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Nicht auf den Wolf verlassen

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AG-Vorsitzender Ralf Pieper stellte die Trophäen des vergangenen Jagdjahres vor. Besonders stolz könne man auf die drei Besten in Sachsen-Anhalt sein, die von „reifen“ Hirschen stammen.

Letzlingen. Die Zielstellung bleibt: Es soll ein an das Biotop angepasster Rotwildbestand erreicht werden.

Daran arbeiten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (AG) Rot- und Damwild seit nunmehr 14 Jahren, in denen sie das 70 000 Hektar umfassende Areal in der Colbitz-Letzlinger Heide nach einheitlichen Richtlinien bewirtschaften.

Der Vorsitzende Ralf Pieper sah die AG während der Jahreshauptversammlung am Sonnabend im Letzlinger Kulturhaus auf dem richtigen Weg, auch wenn das Streckenergebnis mit 651 Stück Rotwild nicht ganz den Plänen von 667 Stück im vergangenen Jagdjahr entsprach. Allerdings waren darunter die drei stärksten Hirsche, die in Sachsen-Anhalt zur Strecke gebracht wurden und bei der Landestrophäenschau mit den drei Edelmetallen ausgezeichnet wurden. „Darauf können wir stolz sein“, so Pieper. Diese Abschüsse sind aber Ausnahmen und nicht die Regel. Vor allem, darauf machte Pieper deutlich, „ist der Abschuss der Alttiere als Zuwachsträger wichtig, um den Bestand zu regulieren“.

Eine weitere Möglichkeit dazu brachte etwas später Günter Knüppel, Leiter des Bundesforstamtes, zur Sprache, nachdem er den zu niedrigen Planansatz zur Rotwildstrecke bemängelt hatte: „Der Wolf kann uns helfen, den Bestand zu reduzieren.“ Denn dass dieser in der Colbitz-Letzlinger Heide einzeln bereits vorkomme, sei bestätigt. Sich darauf zu verlassen, davor warnte allerdings Ulrich Mette von der Oberen Jagdbehörde im Landesverwaltungsamt. „Wir stehen als Jäger mit dem Rücken zur Wand.“ Es gäbe inzwischen sehr viele Wildarten, die nicht in den Griff zu bekommen seien, wie zum Beispiel Mink und Waschbär. Sein Eindruck sei zudem: „Rot-, Dam- und Rehwild wollen wir nicht in den Griff kriegen.“ In Sachsen-Anhalt wurden im vergangenem Jagdjahr 5178 Stück Rotwild erlegt. So ein Streckenergebnis gab es noch nie. 6085 Stücke waren allerdings geplant, was eine Planerfüllung von nur 76 Prozent entspricht, was zu wenig sei.

Auch Professor Sven Herzog von der Technischen Universität Dresden, die demnächst ein Projekt zur Rotwild in der Colbitz-Letzlinger Heide startet (siehe links), warnte davor, auf den Wolf zu setzen. Es könne zwar wie in der Lausitz werden, dass das Rotwild zur Hauptbeute des Wolfes wird. Es könne aber auch passieren, dass das Rotwild durch ihn nur gestört werde und sich in die Landwirtschaft flüchtet, was ja durch die Rotwildregulierung vermieden werden soll.

Von Elke Weisbach

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