Tatverdächtiger war betrunken / Wohl kein politischer Hintergrund

An Sandstraße in Gardelegen: Neun Stolpersteine herausgerissen

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An der Sandstraße in Gardelegen sind Stolpersteine der Familien Sonnenfeldt und Behrens herausgerissen worden. Die Polizei hat einen Tatverdächtigen ermittelt. Er war betrunken. 

Gardelegen. Es gibt Taten, die einfach nur anwidern: An der Sandstraße in Gardelegen sind teils erst vor wenigen Tagen verlegte sogenannte „Stolpersteine“ am Samstagabend herausgerissen worden. Das meldet die Polizei.

Diese symbolischen Steine werden seit mehreren Jahren in der Gardelegener Innenstadt verlegt und weisen auf jene Häuser hin, in denen früher jüdische Mitbürger gelebt haben – ehe sie vor den Nazis flüchten mussten, verschleppt und sogar umgebracht wurden.

Die Polizei hat bereits einen Tatverdächtigen ermittelt. Er soll die Steine mit einer Brechstange herausgehebelt und unweit des Tatortes abgelegt haben – zum Tatzeitpunkt hatte er 2,58 Promille und wirkte verwirrt. Der 44-Jährige, der von Zeugen beobachtet wurde, streitet die Tat ab. Derzeit geht die Polizei eher nicht von einem politisch motivierten Hintergrund aus. Ermittelt wird aber trotzdem „in alle Richtungen“, auch mithilfe des Staatsschutzes.

„Es macht mich froh, dass die Tat nicht aus politischen Motiven geschehen ist“, atmete Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig gestern auf. Sie selbst hatte die fehlenden Steine morgens auf dem Weg ins Rathaus bemerkt – da hatte die Polizei sie bereits mitgenommen. Als „unglaublich blöd“ bezeichnet sie die Tat. Zepig verspricht, die neun Stolpersteine möglichst bald wieder einsetzen zu lassen.

Von Stefan Schmidt

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