatte sich die europaweit modernste Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr für ihren Antrittsbesuch bei der Truppe im eigenen Land ausgesucht und wohnte auf dem Truppenübungsplatz „Altmark“ einer Angriffsübung des Panzerbataillons 413 der Panzergrenadier-brigade 41 „Vorpommern“ bei. Zuvor nahm sie sich am Gefechtsstand Zackelberg Zeit, um mit Soldatinnen und Soldaten zu sprechen.

Nach der Übung stellte sich die Verteidigungsministerin den Fragen der Medienvertreter, die sich unter anderem auch auf den Jahresbericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus bezogen, der von ihm aktuell am Dienstag vorgelegt wurde. 2013 ist die Zahl der Beschwerden aus der Truppe bei ihm, gemessen an der Zahl der Soldaten, auf den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung 1959 gestiegen. Auf 1000 Soldaten kamen 28 Beschwerden und damit rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt gab es 5095 Beschwerden.

Unter anderem beklagt Königshaus Personalengpässe und einen über die Jahre angewachsenen Investitionsstau bei Infrastruktur, Ausstattung und Bewaffnung. Dass Ausrüstung beispielsweise in der Grundausbildung nicht genügend vorhanden ist, diese Klagen habe sie vernommen, sagte von der Leyen. „Punktuell gibt es offensichtlich Verbesserungsbedarf“, erklärte die Verteidigungsministerin, so auch im GÜZ bei der Technik zur Abbildung und Auswertung der simulationsgestützten Ausbildung. Hier bestehe Modernisierungsbedarf, der auch vollzogen werden soll. Denn von der Leyen machte deutlich: „Unser Ehrgeiz ist, den Standard hoch zu halten.“ Außerdem leisten die Soldatinnen und Soldaten einen „außergewöhnlichen Dienst für dieses Land, für uns in Europa, das sehen wir an den aktuellen Einsätzen.“ Deshalb müsse auch klar sein, dass für sie „die beste, optimale Ausrüstung da ist, denn die schützt Leben.“

Im Gespräch mit zwei Soldatinnen gestern, habe sie, so von der Leyen, den Eindruck gehabt, dass sie sich akzeptiert und in der Truppe aufgehoben fühlen. Der Frauenanteil bei der Bundeswehr betrage derzeit zehn Prozent. „Da ist noch Strecke zu machen.“ Von der Leyen sieht die Bereitschaft der Frauen mitzumachen. Und dieser Schritt sei richtig, auch wenn es noch immer Vorurteile gegenüber Frauen in der Bundeswehr gibt, die sich auch in sexueller Belästigung von Soldatinnen äußert, über die sich auch Königshaus besorgt zeigt. Laut seines Jahresberichts wurden 2013 64 Verdachtsfälle sexueller Belästigung bei der Bundeswehr registriert. Von der Leyen sieht dieses Problem aber nicht nur in der Bundeswehr, sondern auch in anderen Unternehmen. Es sei eine Frage der Konkurrenz und auch des Durchsetzungsvermögens.

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