„Niemand hat was zu verschenken“

Rät zur Vorsicht: Christa Wendt von der Verbraucherberatung in Salzwedel.

Gardelegen - Von Stefan Schmidt. Es gibt sie immer noch. Und sie boomen sogar: Verkaufsveranstaltungen, oft mit ominösem Charakter. Erst kürzlich geisterte eine Hauswurfsendung durch die Region. Christa Wendt von der Verbraucherberatung aus Salzwedel warnt vor solchen Machenschaften. Man möge, so rät sie dringend, „äußerst kritisch“ mit solchen Zusendungen umgehen.

Es gibt ein „leckeres und reichhaltiges Frühstück.“ So steht es in einem persönlichen Anschreiben mit dem Seriösität vorgaukelnden „Kassenzeichen: 2010.30642160“. Eine „Festtafel ist geschmückt“, dazu gebe es „auf Wunsch ein köstliches Mittagessen vom Chefkoch persönlich serviert“. Und natürlich Bargeld „in Höhe von sage und schreibe 248,38 Euro“. Das alles, so schreibt eine Treuhand-Firma mit Geschäftsadresse in Spanien, resultiere aus einer Auflösung einer Reisefirma. Zwar hat der Angeschriebene noch nie etwas mit dieser Firma zu tun gehabt, ist mit ihr auch noch nie verreist. Trotzdem stehe einem, so schreibt eine „Sachbearbeiterin Maria van Anderen“, ein „hochwertiges Blutdruckmessgerät für das Handgelenk“, ja sogar „ein nagelneues mobiles Navigationsgerät mit 3,5 Zoll Farbdisplay, Touch-Screen-Bedienung, Autohalterung, vorinstallierten Navigationskarten usw.“ zu.

All das klingt toll – bis auf die Frage, warum eine Reisefirma ausgerechnet Bludruckmessgeräte gehortet hat. Und auch Christa Wendt von der Verbraucherberatung in Salzwedel rät zur Vorsicht. „Niemand hat was zu verschenken“, sagt sie. Und dass einem allein schon die Geschäftsadresse in Spanien („Avenida Polonia, Santa Pola“) Spanisch vorkommen sollte. „Was ist beispielsweise mit Reklamationen?“, fragt sie. Bei jedem Kauf gebe es ein gesetzlich garantiertes Rückgaberecht – bei ausländischen Firmensitzen, ob nun real oder erfunden, sei dieses Recht fast unmöglich einzuklagen.

Was  auf der Einladung verheißungsvoll klingt, ist oft Nepp. Das „reichhaltige Frühstück“ bestehe bei solchen Verkaufsveranstaltungen nicht selten aus einem halben Brötchen, das angekündigte „köstliche Mittagessen vom Chefkoch persönlich serviert“ hat den Zusatz „auf Wunsch.“ Und das heißt laut Christa Wendt: „Das kostet. Und oft nicht zu knapp.“ Andere Nepp-Beispiele: Werde ein „Handstaubsauger“ angeboten, handele es sich meist um einen simplen Plastiktischroller. Hinter einem „Wäschetrockner“ verbirgt sich eine schnöde Wäscheleine. Und wird einem ein „schmackhaftes Winzer-Wurst-Paket, insgesamt 2250 Gramm“ versprochen, bekommt man 125 Gramm Dosenwurst in die Hand gedrückt.

Oft werde den Besuchern schon am Eingang die Einladung abgenommen – „dann gibt es gar keine Möglichkeit zur Reklamation mehr“, weiß Christa Wendt. „Denn wer denkt schon daran, sich die Einladung zu kopieren?“

Verkaufsveranstaltungen wie jene, die morgen in einem Dorf bei Gardelegen um 9.30 Uhr beginnt, richten sich – man ahnt es angesichts des Termins unter der Woche vormittags – eher an ältere Menschen. „Dieser Geschäftszweig läuft weiterhin gut“, weiß Christa Wendt. Sie empfiehlt, mit derlei Veranstaltungen „kritisch umzugehen.“ Niemand könne einen zwingen, etwas vor Ort zu kaufen. Zumal es sich häufig um minderwertige Ware zu völlig überteuerten Preisen handele. „Oft wird versucht, die Kunden mit einer Überrumpelungstour zum Kauf zu drängen“, mahnt Christa Wendt.

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