„Nicht aufhören, daran zu denken“

Hielt die Ansprache: Der Vorsitzende der Landes-Gedenkstättenstiftung, Dr. Kai Langer.

Gardelegen. „Etwas ganz Besonderes“ sei diesmal der Jahrestag des Feldscheunen-Massakers in Gardelegen. Das sagte Bürgermeister Konrad Fuchs am gestrigen frühen Abend, als bei ungemütlichem Wetter und Nieselregen mehr als 100 Teilnehmer an das grauenhafte Verbrechen vom 13. April 1945 erinnerten.

Damals, unmittelbar vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches, kamen in der Feldscheune 1016 KZ-Häftlinge ums Leben, ermordet von den Nazis, aber auch von mitmachenden Zivilisten.

Das Besondere am gestrigen Tag waren die 14 neuen Info-Tafeln, die ab sofort auf dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätte stehen. Dr. Kai Langer, der Vorsitzende der Landes-Gedenkstättenstiftung, erinnerte in seiner Rede, gehalten vor den Überresten der Mauer, an die rund zwei Jahre andauernde Arbeit des Fachbeirates.

„Keiner wird wohl zu hundert Prozent zufrieden sein“, spielte er auf die unterschiedlichen Interessenlagen an. Nun aber habe man einen Kompromiss gefunden und die Tafeln auf den neuesten wissenschaftlichen Stand gebracht. Ein weiterer Vorteil des neuen Besucherleistsystems: Gäste der Gedenkstätte können sich über das Massaker auch dann informieren, wenn sie ohne Fürhung über das Areal gehen. Statt der bisherigen sechs Tafeln gibt es seit gestern insgesamt 14 solcher Tafeln.

Kai Langer betonte, dass zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland etwa 250 000 Menschen bei den so genannten Todesmärschen ums Leben gekommen seien. Und dass zum Ende „auch Menschen wie du und ich“ zu Tätern geworden seien.

Ludwig Rother, der Vorsitzende des Fördervereins Mahn- und Gedenkstätte, mahnte, man dürfe „nicht aufhören, an diese Menschen zu denken“, die damals umgebracht worden seien. Zuvor hatten er und viele andere Vertreter des öffentlichen Lebens Kränze an der Feldscheune niederlegt.

Beim anschließenden Gang ans benachbarte Gräberfeld legten die Besucher jeweils eine Blume nieder, die sie zuvor in Empfang nehmen durften – eine erstmals in dieser Form so organisierte Aktion. Und Mädchen des Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasiums lasen die Namen von 100 in der Feldscheune umgebrachten Männern vor. Der Jüngste war gerade mal 16, der Älteste 52 Jahre alt.

Von Stefan Schmidt

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